Kommentar
Es braucht ein Zeichen der Versöhnung: Die Zertifikatspflicht in Restaurants sollte fallen

Auch in der Schweiz wird diskutiert, was in Österreich bereits gilt: 2G statt 3G. Das kann für Grossveranstaltungen eine Option sein, wäre für die Gastronomie aber falsch. Hier müsste die Diskussion in eine andere Richtung gehen.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Zutritt nur mit 3G, in Österreich mit 2G: Ein Lokal in der Schweiz.

Zutritt nur mit 3G, in Österreich mit 2G: Ein Lokal in der Schweiz.

Britta Gut / Keystone / Montage: kob

Es kann sein, dass das Covid-Zertifikat bald auch in der Schweiz nur noch für Geimpfte und Genesene als Zutrittspass funktioniert. Nicht mehr für Getestete.

2G darf als vorbehaltene Massnahme kein Tabu sein. Leider steigen die Fallzahlen wieder stark an. Es gilt jetzt zweierlei zu verhindern. Erstens eine Überlastung der Spitäler. Und zweitens einen wirtschaftlich schädlichen Lockdown, wie ihn mehrere Länder bereits wieder verfügt haben.

Sagen wir es ohne Umschweife: Über diese unangenehmen Alternativen reden wir nur, weil in der Schweiz viel zu wenige Menschen geimpft sind. Sonst wären alle Einschränkungen aufgehoben. Es wäre so einfach!

Restaurants sind wie der ÖV ein Service public

In der aktuell sehr angespannten Situation braucht es aber nicht nur vorbehaltene Verschärfungen, sondern auch Zeichen der Versöhnung. Ein solches Zeichen drängt sich in der Gastronomie auf.

In Restaurants darf 2G (anders als in Österreich) nicht kommen. Man sollte sogar darüber diskutieren, die Zertifikatspflicht in der Gastronomie aufzuheben. Restaurants sind ein Service public, der allen offen stehen sollte. Sie sind eher vergleichbar mit dem öffentlichen Verkehr, wo es kein Zertifikat braucht, als mit Grossveranstaltungen oder Kinos.

Restaurants haben eine unterschätzte soziale Bedeutung. Denken wir an einsame Menschen. Oder an Büezerinnen und Büezer, die draussen arbeiten und jetzt, wo es kälter wird, drinnen etwas Warmes essen sollten.

Jedes Lokal soll selber entscheiden können, ob es das Zertifikat verlangt oder nicht. In den Städten wird 3G wohl bleiben, in spärlich besuchten Landbeizen verschwinden. Die Wirte und die Gäste sind mittlerweile gut informiert; beide werden ihre Wahl treffen. Mehr als 600 Tage nach Ausbruch der Pandemie darf man ihnen diese Verantwortung zutrauen.

Eine Versöhnung tut not, denn mit immer mehr Druck drängt man Ungeimpfte in die Enge – das erhöht nicht die Impfquote, sondern kann bei vielen sogar kontraproduktiv sein. Nur eines bewirkt es mit Bestimmtheit: Spannungen und Konflikte.

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