Wohnungsmarkt

Zürcher Stadtrat will Langzeitmieter statt Business-Apartments in Wohnquartieren

Kurzfristig vermietete Apartments waren in den letzten Jahren in Zürich zunehmend gefragt. Jetzt setzt der Stadtrat Grenzen.

Kurzfristig vermietete Apartments waren in den letzten Jahren in Zürich zunehmend gefragt. Jetzt setzt der Stadtrat Grenzen.

In Zürich sollen Wohnungen, die jeweils für höchstens ein Jahr vermietet werden, künftig nicht mehr als Wohnanteil gelten. Jetzt sagt der Stadtrat, wie er die Forderung des Parlaments umsetzen will. Damit würde auch Airbnb eingeschränkt.

Die Zahl der Business-Apartments hat in Zürich zuletzt deutlich zugenommen. Sie stieg von 2760 im Jahr 2017 auf 3270 im Jahr 2019, wie Statistik Stadt Zürich unlängst mitteilte. Zum Wachstum  der zumeist kurzfristig und tendenziell eher teuer vermieteten Wohnungen trugen auch Plattformen wie Airbnb bei. Das Stadtparlament forderte, diesem Wachstum einen Riegel zu schieben – aus Sorge um Wohnraum für langfristige Bewohner der Stadt. Nun hat das städtische Hochbaudepartement unter Stadtrat André Odermatt (SP) bekannt gegeben, wie es den Parlamentsauftrag umsetzen will: Wohnungen, die weniger als ein Jahr am Stück vermietet werden, sollen nicht mehr dem Wohnanteil eines Gebiets zugerechnet werden – ausser, jemand hat gleichzeitig seinen Hauptwohnsitz in der betreffenden Wohnung oder nutzt sie als Zweitwohnung.

Mit anderen Worten: In Wohngegenden dürften künftig nicht mehr beliebig viele Business-Apartments vermietet werden. Dieses Anliegen hatte der damalige AL-Gemeinderat Niklaus Scherr schon 2009 mit einem Vorstoss im Gemeinderat eingebracht. Nach über zehn Jahren, in denen Stadt- und Gemeinderat den Vorstoss hin- und herschoben, zeichnet sich nun eine Umsetzung ab – wenn auch nicht eins zu eins.

Stadtrat ist teils strenger, als das Parlament verlangte

Der Stadtrat geht in einem Punkt über die Forderungen der linken Gemeinderatsmehrheit hinaus: Das Parlament hatte nur Wohnungen im Visier, die für maximal drei Monate am Stück vermietet werden. In Odermatts Vorlage beträgt die kritische Mietdauer nun bis zu einem Jahr. So wolle der Stadtrat möglichst viele befristete Mietverhältnisse erfassen, heisst es in den stadträtlichen Erläuterungen zur Vorlage. «Zudem steigt bei einer Vermietungsdauer von mehr als einem Jahr die Wahrscheinlichkeit, dass die jeweiligen Mieterinnen und Mieter Wohnsitz in Zürich nehmen, wodurch auch die soziale Stabilität in der Nachbarschaft gestärkt wird.»

Ausnahmeregelung
für Hotels

In einem anderen Punkt hat der Stadtrat die Forderungen des Parlaments aufgeweicht: Anders als vom Gemeinderat verlangt, dürften Hotels weiterhin beim Wohnanteil eines Quartiers miteingerechnet werden. «Hotels haben volkswirtschaftlich eine grosse Bedeutung für die Stadt Zürich», hält der Stadtrat dazu fest. «Eine Regulierung von Hotelnutzungen zugunsten von Erstwohnungen wäre nicht verhältnismässig.»

Wie viele Business-Apartments von der neuen Regelung betroffen wären, lässt sich laut Hochbaudepartements-Sekretär Urs Spinner nicht genau sagen. Es dürfte weniger als ein Prozent des gesamten Wohnungsbestands von aktuell rund 230000 Wohnungen in Zürich sein. Nicht alle Business-Apartments liegen nämlich in Gebieten, in denen ein hoher Wohnanteil vorgeschrieben ist. In der City und im Hochschulquartier machen Apartments rund zehn Prozent aller Wohnungen aus, wie Statistik Stadt Zürich schreibt. Gerade in der Innenstadt sind aber die vorgeschriebenen Wohnanteile eher tief angesetzt. «Es wird nicht viele treffen. Aber es wird die treffen, die Erstwohnungen verdrängen», sagt Spinner.

Dafür würden Business-Apartments nun vermehrt in Konkurrenz mit dem Gewerbe stehen, wenn es um die Vergabe von nutzbarem städtischen Raum geht. Wobei jedoch abzuwarten bleibt, wie sich die Coronakrise mittelfristig auf den Markt auswirkt. Sollten Business-Apartments künftig nicht mehr so gefragt sein, liessen sie sich leicht in unbefristet vermietbare Wohnungen umwandeln, gibt Spinner zu bedenken.

Die Vernehmlassung zur stadträtlichen Vorlage beginnt jetzt und dauert bis 8. September. Danach haben Stadt- und Gemeinderat nochmals darüber zu befinden. Auch der Kanton hat als Genehmigungsinstanz für die Teilrevision der Stadtzürcher Bau- und Zonenordnung noch das eine oder andere Wörtchen mitzureden.

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