Mein Olten
Warum Aare-Bööteln nicht immer zieht

Kirill Bourovoi *
Kirill Bourovoi *
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Mit Gummibooten auf der Aare (Symbolbild).

Mit Gummibooten auf der Aare (Symbolbild).

André Albrecht

Wenn ich jemandem aus dem Ausland Olten schmackhaft machen möchte, dann habe ich inzwischen in meinem Repertoire ein paar Storys gesammelt. «Kommt uns doch einfach mal besuchen in Olten!» zieht selten auf Anhieb, auch nicht bei Nicht-Schweizern. Dass man ein Gästezimmer bereit hat, ist auch kein überzeugender Grund für einen Besuch, sondern mit steigendem Alter und Nachwuchs eher eine zwingende Voraussetzung zur Übernachtung. So muss man sich schon etwas mehr ins Zeug legen und in die imaginäre Marketingbroschüre packen.

In meiner Broschüre landet da beispielsweise der Garten, der Jura, die Alpen und natürlich die Aare. Aus mehrjähriger Erfahrung bin ich bisher am erfolgreichsten damit gefahren, hochsommerliche Bilder vom Aare-Bööteln zu teilen. Das sieht einfach nach wahrem Urlaub aus! Und tatsächlich versetzt einen so ein halbtägiger Ausflug von Murgenthal oder gar Aarwangen nach Olten in wahre Ferienstimmung. Ich frage mich dann jedes Mal, wieso ich das denn nicht noch viel öfter mache. Es ist ja schliesslich gleich vor der Haustür. Dabei kann ich bei weitem nicht immer die Schuld auf das Wetter schieben, wie in diesem hochwasserreichen Jahr.

Wie dem auch sei: Was man verspricht, muss man auch halten! Das führt nicht selten zu so manch einem Abenteuer. Mehr als einmal ist es mir somit schon passiert, dass wir die Tour bei einer eher wechselhaften Wetterprognose angetreten sind. So findet man sich dann bei einem Regenschauer unter einer der vielen Brücken in der Nähe Aarburgs mit einer Tüte durchnässter Kartoffelchips wieder. Aber auch wenn das Wetter voll mitmacht, wird es nicht langweilig. Entweder man entdeckt auf halber Strecke ein Loch im Gummiboot und muss ständig nachpumpen oder den Finger draufhalten oder man bricht ein Ruder und muss mit dem Picknicktellern weiterpaddeln. Und zu sehen gibt es auch reichlich: Von Bibern, Wasservögeln, Menschen auf pinken aufgeblasenen Wasservögeln bis hin zu riverboardenden Einheimischen auf seltsamen Eigenkonstruktionen. Es ist auf jeden Fall immer ein Erlebnis!

Dieses Jahr habe ich es bisher lediglich zweimal in diesen halbtägigen Urlaub geschafft. Einmal vor dem Hochwasser und ein weiteres Mal danach. Bei dieser letzten Fahrt im August waren wir nur zu zweit unterwegs. Wir konnten bei gemächlicher Flussgeschwindigkeit die Spuren des Hochwassers an den Ufern bestaunen und sind trotz einer guten Wetterprognose mal kurz in den Regen gekommen, was der guten Laune dank der grosszügigen Proviantvorräte keinen Abbruch getan hat. Die Besatzungen der wenigen anderen Boote und SUPs haben wir beim gelegentlichen Kreuzen mit unserer englischsprachigen Unterhaltung über die statistische Unvorhersagbarkeit von Extremwetterereignissen und unserem schlecht ausgesprochenen «Grüezi» sichtlich überrumpelt. In Olten angekommen, sind wir nicht wie so oft winkend und über beide Ohren grinsend vor dem Aarebistro vorbeigeschippert, sondern haben angelegt, rasch zusammengepackt und sind ohne ein Abschlussbier direkt nach Hause gedackelt. Schliesslich wartet dort noch ein Abendessen mit Frau, Baby und Oma, die gerade aus Italien zu Besuch ist und trotz des ausgereiften Werbe-Pitchs partout nicht mitkommen wollte. Ich gebe es zu: Die Aussichten auf ein Abenteuer auf dem Fluss ziehen auch nicht immer. Man muss eben stets empfängergerecht bleiben. So ein Enkelkind macht ja auch eine gute Story.

* Kirill Bourovoi aus Olten ist Personalentwickler bei Franke

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