Gesundheitspolitik

Weshalb Natalie Ricklis Demenzplan auf Kritik stösst

Demenz betrifft immer mehr Menschen. Auch Angehörige sind stark gefordert.

Demenz betrifft immer mehr Menschen. Auch Angehörige sind stark gefordert.

Die Zahl der Demenzkranken dürfte sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Nun will der Zürcher Regierungsrat will eine neue Stiftung lancieren, um den Umgang mit Demenz zu verbessern.

Demenz beginnt mit Gedächtnislücken und führt zunehmend zu geistigem Verfall – besonders, wenn es am angemessenen Umgang mit der weit verbreiteten Alterskrankheit fehlt. Um Letzteres zu verbessern, will der Zürcher Regierungsrat eine Stiftung namens Plattform Mäander lancieren und als Startkapital 1,5 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds locker machen, wie er am Donnerstag mitteilte.

Heute gebe es im Kanton Zürich 28'000 demente Menschen. Im Jahr 2040 seien es voraussichtlich deren 50'000; rund 100000 Personen dürften dann als Angehörige mitbetroffen sein. «Die Verdoppelung der Fälle wird die Versorgungsstrukturen und ihre Finanzierung an die Grenze der Belastbarkeit führen», heisst es im Regierungsschreiben.

Mehr als 60 Prozent der Erkrankten wohnen laut Regierungsrat zu Hause. Es sei ein wichtiges Ziel, dass Demenzkranke möglichst lange im gesellschaftlichen Alltag und ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Dies gehe aber nur, wenn das Umfeld in der Lage sei, den Menschen mit Demenz angemessen und unterstützend zu begegnen.

Die Plattform Mäander solle dies vermehrt ermöglichen, indem sie Massnahmen zur Integration von Demenzbetroffenen anstosse, koordiniere und erarbeitete Lösungen bekannt mache. Die neue Stiftung sei von bereits  bestehenden Organisationen unabhängig. An den Vorarbeiten mitbeteiligt waren der Zürcher Gemeindepräsidentenverband, die Städte Zürich und Winterthur sowie Pro Senectute Zürich und Alzheimer Zürich.

Nun geht es an die Umsetzung: Wenn der Kantonsrat die vom Regierungsrat beantragten 1,5 Millionen Franken als Startkapital bewilligt, kann die Stiftung ab nächstem Jahr ihren Betrieb aufnehmen.

Drei konkrete Projekte sind derzeit geplant, wie der unter Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) erarbeiteten Regierungsvorlage zu entnehmen ist. Es sind dies:

-Hotline Demenz: ein seelsorgerischer, konfessionsunabhängiger Telefondienst für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

-Mit Demenz: ein Erholungs-, Schulungs- und Präventionsangebot für Angehörige.

-Velokumpel: ein Konzept für Fahrradausflüge mit Demenzerkrankten unter Einsatz von Spezialfahrrädern.

Für alle drei Vorhaben wurden bereits Projektpartner gefunden, wie der Regierungsrat schreibt. Der Betrieb der neuen Stiftung sei künftig hauptsächlich über Partnerbeiträge und Zuwendungen von Privaten und aus der Wirtschaft zu finanzieren. Vorgesehen sind 1,5 Vollzeitstellen und ein siebenköpfiger Stiftungsrat. Rund 30 Organisationen, darunter die Städte Zürich und Winterthur, Berufsverbände aus dem Pflege- und Gesundheitsbereich, Seniorenorganisationen sowie die Universität Zürich haben laut Regierungsrat Geld in Aussicht gestellt.

Für die Aufbauphase in den Jahren 2021 bis 2025 rechnet der Regierungsrat mit Kosten von Insgesamt 1,7 Millionen Franken. Bislang lägen Zusagen zweier Förderstiftungen für insgesamt 300000 Franken vor. Zudem sei vorgesehen, dass die Beiratsmitglieder und Gründungspartner der Stiftung jährlich etwas beisteuern. Bezahlen soll also mittelfristig nicht der Kanton, sondern andere.

«Besser bewährte Angebote mit mehr Geld unterstützen»

Christina Krebs, Geschäftsleiterin von Alzheimer Zürich, zeigt sich «nicht so glücklich» über die geplante Plattform Mäander. «Psychosoziale Beratung und Begleitung für Menschen mit Demenz, deren Angehörige und für deren Lebensumfeld braucht es dringend und von Beginn weg», sagt  sie. «Der Kanton täte aber besser daran, bewährte Angebote mit mehr Geld zu unterstützen, statt ein neues, vom Kanton unabhängiges Gefäss zu schaffen, das vermutlich Spendengelder absaugen wird  –und bei dem unklar ist, wer die Qualitätssicherung kontrollieren und langfristig bei den oft gewinnorientierten Bittstellern durchsetzen kann.»

Pro Senectute Kanton Zürich begrüsst das Vorhaben des Regierungsrats: «Die Vernetzung und Koordination der Angebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ist wichtig», sagt Sprecherin Monica Flückiger. Stiftungsrat, Geschäftsstelle und Beirat der geplanten Plattform Mäander hätten sich gemäss Statuten zum Ziel gesetzt, darauf zu achten, dass keine Doppelspurigkeiten zu bestehenden Angeboten entstehen.

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