Kommentar
Der Nationalbank fehlt die politische Legitimation, um einzugreifen

Die Nationalbank warnte wiederholt vor einer Überhitzung des Immobilienmarkts. Doch eingegriffen hat sie nicht. Dafür braucht sie den Bundesrat.

Daniel Zulauf
Daniel Zulauf
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Nationalbankpräsident Thomas Jordan.

Nationalbankpräsident Thomas Jordan.

Keystone

Bei uns bedeutet Politik Staatsführung zum Nutzen aller. Diesem ­Primat muss sich auch die Politik des Geldes unterordnen. Doch seit das Geld keinen Zins mehr hat, seit das Geld sogar etwas kostet, wenn es in allzu grosser Menge auf dem Bankkonto gehortet wird, sind die ohnehin meist folgenschweren und heiklen Entscheidungen in der Geldpolitik noch viel komplizierter geworden.

Nationalbank-Chef Thomas Jordan kann ein Lied davon singen. Er möchte das Kreditangebot im überhitzten Hypothekenmarkt so rasch als möglich weiter verknappen – zum Schutz der Banken und aller Steuerzahler.

Nebst dem Leitzins, den die Nationalbank kein Jota erhöhen kann, ohne eine massive Aufwertung des Frankens zu riskieren, steht ihr als Instrument der antizyklische Kapitalpuffer zur Verfügung. Damit kann sie die Banken zwingen, für jeden Hypothekarkredit mehr Eigenkapital vorzuhalten. Das stärkt erstens die Bilanz der Bank und dämpft zweitens das Angebot im Kreditmarkt.

Doch direkte Markteingriffe schaffen immer auch Verlierer. Schon jetzt ist Eigenbesitz eigentlich nur noch ein Ding für Alte und Reiche. Deshalb ist es der Bundesrat, der den Puffer aktivieren muss. Der Nationalbank fehlt die politische Legitimation. Jordan wird aber alles daransetzen, die Begleitschäden seiner Negativzinspolitik zu minimieren. Deshalb wird er auch den Bundesrat dazu bringen, in den sauren Apfel zu beissen.

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