Züricher Kantonsrat
Damit Essen nicht im Abfall landet: Kanton Zürich soll Konzept zur Vermeidung von Food Waste erstellen

Lebensmittel sollen nicht im Abfall landen, sondern an Bedürftige weiterverteilt werden. Der Kantonsrat hat am Montag entschieden, dass der Regierungsrat ein Konzept gegen Food Waste ausarbeiten soll. Widerstand kam einzig von der SVP.

Matthias Scharrer
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Lokale Initiativen zur Weitergabe von nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln gibt es bereits. Nun soll der Regierungsrat ein flächendeckendes Konzept vorlegen.

Lokale Initiativen zur Weitergabe von nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln gibt es bereits. Nun soll der Regierungsrat ein flächendeckendes Konzept vorlegen.

Severin Bigler

Täglich landen tonnenweise nicht mehr verkäufliche Lebensmittel aus Läden und Gastrobetrieben im Abfall. Zwar gibt es bereits Organisationen wie «Tischlein deck dich», die diese Verschwendung zu verhindern suchen, indem sie übrig gebliebenes Essen an Bedürftige verteilen. Doch nun soll der Zürcher Regierungsrat ein flächendeckendes Konzept dazu entwickeln. Ein entsprechendes Postulat der Grünen und der GLP hat der Kantonsrat am Montag mit deutlicher Mehrheit gutgeheissen. Einzig die SVP stimmte dagegen.

«Ein flächendeckendes Konzept kann mehr bewirken als lokale Aktionen», erklärte Benjamin Walder (Grüne, Wetzikon). Er hatte bereits im Zürcher Jugendparlament eine entsprechende Petition mit erarbeitet. Nun setzt sich der Medizinstudent im Kantonsrat für das Anliegen ein. Schützenhilfe erhielt er von fast allen Parteien. Einzig die SVP hatte grundsätzliche Einwände: «Die Regierung hat nicht das Recht, in den Besitz von Detailhändlern einzugreifen», sagte Beat Huber (SVP, Buchs).

Ernährungsgewohnheiten belasten die Umwelt

Doch darum gehe es gar nicht, konterte Christa Stünzi (GLP, Horgen). Mit dem vom Regierungsrat geforderten Konzept seien vielmehr Rahmenbedingungen gemeint, die es ermöglichen, überschüssige Nahrung weiter zu verwerten. «Es liegt im Interesse von uns allen, dass die Lebensmittel auf dem Teller landen», so die Grünliberale, die das Postulat mit eingereicht hatte. Schliesslich mache die Ernährung mit knapp 30 Prozent den grössten Anteil an allen konsum- und produktionsbedingten Umweltbelastungen der Schweiz aus, wie es in der Begründung des Postulats heisst.

Arme könnten profitieren

Laut Bundesamt für Umwelt werden in der Schweiz jährlich 2,6 Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel vernichtet. Abnehmer gäbe es genug, wie die Postulanten weiter betonen: Laut Bundesamt für Statistik leben schweizweit 615000 Menschen am oder unter dem Existenzminimum.

Der Kanton Zürich könne somit ein wichtiges Zeichen gegen den Klimawandel und den Hunger in der Welt setzen, folgerte Brigitte Röösli (SP, Illnau-Effretikon).

Auch die FDP konnte sich trotz Vorbehalten für das Anliegen erwärmen. Der weitaus grösste Teil der Lebensmittelverschwendung finde in Privathaushalten statt, gab Martin Huber (FDP, Neftenbach) zu bedenken. Zudem seien bereits auf Bundesebene Bestrebungen am Laufen, um Food Waste zu vermeiden. Und: Das Verteilen der nicht mehr verkäuflichen Lebensmittel dürfe nicht am Gastrogewerbe und am Detailhandel hängen bleiben. «Es geht nicht zuletzt auch darum, den Lebensmitteln die Wertschätzung zu geben, die sie verdienen», begründete Huber das freisinnige Ja zum Postulat.

Regierungsrat arbeitet bereits an einer Strategie

Auch beim Regierungsrat rannten die Grünen und die GLP mit ihrem Postulat offene Türen ein: Die Kantonsregierung plane ohnehin bereit eine Strategie, um Food Waste zu vermeiden und sei daher gerne bereit, das Postulat entgegenzunehmen, sagte Regierungsrat Martin Neukom (Grüne). Gerade in Grossküchen lasse sich viel erreichen. Welche Taten den Worten folgen, bleibt abzuwarten. Der Regierungsrat hat nun maximal zwei Jahre Zeit, einen Bericht dazu vorzulegen.

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