Zürich

Töff-Messe nimmt Jugend ins Visier — ab 2021 sind 125er-Töffs schon für 16-Jährige zugelassen

An der Swiss-Moto in Zürich Oerlikon umwirbt die Motorradbranche mit einer neuen Plattform Jugendliche ab 13.

Töff-Fans pilgern ab heute wieder massenhaft in die Messe Zürich: Die Swiss-Moto ist eröffnet. Die Veranstalter erwarten wie in den Vorjahren rund 70000 Besucherinnen und Besucher. Bis und mit Sonntag können sie an der Motorrad-Messe in Zürich Oerlikon die neusten motorisierten Zweirad-Modelle samt Zubehör aller Art begutachten.

Doch nicht nur anschauen ist erlaubt, sondern auch ausprobieren. Die Messemacher haben eigens einen Parcours im Messegebäude asphaltiert, auf dem Jugendliche ab 13 Jahren die Einsteigermodelle namhafter Motorradmarken Probe fahren können. Der mexikanische DJ Oscar Cuenca unterlegt das Ganze mit satten Bässen. «Swiss-Moto Youth» nennen die Messemacher die neue Plattform.

Der Fokus auf die Jugend ist kein Zufall: Ab nächstem Jahr dürfen in der Schweiz Jugendliche ab 16 Jahren neu nicht nur 50-Kubikzentimeter-Töffli und -Roller, sondern auch 125er-Maschinen fahren.

Kritische Stimmen, wonach die Zulassung von 125er-Motorrädern für 16-Jährige die Unfallrisiken erhöhe, wischt Roland Müntener, Präsident des Branchenverbands Motosuisse, an der gestrigen Swiss-Moto-Medienkonferenz beiseite: Die 125er seien mit ABS-Bremssystemen und «richtigen Rahmen» ausgestattet. Dies sei ein Fortschritt gegenüber den 50-Kubikzentimeter-Zweirädern, die auch schon bis zu 100 Kilometer pro Stunde schnell seien.

Fehlt es der Motorradbranche an Nachwuchs? Swiss-Moto-Leiter Yves Vollenweider wiegelt ab: «Selbstverständlich brauchen wir auch junges Publikum.» Kernzielgruppe der Swiss-­Moto seien aber die kaufkräftigen 30- bis 55-Jährigen. «Es gibt Marken, die eine überalterte Kundschaft haben», räumt Freddy Oswald, Präsident des Swiss-Moto-Beirats ein. Dies treffe aber nicht auf alle Marken zu. Die Anzahl der Motorrad-Fahrausweise im Kanton Zürich nehme bei den über 60-Jährigen stetig zu. Bei den 40- bis 60-Jährigen sei sie rückläufig; bei den Jüngeren hingegen deutlich steigend.

Konkurrenz durch E-Bikes wird zunehmend spürbar

Gesamthaft seien in der Schweiz letztes Jahr mit 41500 etwas weniger motorisierte Zweiräder zugelassen worden als in den Vorjahren. Der Rückgang sei vor allem bei den Motorrollern spürbar, die durch E-Bikes ersetzt würden. Zudem schrumpfe der Cruiser-Markt: Es sei eine Verschiebung von den ganz schweren Maschinen zu den Mittelklasse-Motorrädern feststellbar.

Der Marktanteil von elektrischen Kleinstrollern und E-Motorrädern ist laut Oswald bislang marginal. Noch fehle das Vertrauen der Kunden, dass das Stromtankstellennetz auch für Passfahrten ausreiche. «Aber man sieht schon, dass es tendenziell in Richtung Elektro-Zweiräder geht», so Oswald.

Messeleiter Vollenweider doppelt nach: «Bei Rollern und Scootern sind E-Bikes bereits eine starke Konkurrenz. Das wird immer mehr kommen.» Dennoch ist das Interesse an Motorrädern weiterhin gross: Die gestrige Pre-Opening-Party der Swiss-Moto war nach Angaben der Messemacher jedenfalls ausverkauft.

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