Café Fédéral
Fehler machen immer die anderen

Politiker zeigen gerne Fehler der anderen auf, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken. Was hat eine Aussage von Christa Markwalder damit zu tun?

Lucien Fluri
Lucien Fluri
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Fiel mit einem Fingerzeig auf: Christa Markwalder.

Fiel mit einem Fingerzeig auf: Christa Markwalder.

Keystone

Fehler: Wir Menschen machen sie, aber gestehen sie selten gerne ein. Und Politiker sind auch nur Menschen. Fehler geben sie vielleicht noch weniger gerne zu als der Durchschnittsmensch, schliesslich stehen sie im Rampenlicht und müssen öffentlich Asche über ihr Haupt streuen.

Ganz gerne zeigt man dafür (auch in der Politik) auf die Fehler anderer, vor allem wenn sie einem selbst nützen. (Und das ist in der Politik oft so.) Wenn Politiker in Abstimmungskämpfen also die Fehler anderer herausstreichen, sollten wir besonders skeptisch sein.

Vergangene Woche argumentierte in der SRF-Abstimmungsdebatte Nationalrätin Christa Markwalder dafür, dass Private und nicht der Bund die E-ID erstellen sollen. Wörtlich sagte sie: «Mich hat schon in der ersten Sitzung der Kommission die Aussage der Verwaltung überzeugt, die sagte: Schauen Sie mal, wie viele IT-Projekte für Hunderte Millionen Steuerfranken wir schon in den Sand gesetzt haben. Wir sind nicht die optimalen Anbieter.» Private könnten es besser.

Zwar ist unbestritten, dass es eine unrühmliche Serie von teuren IT-Pannen beim Bund gab. Aber eine Verwaltung, die in fast unmenschlich ehrlicher Schonungslosigkeit mit dem Finger auf sich selbst zeigt und sich als unfähig brandmarkt? Ist da ein Schelm, wer denkt, diese Aussage könnte politisch gefärbt sein?

Nun, ich möchte jetzt keinen Fehler machen. Das Urteil überlasse ich gerne Ihnen.