Zürich
Von Musik Hug und Jecklin bleibt nur noch ein CD-Laden übrig

Ende Monat schliesst der letzte Zürcher Satellit des einstigen Tonträger-Imperiums. Musik Hug verdiente mit seiner Filiale im stark frequentierten Shopville kein Geld mehr.

Marius Huber
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Jetzt wird auch die kleine Hug-Filiale im Untergrund des Hauptbahnhofs geschlossen. (Symbolbild)

Jetzt wird auch die kleine Hug-Filiale im Untergrund des Hauptbahnhofs geschlossen. (Symbolbild)

Keystone

Die Zürcher gewöhnen sich langsam an die sich gleichenden Szenen des Niedergangs: Schon wieder hängen in einem CD-Geschäft die Rabatt-Schilder von der Decke, erneut wühlen die letzten Kunden in den Regalen nach Schnäppchen, und erneut nehmen die Verkäufer achselzuckend ein paar nett gemeinte Worte des Bedauerns entgegen. Erst vier Monate ist es her, dass Musik Hug das grosse Jecklin-Geschäft an der Rämistrasse mit seinen gut sortierten Jazz- und Klassik-Abteilungen geschlossen hat. Jetzt ist die kleine Hug-Filiale im Untergrund des Hauptbahnhofs an der Reihe. Ende Januar verstummt dort die Musik.

Obwohl Tag für Tag Zehntausende von Pendlern vorbeiströmten, reichten die minimalen Margen auf den Tonträgern zuletzt nicht mehr, um einen Gewinn zu erwirtschaften, wie es seitens der Geschäftsleitung heisst. Das Traditionshaus Musik Hug hat damit in Zürich bald nur noch einen einzigen Standort, an dem es CDs verkauft: den Stammsitz am Limmatquai. Auch dort macht die Firma damit zwar kein grosses Geschäft mehr, sie will es aber als Dienst am Kunden beibehalten.

Zerfall beschleunigt sich selbst

Es ist noch keine zehn Jahre her, da herrschte Musik Hug in Zürich über ein beachtliches Tonträger-Imperium, nachdem die Firma den Konkurrenten Jecklin samt 100 Mitarbeitern übernommen hatte. Aber bald darauf begann der Abbau: Mit dem grossen «Giga-Store» an der Bahnhofstrasse war schon 2004 Schluss, Anfang 2010 folgte die Jecklin-Filiale an der Sihlporte.

In den letzten zehn Jahren haben die Schweizer Musikhändlern über zwei Drittel ihres Umsatzes mit physischen Tonträgern eingebüsst. Eine Trendwende ist laut Lorenz Haas vom Branchenverband Ifpi nicht absehbar. Im Gegenteil: Die Probleme akzentuierten sich noch, seit der tiefe Euro ausländischen Versandhäusern wie Amazon in die Hände spiele. Zudem hätten zuletzt so viele Läden dichtgemacht, dass sich der Zusammenbruch selbst beschleunige, weil mangels Angebot immer mehr Kunden ins Internet abwandern.

Das hartnäckige Dutzend

Im letzten Jahr hat zum Beispiel die Firma Orange sämtliche City-Disc-Filialen geschlossen. Auch der Discounter Ex Libris wird in diesem Jahr sein Filialnetz reduzieren. In Zürich sind in den letzten Jahren zudem etwa zwei Dutzend kleine CD- und Plattenläden eingegangen, die sich zum Teil an ein Nischenpublikum gerichtet haben.

Daneben gibt es aber auch noch ein gutes Dutzend unabhängiger Musikläden, die sich hartnäckig halten – darunter die Urgesteine Jamarico und Rec Rec seit über 30 Jahren. Rec-Rec-Gründer Veit Stauffer sieht sich zwar wie alle anderen mit sinkenden Umsätzen konfrontiert, er bezeichnet sein Geschäft mit den CDs aber dennoch als «relativ gesund». Dies vor allem dank eines Postversands und weil er vergriffene Einzelstücke im Angebot hat.

Eine ähnliche Nische hat auch der ehemalige Jecklin-Verkäufer Andi Walter gefunden. Er betreibt das Secondhand-Geschäft Katalog Record Warehouse, das ihm zufolge gut läuft. Jamarico-Geschäftsführer Woody Jakob dagegen hat unlängst bekannt, er komme knapp über die Runden.

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