Tech-Konzerne
Facebook verdoppelt Zürcher Belegschaft – das hat Zuckerberg im Sihlcity vor

Mit voller Kraft in eine neue Internet-Welt: Facebook baut den Standort in Zürich weiter aus. Der Kampf um die europäische Vormachtstellung geht erst richtig los.

Adrian Müller / watson.ch
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Die Ocolus-Brille ist nur der Anfang: Facebook will ein Internet schaffen, das man erlebt und spürt.

Die Ocolus-Brille ist nur der Anfang: Facebook will ein Internet schaffen, das man erlebt und spürt.

Keystone

Das «Metaversum» gilt als potenzielles «Next Big Thing»: Unter diesem Projektnamen wollen Internetgiganten wie Facebook oder Microsoft ein Internet schaffen, das man erlebt und spürt, anstatt es nur auf einem Handy oder Bildschirm zu betrachten.

An vorderster Front dabei ist auch der Facebook-Standort in Zürich. Bislang entwickeln in den Büros beim Sihlcity 150 Mitarbeitende das Internet der Zukunft. Sie arbeiten für Oculus, eine Facebook-Abteilung, die Virtual-Reality-Brillen und -Umgebungen entwickelt. Nun baut der umstrittene Zuckerberg-Konzern in der Limmatstadt weiter aus: «Wir verdoppeln die Anzahl der Mitarbeitenden in Zürich», sagt Facebook-Sprecher Klaus Gorny zu watson. Bald werden also 300 Personen für Facebook in Zürich tätig sein.

Rasmus Dahl, Chef des Facebook-Ablegers in Zürich.

Rasmus Dahl, Chef des Facebook-Ablegers in Zürich.

facebook

Geht es nach Zuckerberg, sollen künftig Sitzungen im Metaversum statt auf Zoom oder Teams stattfinden. Dort nehmen die Teilnehmenden mit einem virtuellen Avatar an der Sitzung teil – sehen aber gleichzeitig ihre normale Umgebung mit Tischen, Computer und Tastatur – etwa im Homeoffice.

Man arbeite daran, dass die Technologien in VR-Headsets die Umgebung verstehen können. «Es ist spannend, weil wir eine Kerntechnologie entwickeln, die als Grundlage für einige der zukünftigen Produkte von Facebook dienen wird», schreibt der Chef des Zürcher Zuckerberg-Ablegers auf Facebook.

ETH setzt auf VR

Um die neue Internetwelt zu entwickeln, braucht Facebook junge Arbeitskräfte. Diese kommen oft direkt von der ETH. Denn dort wird Virtual Reality wird als wichtiger Forschungsbereich gefördert – zum Beispiel beim «Institute for Intelligent Interactive Systems». Auch beim «Media Technology Center» sowie beim «ETH AI Center», das letztes Jahr eröffnet wurde und in dem bereits rund 100 Professorinnen und Professoren vernetzt sind, sei Augmented Reality einer der Schwerpunkte, erklärt ein Mediensprecher der ETH auf watson-Anfrage.

Metaversum – kurz erklärt

youtube/nutshell

ETH: Ansturm auf IT-Studiengänge

Zürich mausert sich je länger je mehr von der Banken- zur Techmetropole. Das spürt auch die ETH Zürich, eine der renommiertesten «IT-Schmieden» Europas. So hat sich die Zahl der Bachelor-Studis im Fach Informatik massiv erhöht. Waren es 2011 noch rund 150, lag die Zahl letztes Jahr bei 420. «Bei den Informatik-Masterstudiengängen sieht es nicht anders aus: Sind hier 2010 noch 145 Studierende eingestiegen, waren es 2020 deren 514», schreibt die ETH-Medienstelle auf watson-Anfrage.

Dass verschiedene Technologiefirmen einen Standort in Zürich eröffnen oder diesen aufstocken, zeige das grosse Potenzial, das Zürich als Tech-Standort habe. Doch für die ETH gibt es aktuell ein grosses Problem: Wegen des Streits mit der EU ist die Schweiz vom europäischen Forschungsprogramm ausgeschlossen: «Dass die Schweiz von Horizon Europe ausgeschlossen wurde, gefährdet ihre Stellung innerhalb der internationalen Forschungsgemeinschaft und somit auch ihre Innovationskraft», so die Medienstelle weiter.

Anzahl IT-Mitarbeitende in der Schweiz

Ob Dublin, Berlin, Prag oder London: Die Schweiz befindet sich im harten Wettbewerb mit anderen europäischen Tech-Metropolen. Denn Europa soll bei der Entwicklung der Virtual-Reality-Zukunft des Internets eine entscheidende Rolle spielen. Facebook hat am Montag angekündigt, in den nächsten fünf Jahren für die Entwicklung des Metaversums in der EU 10'000 Jobs zu schaffen. «Die EU verfügt über eine Reihe von Vorteilen, die sie zu einem grossartigen Ort für Investitionen von Tech-Unternehmen machen», erklärte Facebook in einem Statement. Die Schweiz ist laut dem Facebook-Sprecher bei diesem Ausbauschritt ausdrücklich ausgenommen.

Kampf um IT-Fachkräfte

Zu diesen Vorzügen der EU gehörten «ein grosser Verbrauchermarkt, erstklassige Universitäten» sowie hochtalentierte Arbeitskräfte. Wie aber will Facebook so viele Leute auf dem ausgetrockneten IT-Jobmarkt rekrutieren? Facebook schielt laut dem Sprecher insbesondere auf Osteuropa. Dort haben sich in den letzten Jahren viele Menschen zu IT-Fachleuten ausgebildet.

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