Gastkommentar
Ladies & Gendermen* #:°!%innen und –aussen

Die Genderdebatte ist im Grundsatz richtig, jetzt aber kippt sie ins Lächerliche. Dabei wäre Lachen an sich so wichtig. Das hat schon der Dalai Lama gesagt.

Peach Weber
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Peach Weber: «Ein herzhaftes Lachen streichelt die Seele»

Peach Weber: «Ein herzhaftes Lachen streichelt die Seele»

Britta Gut

Ich fange mein neues Programm mit dieser Begrüssung an: «Guten Abend, meine herrlichen Damen und dämlichen Herren.» Das kann man lustig finden, ist aber freiwillig. Die Metoo/Gender-Debatte ist im Grundsatz richtig und wichtig, jetzt aber beginnt sie zu kippen ins Lächerliche. Und die Übereifrigen merken nicht, dass sie ihrer an sich guten Sache nur noch schaden.

Ich bin gerade daran eine Liste anzulegen, über welche Themen man heute als Komiker noch bedenkenlos einen Gag machen kann. Die Liste ist noch nicht sehr lang, da steht bis jetzt nur: «Pommes-Chips» und «Taschenlampe». Gut, ich habe erst begonnen, aber ich vermute, sie wird nicht sehr lang.

Doch wie hätte es Kon­fuzius sei­nerzeit gerne gesagt: «Ein herzhaftes Lachen streichelt die Seele.» Das habe ich jetzt gerade erfunden, aber ich glaube, er würde posthum nicken. Zehnmal am Tag herzhaft lachen zu können, das sollte zum Existenzminimum gehören und würde die Krankenkassen-Prämien um 20 Prozent senken.

Wer keinen Humor hat, ist nicht automatisch intelligent

Es gibt ja Menschen, die ­glauben, ihr fehlender Humor zeuge automatisch von Serio­sität und Intelligenz. Aber denken Sie nur an den Dalai Lama, halten Sie ihn für einen Hanswurst? Nein, auch wenn Sie kein Buddhist sind, wird Ihnen dieser Mann Eindruck machen. Ein absolut kluger und ernsthafter Mann, der seine philosophischen An­sprachen immer wieder mit seinem herzhaft ansteckenden Lachen garniert, manchmal auch über eine Albernheit oder Kleinigkeit, weil er weiss, dass Lachen die Herzen öffnet. Er sagte einmal: «Wenn Leute lachen, sind sie auch fähig, zu denken.» Das ist wirklich ein Zitat.

«Wenn Leute lachen, sind sie auch fähig zu denken.»

Für viele Pseudo-Intellektuelle ist Lachen suspekt, deutet auf Einfachheit, Schlichtheit des Gemüts hin. Was für ein Unsinn. Wir gendern lieber im «Gaggoo» herum, streiten darüber, ob Muttermilch dringend Menschenmilch genannt werden muss, als die wahren Probleme anzu­packen.

Wir haben ja kürzlich einen gloriosen Sieg über das doofe Klima errungen. Dem haben wir gezeigt, wo der Bartli den Diesel holt! Unter Führung unserer politischen Denk-Al­lergiker haben wir uns ver­leiten lassen, einen ersten, grösseren Schritt abzuschmettern und weiterhin vor uns herzuschieben.

Diese Leute haben die einmalige Gabe, alle Probleme der Welt mit Schlagwörtern auf einen einfältigen Nenner zu bringen. Natürlich verfängt das bei den Leuten, nicht nur bei den ganz dummen, sondern auch bei den mittelintelligenten. Und warum? Soll ich Ihnen ein Geheimnis verraten? Weil wir alle, und ich meine wirklich alle, auch mich und Sie da hinten, insgeheim doch möchten, dass alles so einfach wäre. Ein verständ­licher Wunsch in dieser komplizierten Welt, die uns alle überfordert.

Wir sollten die renitenten Klimakinder ernst nehmen

Das Virus war ein hinterhäl­tiger Armleuchter, das Klimaproblem wird uns aber tausendmal härter treffen. Deshalb finde ich die Scheinpolitiker dümmlich, die sich lustig machen über die renitenten Klimakinder. Diese haben bis jetzt ziemlich gewaltfrei demonstriert, wurden aber sofort verhaftet, während man sogenannte FCZ-Fans einfach gewähren lässt.

Was lernen die jungen Leute daraus? Dass man eventuell doch gewalttätiger werden muss, um gehört zu werden. Wollen wir das? Wäre es nicht viel intelligenter, ihnen jetzt zuzuhören und sie ernst zu nehmen und uns dafür lieber über köppelige Scheingelehrte lustig zu machen?

Aber anstatt Probleme anzupacken, feiern wir drei Milliardär-Schnuderbuben, die nichts Besseres zu tun haben, als ihre 70 Kilo Menschenfleisch unter Einsatz von Milliarden an Dollars sinnlos ins All zu schiessen. Und dabei geht es ihnen nur um das alte Macho-Gehabe, wer hat die grösste und längste Rakete. Jämmerlich.

Also, den Wecker haben wir verpasst. Den Schuss haben wir nicht gehört. Worauf warten wir? Auf den Kanonendonner? Auf eine gewaltige Detonation? Nehmen wir dann die Ohrstöpsel raus?

Peach Weber ist Komiker und will bis zu seiner Abschiedsvorstellung am 15. Oktober 2027 im Hallenstadion Zürich aktiv auf der Bühne bleiben.

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