Zürich
Bezirksgericht verurteilt Klimaaktivist – 82-jähriger Pfarrer erhält Geldstrafe

Das Bezirksgericht Zürich hat am Freitag einen pensionierten Pfarrer aus Lausanne zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

sda
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Der Prozess fand am Bezirksgericht Zürich statt.

Der Prozess fand am Bezirksgericht Zürich statt.

Archiv/Keystone

Der 82-Jährige hatte im Jahr 2021 an zwei Strassenblockaden in Zürich der Umweltschutzbewegung «Extinction Rebellion» teilgenommen, um auf die Klimaerwärmung aufmerksam zu machen. Der Richter ermunterte ihn, mit seinem Protest weiterzumachen – allerdings auf legalem Weg.

Der Pensionierte wurde wegen mehrfacher Nötigung und der Störung des Tram- und Busbetriebs zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 1200 Franken verurteilt. Davon verbüsste der Mann aus Lausanne einen Tagessatz bereits im Gefängnis, weil er bei der zweiten Strassenblockade in Zürich festgenommen wurde.

Die Geldstrafe wurde bedingt verhängt. Lässt sich der Senior in den kommenden zwei Jahren nichts zuschulden kommen, muss er die geforderte Summe somit nicht bezahlen. Mit seinem Urteil folgte das Bezirksgericht Zürich dem Antrag der Staatsanwaltschaft, reduzierte jedoch etwas die Höhe des Tagessatzes.

«Es ist wichtig, dass Sie weitermachen»

Auf den Klimawandel aufmerksam zu machen, sei absolut richtig, betonte der Richter am Freitag in seiner Urteilsbegründung. «Es ist auch wichtig, dass Sie damit weitermachen.» Allerdings sei ziviler Ungehorsam nur dann legitim, wenn es keine andere Möglichkeit gebe, mit einem Anliegen an die Öffentlichkeit zu gelangen. «Hier gibt es aber andere Möglichkeiten», führte der Richter aus. In Zürich sei es ohne Problem möglich, eine Bewilligung für eine Demonstration zu erhalten. Dann habe man die Erlaubnis, sein Anliegen ebenfalls auf öffentlichem Grund vorzutragen. «Und die Strassen werden dann auch dafür gesperrt», sagte der Richter.

Er nimmt einen Stuhl mit, um nicht zu lange zu stehen

Er nehme jeweils mit seiner Ehefrau an diesen Aktionen teil, weil er den Umweltschutz unterstütze. Eine solche Strassenblockade sei ein Protest-Schrei gegen die Klimaerwärmung, sagte der Verurteilte. Damit er bei den Blockaden auf Strassen und auf Plätzen nicht zu lange stehen müsse, nehme er jeweils einen Stuhl mit. «Ich werde damit weitermachen», sagte der Senior. Der 82-Jährige aus Lausanne nahm an zwei Strassenblockaden in der Zürcher Innenstadt teil. Die erste Protestaktion fand im Juni 2020 statt, die zweite wurde im Oktober 2021 durchgeführt. Dabei wurden die Quaibrücke und die Uraniabrücke jeweils für mehrere Stunden von den Klimaaktivisten für den Verkehr blockiert.

Es ist nicht der einzige Fall in Zusammenhang mit «Extinction Rebellion», mit dem das Bezirksgericht Zürich beschäftigt ist. Aktuell verhandelt es solche Fälle quasi am Laufmeter. Fast alle der Beteiligten stammen aus der Romandie.