Zürich
Trampeltiere: Die Überlebenskünstler aus dem Zoo Zürich laufen auch beim Sechseläuten mit

Der Körper von Kamelen ist perfekt an extreme Umweltbedingungen angepasst, doch ihre Wildart ist vom Aussterben bedroht. Deshalb gibt es in Zoos lediglich Hauskamele zu bewundern. Im Zoo Zürich hat deren Haltung lange Tradition.

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In den Höckern speichert das Trampeltier Fett.

In den Höckern speichert das Trampeltier Fett.

Bild: Enzo Franchini/Zoo Zürich

Insgesamt fünf weibliche, zweihöckrige Kamele, auch Trampeltiere genannt, beherbergt der Zoo Zürich. Seit 1931, also kurz nach dessen Eröffnung, gibt es diese Tiere dort schon zu bewundern. Seither wurden 30 Jungtiere geboren, schreibt der Zoo in einer Medienmitteilung am Mittwoch. Einige der Trampeltiere sind regelmässig am Zürcher Sechseläuten dabei. Dazu laufen sie vom Zoo in die Innenstadt und nehmen am Umzug der Zunft zum Kämbel teil, deren Wappentier das Dromedar, also das einhöckrige Kamel, ist.

Doch das Trampeltier kann weit mehr, als nur gutmütig durch die Stadt zu wandern. In der Natur ist es ein wahrer Überlebenskünstler. Sein Körper ist perfekt an extreme Umweltbedingungen angepasst. Kein Wunder: Trampeltiere leben in Zentralasien in und um die Wüste Gobi, die durch extrem heisse Sommer, sehr kalte Winter, wenig Niederschlag und grosse Temperaturschwankungen geprägt ist. In seinen Höckern speichert das Trampeltier Fett, das als Notvorrat in Zeiten mit wenig Wasser dient. Dazu verbrennt es das Fett, wobei neben Energie auch Wasser entsteht. Die spezielle Form und hohe Anzahl roter Blutkörperchen sorgt zudem dafür, dass die Tiere in kürzester Zeit viel Wasser aufnehmen können. In Zahlen sind das bis zu 135 Liter in 13 Minuten.

Die Trampeltiere vom Zoo Zürich in Action.

Video: Youtube/Zoo Zürich

Aber auch sonst sind die Trampeltiere für diverse Wetterextreme ausgerüstet: Dicke Augenlider, lange Wimpern und verschliessbare Nasenlöcher schützen bei Sandstürmen Augen und Nase. Schwielige Polster anstelle von Hufen helfen ihnen beim Laufen auf Sand, indem sie weniger stark einsinken. Im Winter haben die Tiere ein eher dickes und langes, im Frühjahr ein dünnes und kurzes Fell. Ihre Körpertemperatur ist flexibel und kann je nach Aussentemperatur um sechs bis acht Celsius schwanken. Damit vermeiden die Tiere Unterkühlung oder Überhitzung.

Dank seiner speziellen Füsse sinkt das Trampeltier in der Wüste im Sand fast nicht ein.

Dank seiner speziellen Füsse sinkt das Trampeltier in der Wüste im Sand fast nicht ein.

Bild: Enzo Franchini/Zoo Zürich

Wichtig sind diese Eigenschaften allerdings vor allem in der Wildnis und für die dort vorkommenden Wildkamele. Allerdings ist die Art vom Aussterben bedroht. Ihre Zahl wird auf unter 1000 Tiere geschätzt. Sie sind vor allem durch die Konkurrenz mit Nutztieren, die Jagd und die Zersiedelung der Landschaft bedroht. Deshalb hält auch kein Zoo auf der Welt Wildkamele. Auch im Zoo Zürich gibt es lediglich Hauskamele zu bewundern. Das Hauskamel wurde vor etwa 4000 bis 6000 Jahren in Zentralasien domestiziert.

Normalerweise leben die Tiere in Haremsgruppen mit einem Männchen und mehreren Weibchen. Manchmal sind sie auch als Einzelgänger unterwegs. Im Zoo Zürich müssen sich die Weibchen derzeit jedoch mit ihresgleichen zufriedengeben. (sho)