Pandemie
Noch können die Zürcher Labore die vielen Tests bewältigen – aber die Auslastung ist hoch

Die Nachfrage nach PCR-Tests im Kanton Zürich ist hoch, die Anzahl positiv Getesteter ebenso. Bei manchen Laboren sind die Kapazitäten bereits ausgeschöpft. Das Bundesamt für Gesundheit reagiert nun.

Sven Hoti
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Es sind herausfordernde Tage für die Diagnostiker: Blick in das Corona-Testlabor am Flughafen Zürich.

Es sind herausfordernde Tage für die Diagnostiker: Blick in das Corona-Testlabor am Flughafen Zürich.

Michael Buholzer/Keystone

31'109 Fälle am Mittwoch, 32'239 am Donnerstag, 28'038 am Freitag: Die Coronafallzahlen in der Schweiz bleiben enorm hoch. Auch im Kanton Zürich waren sie in den bisher zwei Jahren Pandemie noch nie so hoch wie jetzt. Rekordhohe 5547 laborbestätigte Fälle meldete die Gesundheitsdirektion am Freitag. Weiterhin relativ tief sind die Hospitalisierungen und Todesfälle.

Grund für die hohen Fallzahlen ist vor allem die neue Virusvariante Omikron. Sie verbreitet sich viel rasanter als die Delta-Variante und es kommt häufiger zu Impfdurchbrüchen. Dies treibt die Ansteckungen in die Höhe. Allerdings werden im Kanton Zürich nicht mehr Tests durchgeführt als sonst. Die Anzahl Tests geht sogar seit Dezember leicht zurück, wenn auch von hohem Niveau.

Dafür geht die Positivitätsrate steil nach oben: 55’167 Tests (exklusive repetitiven Testungen) wurden in der Woche vom 27. Dezember bis
2. Januar im Kanton Zürich gemacht, davon waren 26,9 Prozent positiv – ein Höchststand seit Beginn der Pandemie.

Gesundheitsdirektion hat Anstieg nach Neujahr erwartet

Die grosse Nachfrage nach Coronatests spüren auch diejenigen, die sich gerne testen lassen würden, aber keine freien Termine mehr finden. So meldete das Spital Männedorf diese Woche gemäss einem Twitter-Nutzer, dass es aufgrund der hohen Auslastung der Labore zurzeit keine PCR-Tests mehr durchführen könne. Andere Testcenter wie etwa dasjenige beim Stadelhofen in Zürich oder beim Triemli-Spital haben, Stand heute, noch genügend freie Termine.

Tatsache ist allerdings, dass die Testlabore momentan genug zu tun haben. Der Verband der medizinischen Laboratorien der Schweiz warnte am Donnerstag in einer Mitteilung, dass die Labore «definitiv an ihr Limit» kämen. Auch ein Sprecher der Zürcher Gesundheitsdirektion bestätigt auf Anfrage, dass die Nachfrage nach Coronatests im Kanton derzeit erhöht sei. Man sei jedoch davon ausgegangen, dass diese nach Neujahr ansteigen werde. Für weitere Auskünfte verwies er an die zuständigen Diagnostiklabore.

Es fehlt geschultes Personal

Die vielen Tests halten die Labore auf Trab. Die Klinik Hirslanden etwa meldet eine Auslastung von 93 Prozent. «Derzeit können wir das Testvolumen an der Klinik Hirslanden in Zürich noch gut handhaben», schreibt eine Sprecherin auf Anfrage. Gemäss eigenen Angaben hat das Testcenter vergangene Woche 625 Tests durchgeführt (326 PCR- und 299 Antigentests), wovon 33,7 Prozent positiv ausfielen. Dazu die Sprecherin:

«Zu beobachten war dabei eine Verschiebung von Tests für Reisen hin zu Tests aufgrund von Symptomen.»

Bereits am Limit arbeitet das Zürcher Labor Analytica. Auf Anfrage will es zwar keine konkreten Angaben zur Anzahl durchgeführter Tests machen. Fachärztin Aline Sattler teilt aber mit: «Wir haben unsere Kapazitätsgrenze an Sars-CoV-2-PCR-Tests erreicht. Eine Steigerung der Kapazität ist ohne Qualitätsverlust und Verzögerungen nicht möglich. Entsprechend ist das für uns keine Option.» Der Engpass liege vor allem bei der Verfügbarkeit von geschultem Personal.

Was maximal möglich ist, entscheidet nicht nur das Equipment

Die schweizweit tätige Dr.-Risch-Gruppe, die unter anderem das Corona-Testlabor am Flughafen Zürich betreibt, konnte ihre Aufträge laut eigenen Angaben bislang «in grossen Teilen» zuverlässig durcharbeiten. Dies auch dank einer neuen Maschine, die das Unternehmen im Dezember in Betrieb genommen hatte und die erste ihrer Art auf dem europäischen Festland sei, wie Mediensprecher Alexander Bühler erklärt. Damit habe man die maschinellen Kapazitäten auf rund 16'000 PCR-Tests pro Tag verdoppeln können.

Doch auch mit der neuen Maschine kommen die Diagnostiker langsam an den Anschlag. Die Auslastung bewege sich momentan im oberen Bereich, sagt Bühler und führt aus:

«Die Volumen sind sehr hoch. Es sind herausfordernde Tage für uns.»

Die Maschinenkapazität sei nur ein Faktor von mehreren, welche die Gesamtkapazität beeinflusse. Personalausfälle etwa oder politische Entscheide wirkten sich ebenso auf ihre Arbeit aus. Bühler: «Wenn die repetitiven Testungen ausgeweitet oder die Frequenzen erhöht werden, hat dies unmittelbare Auswirkungen auf unsere Labore.»

«Den grossen Spielraum nach oben gibt es nicht mehr»

In den nächsten Wochen werden voraussichtlich weitere Fallzahlen- und Testrekorde gebrochen. Für die Labore heisst das: noch mehr Tests auswerten. Die Möglichkeiten dazu seien jedoch begrenzt, sagt Bühler von der Dr.-Risch-Gruppe. Er ergänzt:

«Restkapazitäten gibt es zwar noch. Damit holt man allerdings nicht mehr die grossen Mengen raus.»

Vielmehr schaue man dann mit Kooperationspartnern, die allenfalls noch freie Kapazitäten haben. Doch wahrscheinlich gehe es beim aktuellen Infektionsgeschehen allen Laboren gleich. «Den grossen Spielraum nach oben gibt es nicht mehr.»

Im Falle einer Überlastung der Labore könnten die gewohnten Durchlaufzeiten nicht mehr gewährleistet werden, erklärt Bühler. Mit der Konsequenz, dass es länger dauern werde, bis die Testresultate ausgewertet seien. Eine solche Situation möchte das Labor Analytica verhindern, weshalb es seine Kapazitäten gar nicht erst erhöhen wolle, wie Fachärztin Aline Sattler erklärt. Ziel sei es, die anfallenden Tests mit den bestehenden Ressourcen innerhalb von 24 Stunden nach Probeneingang abarbeiten zu können.

Das BAG passt seine Testempfehlung an

Wegen der hohen Fallzahlen hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seine Testempfehlung angepasst: Neu braucht es bei einem positiven Antigen-Schnelltest keinen zusätzlichen PCR-Test als Bestätigung mehr, wie das Amt am Freitag gegenüber der «NZZ» mitteilte. Wegen der aktuellen epidemiologischen Lage seien «falsch positive» Tests sehr unwahrscheinlich. Eine weitere Anpassung der Teststrategie werde geprüft, so das BAG.