KOMMENTAR
Ein Häuschen im Grünen? Ausgeträumt. Warum die hohen Hauspreise auch etwas Positives haben

Das Angebot an Wohneigentum ist knapp. Für viele ist ein eigenes Haus im Grünen unerschwinglich geworden. Aus raumplanerischer Sicht ist diese Entwicklung zu begrüssen.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
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Ein Wohnquartier im Sonnental, das zur Gemeinde Oberbüren im Kanton St. Gallen gehört.

Ein Wohnquartier im Sonnental, das zur Gemeinde Oberbüren im Kanton St. Gallen gehört.

Benjamin Manser

Wer in der Schweiz ein Haus oder eine Wohnung kaufen will, muss wohlhabend sein. Das war schon immer so, hat sich aber mit den zuletzt stark steigenden Preisen akzentuiert.

Konnten in den vergangenen Jahren dank historisch tiefer Zinsen viele mittelständische Familien ein Eigenheim erwerben, scheint der Hauskauf nun wieder vermehrt zum Privileg der Oberschicht zu werden. In städtischen Zentren gibt es kaum verfügbare Immobilien – und falls doch, muss dafür weit über eine Million Franken hingeblättert werden.

Sozialpolitisch mag man dies bedauern. Es wäre sicher allen zu gönnen, in einer hübschen Stadtwohnung oder im grosszügigen Landhaus das Leben verbringen zu dürfen. Klar ist auch: Die Vermögensschere zwischen Hausbesitzern und Mietern öffnet sich durch die Preissteigerungen weiter.

Aus raumplanerischer Sicht jedoch ist diese Preisentwicklung zu begrüssen.

Das Mittelland, wo der Grossteil der 8,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des Landes leben, ist stark zersiedelt.

Vielerorts wurden ab den 1960er Jahren Einfamilienhausteppiche gelegt, die viel Grünfläche zum Verschwinden gebracht haben. Wer vom Bodensee an den Genfersee fährt, kann die Folgen einer lange Zeit von lokalen Bauinteressen geprägten Raumplanungspolitik beobachten.

Um diese Entwicklung zu stoppen, war es notwendig, mit der Revision des Raumplanungsgesetzes auf Bundesebene die Entstehung neuer Bauzonen zu erschweren. Die Folge davon ist eine in der Tendenz sinkende Bautätigkeit auf der grünen Wiese. In Kombination mit dem steigenden Wohlstand, den tiefen Zinsen, veränderten Wohnbedürfnissen und der ungebrochenen Zuwanderung führt dies unweigerlich zu steigenden Preisen.

Für die Gesellschaft insgesamt ist diese Entwicklung positiv. Die Zubetonierung der Landschaft mit neuen Einfamilienhausquartieren muss reduziert werden. In unseren Städten und Dörfern gibt es genug Potenzial zur inneren Verdichtung. Dort aber sind die Quadratmeterpreise oft so hoch, dass sich nur wenige Eigentum leisten können.

Umso wichtiger ist ein Mietrecht, das für ausreichenden Wohnraum zu fairen Mietpreisen sorgt. Darauf ist politisch der Fokus zu legen.

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