Kommentar
Schluss mit Gemütlichkeit – es muss viel rascher geimpft werden

Nicht nur die Beschaffung und die Bereitstellung der Anti-Corona-Impfstoffe durch den Bund gegeben seit Wochen zu reden. Auch die Strategie für das Spritzen der Vakzine ist in aller Munde, weil es mit dem Durchimpfen viel zu langsam voran geht. Jetzt haben Bund und Kantone ihre Strategie korrigiert – es ist höchste Zeit dafür!

Jérôme Martinu
Jérôme Martinu
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Blick ins kantonale Covid-Impfzentrum in der Messehalle der Stadt Luzern.

Blick ins kantonale Covid-Impfzentrum in der Messehalle der Stadt Luzern.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 13. März 2021)

Defensive, zögerliche, zu wenig breite Impfstoffbestellungen. Eine erst spät bereitgestellte Impf-Software. Verzögerte Lieferungen. Ein fehlendes digitales Instrument für Impfnachweise. Ein in den Wind geschlagenes Angebot von Lonza, sich an einer eigenen Vakzin-Produktionsstrasse zu beteiligen. Widersprüchliche Kommunikation und zu wenig spürbare Bereitschaft, das Tempo beim Spritzensetzen so hoch wie möglich zu halten. Innenminister Alain Berset und sein Bundesamt für Gesundheit BAG machen keine gute Figur. Und in den Kantonen sind die Diskrepanzen, je nach Effizienzgrad der Impf-Organisation, klar zu gross. Weiter mangelt es an Verbindlichkeit. St. Gallen etwa wurden für Mai 140000 Impfdosen versprochen. Auf die Zusage, wie viele genau wann geliefert werden, wartet man immer noch.

Es ist darum eine gute Nachricht: Das BAG hat die Impfstrategie jetzt korrigiert, damit es für Impfwillige schneller vorangeht. Die starre Abfolge der Altersgruppen etwa wird gelockert. Und die Kantone sollen nicht mehr eine zweite Dosis als Reserve zurückhalten – was zu grossen Verzögerungen führte. Luzern beispielsweise kann nun plötzlich innert zweier Wochen 10000 zusätzliche Erstimpfungen durchführen. Rund 20 Prozent (!) des Impfstoffs wurden bislang in kantonalen Kühlschränken zurückgehalten.

Im Argen liegt aber auch organisatorisch einiges. Beispiel: Im Aargau oder in Luzern kann sich eine Person mittlerweile für mehrere Impfzentren nachmelden. Über die Registrationssoftware des Bundes geht das aber nicht, weil für Impfwillige kein Zugriff eingebaut ist. Man muss hierfür also zum Telefonhörer greifen oder den Weg per E-Mail gehen.

Die Schweiz ist zwar eines der modernsten und reichsten Länder. Die Pandemie zeigt indes schonungslos, dass sie bei der Digitalisierung zum Teil noch im Mittelalter feststeckt. Anders etwa Dänemark: Dort gibt es eine Coronapass-App, auf der Impfnachweis, Testresultate oder eine überstandene Covid-Infektion aufscheinen.

Um das grösstmögliche Mass unserer Freiheiten bald wiederzuerlangen, ist die Impfgeschwindigkeit matchentscheidend. Bund und Kantone müssen sich endlich vom administrativen Gemütlichkeitsmodus verabschieden. An Sonn- und Feiertagen geschlossene Impfzentren liegen einfach nicht mehr drin.