Kommentar
Chaos und Frust zum Impfstart: Bundesbern, wir haben ein Problem

Das Unvermögen, ausreichend und ausreichend geeigneten Impfstoff zu beschaffen, ist das eine. Das andere ist das logistische Versagen.

Balz Bruder
Drucken
Teilen

«Man muss das Mögliche versuchen, um das Unmögliche zu erreichen.» An diese Verkehrung eines Satzes von Hermann Hesse fühlt sich erinnert, wer sich vor Augen führt, was der Impfstart in vielen Kantonen produzierte: Chaos und Frust.

Das ist erstens unverständlich, weil die Impferei nun tatsächlich nicht vom Himmel gefallen ist. Zweitens mutet der zwar nicht überall, aber verbreitet festgestellte Fehlstart umso zynischer an, als die Zahl der Impfdosen, die überhaupt zur Verfügung steht, noch sehr überschaubar ist.

Das Unvermögen, ausreichend und ausreichend geeigneten Impfstoff zu beschaffen, ist das eine. Das andere ist das logistische Versagen. Das Scheitern fing beim fehlenden elektronischen Anmeldungstool und bei toten Telefonleitungen an. Was wie ein schlechter Witz aus dem Zeitalter von Schreibmaschine und Telex anmutet, ist Arbeitstag eins im neuen Jahr.

Der Schaden ist mehr psychologischer denn physischer Natur. Und er wirft ein schlechtes Licht auf die Problemlösungskapazitäten in diesem Land. Kein Wunder, ertönt der Ruf nach der Armee als Retterin in der Not. Kein so falscher Gedanke. Denn der Bund kann das öffentliche Leben nicht zusehends herunterfahren, um die Infektionszahlen zu reduzieren – und gleichzeitig beim Einsatz des probatesten Mittels dafür zu versagen.

Es ist immer noch alles möglich. Auch wenn es gestern unmöglich war.