Zürich
FCZ-Rowdy stürmte YB-Fanzug, verpasste einem Rivalen eine Schädelprellung und brach einem Mann doppelt den Kiefer

Ein junger Schweizer kassiert für mehrere Gewalttaten bedingte Freiheitsstrafen von 24 Monaten.

Michel Wenzler
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«Es ging ihm bloss um Dominanz», so der Staatsanwalt über den FCZ-Rowdy. (Symbolbild)

«Es ging ihm bloss um Dominanz», so der Staatsanwalt über den FCZ-Rowdy. (Symbolbild)

Keystone

Die Gretchenfrage stellte einer der Richter gleich zu Beginn: «Sind Sie ein Fussball-Ultra?» Nein, entgegnete der Beschuldigte am Bezirksgericht Zürich trocken. Er sei ein Mensch. Der heute 24-jährige Schweizer soll im August 2017 im Bahnhof Herzogenbuchsee mit über 20 FCZ-Hooligans einen YB-Fanzug nach Zürich abgepasst und gestürmt haben. Den Zugbegleitern gelang es damals rechtzeitig, die Wagen zu verriegeln. Sie verhinderten damit Schlimmeres. Einer der Zugbegleiter wurde aber von einem Hooligan mit einem Schlagstock verletzt.

Wegen dieses Vorfalls hat das Regionalgericht Emmental-Oberaargau im Sommer 2020 bereits drei FCZ-Chaoten zu bedingten Geldstrafen verurteilt. Für den 24-jährigen Beschuldigten wurde ein separates Verfahren in Zürich eröffnet, da er hier weitere, teils schwerere Straftaten begangen haben soll. In Wallisellen traktierte er gemäss der Anklageschrift einen Rivalen derart mit Faustschlägen und Fusstritten, dass dieser eine Schädelprellung davon trug.

Hinzu kommt ein weiterer Vorfall im Zürcher Niederdorf, der im Sommer 2018 für Aufsehen sorgte. Gemäss der damaligen Medienmitteilung der Stadtpolizei Zürich kam es kurz nach Mitternacht zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen. Zwei Männer wurden dabei schwer verletzt.

Einer blieb an Ort und Stelle liegen. Dem anderen gelang zunächst die Flucht, bevor ihn seine Gegner einholten und erneut niederschlugen. Als die Stadtpolizei eintraf und eine Person verhaftete, griffen FCZ-Chaoten die Patrouille an und bewarfen diese mit Gegenständen.

Den Unterkiefer gleich doppelt gebrochen

Der Beschuldigte soll Teil des Geschehens gewesen sein und unter Einfluss von Marihuana gestanden haben. Gemäss der Anklage schlug er einen der beiden Männern, der ebenfalls Drogen konsumiert hatte. Nachdem dieser zu Boden gegangen war und sich dessen Freund schützend über ihn geworfen hatte, schlug er angeblich auch auf diesen ein. Dabei soll er ihm den Unterkiefer gleich doppelt gebrochen haben.

Dies habe er allein aus Freude an der Gewalt getan, führte der Staatsanwalt am Freitag vor Gericht aus. «Es ging ihm bloss um Dominanz», sagte er über den Hünen, der sogar alle Polizisten überragte, die sicherheitshalber zur Verhandlung beordert worden waren.

Der Staatsanwalt liess zudem durchblicken, dass es sich bei der Auseinandersetzung im Niederdorf um eine Abrechnung verfeindeter Hooligans gehandelt haben könnte. Das brachte ihm die Kritik der Opferanwälte ein. «Die beiden haben nichts mit der Hooliganszene zu tun», sagte der eine. Dies beweise der Umstand, dass die Strafuntersuchung gegen sie ­wegen Raufhandels eingestellt worden sei. Anders verhalte es sich beim Beschuldigten. Dieser sei «Vorprügler» und «Chef eines Mobs».

Der junge Mann äusserte sich praktisch nicht zu den Vorwürfen. Nicht einmal eine Sprachnachricht wollte er kommentieren, die ihm der Richter vorspielte. In dieser hatte er einem Freund detailliert geschildert, wie der FCZ-Mob den YB-Fanzug angegriffen hatte. Dass er dabei war, bestritt er jedoch. Bei den Schlägereien im Zürcher Niederdorf und in Wallisellen räumte der Verteidiger hingegen eine Beteiligung des Beschuldigten ein. Doch lautete seine Version anders. In beiden Fällen habe er nur einen Faustschlag ausgeübt: in Wallisellen, nachdem ihn sein Widersacher provoziert habe, im Niederdorf aus Notwehr.

Vorwurf: Emotional ­ instabil und impulsiv

Die eigentlichen Aggressoren im Niederdorf seien nämlich die beiden vermeintlichen Opfer gewesen. Sie hätten einen 17-Jährigen und dessen Cousin angegriffen. Sein Mandant und andere seien diesen zu Hilfe geeilt. Der Verteidiger beantragte deshalb lediglich eine Geldstrafe für ihn wegen einfacher Körperverletzung. Anders sah es der Staatsanwalt. Er stützte sich auf ein Gutachten, das dem Beschuldigten ein mittleres bis hohes Risiko attestiert, erneut gewalttätig zu werden.

Es liege zwar keine psychische Störung vor, er sei aber emotional instabil und ein impulsiver Typ. «Es geht nicht, dass er weiterhin so durchs Leben schreitet und allen Angst einflösst», sagte der Staatsanwalt. Er forderte eine Freiheitsstrafe von 26 Monaten, wobei sechs Monate vollzogen und für die restlichen eine Probezeit von drei Jahren gewährt werden sollte. Das Gericht entschied sich für eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten bei einer Probezeit von fünf Jahren. Schuldig sei der Verurteilte der mehrfachen einfachen Körperverletzung, des Raufhandels sowie weiterer Vergehen, sagte der Gerichtsvorsitzende.

Er sah es auch als erwiesen an, dass der junge Mann 2017 in Herzogenbuchsee gewesen war. «Sie waren Teil einer gewaltbereiten Horde.» Dass er damals jemanden angegriffen habe, könne man ihm jedoch nicht beweisen. Der FCZ-Rowdy entgeht also dem Gefängnis. Das Gericht sprach aber mahnende Worte. Die bedingte Freiheitsstrafe sei die letzte Warnung, dass er sich nun nichts mehr zuschulden kommen lassen dürfe.

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