Kommentar
Der linke Burgfriede wackelt: Die Grünen nehmen bei den Bundesratswahlen auch die SP ins Visier

Die Bundesratswahlen 2023 hinterlassen bereits Spuren. «Greift ihr die SP an, wenn sie nach den Wahlen schlechter dasteht als die FDP», fragt FDP-Präsident Burkart. «Dann ja», sagt Grünen-Präsident Glättli.

Othmar von Matt
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Im Streitgespräch für CH Media: Grünen-Präsident Balthasar Glättli (links) und FDP-Präsident Thierry Burkart.

Im Streitgespräch für CH Media: Grünen-Präsident Balthasar Glättli (links) und FDP-Präsident Thierry Burkart.

Fabio Baranzini (Aarau, 23. November 2021)

«Greifen die Grünen die SP an, wenn sie nach den Wahlen 2023 schlechter dasteht als die FDP?» Dies fragt FDP-Präsident Thierry Burkart im Streitgespräch Grünen-Präsident Balthasar Glättli. «Dann ja», sagt dieser. Damit bestätigt er erstmals, dass die Grünen auch dazu bereit sind, ihre Schwesterpartei anzugreifen – sollte sie hinter die FDP fallen.

Glättlis Aussagen schaffen eine neue Ausgangslage für die Wahlen 2023. Denn damit ist klar: Es kommt zu einem harten Duell zwischen SP und FDP um die Frage, wer 2023 die zweitstärkste Partei im Land ist. Das ist nämlich inzwischen nicht mehr so eindeutig.

Die Situation der SP wird zunehmend ungemütlich

Noch liegt zwar die SP vorne. Der aktuelle Trend spricht aber gegen sie. In Freiburg verlor sie sieben Sitze – direkt an die Grünen. Ihre Situation wird zunehmend ungemütlich. Auch der Trend der FDP zeigt abwärts, aber nicht so deutlich. Es könnte eng werden zwischen den beiden Parteien. Aus dem Schneider scheint die Mitte zu sein. Auch die beiden SVP-Sitze sind zurzeit kein Thema.

Brisant sind Glättlis Aussagen aber vor allem aus einem Grund: Es wird klar, dass die Grünen ihren ersten Bundesratssitz in der Geschichte mit aller Konsequenz anstreben. Im Zweifelsfall selbst gegen die SP, sollte diese von der FDP überholt werden. Sie sind bereit, dafür den Burgfrieden im linken Lager zu opfern. Die Chance, einen Regierungssitz links zu ergattern, ist ungleich grösser als ihn Mitte-Rechts abzuluchsen. Das wissen auch die Grünen.

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