Zürich
So kämpfen sich Zürcher Konzertlokale durch die Coronakrise – und hoffen auf die nächsten Lockerungen

Langsam kommt wieder Leben in die Stadt: Beizen und Läden sind wieder offen, Museen allmählich auch. Doch Konzertlokale müssen weiter warten – auch die mit den kleinen Bühnen. Mit Livestreams und frisch gestrichen kämpfen Konzertlokale durch die Corona-Zeit.

Matthias Scharrer
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Konzertbühne im Jazzklub Moods: Ab nächster Woche spielen hier regelmässig Zürcher Bands – fürs Online-Publikum zu Hause.

Konzertbühne im Jazzklub Moods: Ab nächster Woche spielen hier regelmässig Zürcher Bands – fürs Online-Publikum zu Hause.

zvg

Livemusik in Restaurants und Bars ist wegen der Coronapandemie vorerst noch verboten. So steht es im Schutzkonzept, das der Wirteverband ­Gastrosuisse mit dem Bund erarbeitet hat. Der Bundesrat werde am 27. Mai beschliessen, wie es weitergeht, heisst es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Geplant sei, dass ab 8. Juni wieder Treffen von mehr als fünf Personen erlaubt sind, falls sich keine zweite Corona-­Welle andeutet. Dann könnten auch kleine Konzerte wieder zulässig sein. Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen sind ohnehin bis Ende August verboten. Wie kommen Zürcher Konzertlokale in der konzertlosen Zeit über die Runden?

Der Jazzklub Moods verstärkt seine Online-Aktivitäten, wie Leiterin Carine Zuber sagt. Schon seit 2017 bietet das Moods online Aufnahmen früherer Konzerte an, als Video- und als Audiodateien. Die ersten zehn Minuten sind gratis. Danach muss man ein Wochen-, Monats- oder Jahresabo lösen. Vom Erlös gehen 70 Prozent an die Musikerinnen und Musiker und 30 Prozent ans Moods. Laut Zuber haben sich im März und April die Streaming-Einnahmen verdoppelt. Täglich würden derzeit rund 200 Konzerte online abgespielt.

Grosse Geldsummen brächten die Streaming-Angebote allerdings nicht ein. «Aber sie sind wichtig für die Sichtbarkeit von Bands», sagt Zuber. Ab nächster Woche kommen Livestreams von Zürcher Bands hinzu, die im Moods entstehen.

Zudem stellt der Klub seine Infrastruktur im Schiffbau Bands als Aufnahmestudio zur Verfügung. Sie müssen nur die Techniker bezahlen. Den Auftakt machte letzte Woche die Band um Rodrigo Botter Maio; weitere Produktionen sind in den nächsten Wochen geplant.

«Wir wissen nicht, wie wir finanziell herauskommen. Aber wir müssen etwas machen», sagt Zuber. «Die Musiker leiden. Und unsere Techniker sind selbstständige Freelancer. Für die ist es katastrophal.» Das Moods sei dank Subventionen ein Stück weit abgesichert. Dennoch musste es auf Kurzarbeit umschalten.

Planen für ein gesetztes Publikum

Dass es am 8. Juni wieder aufgehe, sei ein mögliches Szenario. Zuber stellt sich auf einen Betrieb ein, in dem die Gäste wie derzeit in Restaurants in Gruppen von maximal vier Personen an Tischen sitzen müssen, die jeweils zwei Meter voneinander entfernt sind. Entsprechend müsse man eher für ein sitzendes als für ein tanzendes Publikum planen.

Während im Moods bald neue Livestreams anlaufen, werden im Bogen F derzeit die Wände frisch gestrichen. Das Konzertlokal im Bahnviadukt im Zürcher Kreis 5 ist seit 7. März geschlossen, wie Leiterin Janine Moor sagt. Damals, noch vor dem Lockdown, habe die gebuchte kanadische Band Wolf Parade wegen der sich anbahnenden Coronakrise abgesagt.

«Wir wissen noch nicht, wann und wie wir wieder eröffnen können», sagt Moor. Die drei Festangestellten seien auf Kurzarbeit und die Gesuche um Unterstützungsgelder von Bund und Kanton eben erst eingereicht. «Ich versuche, optimistisch zu bleiben. Aber einfach wird es nicht», so die Bogen-­F-Leiterin weiter. «Sobald wir wissen, wie es weitergehen kann, fangen wir an zu planen. Auch wenn wir vielleicht nicht die volle Kapazität des Bogen F nutzen dürfen, werden wir sicher einen Weg finden, in kleinerem Rahmen Livemusik anbieten zu können – und freuen uns schon jetzt darauf.»

Lockdown-Sessions im El Lokal

Die Bühne im El Lokal, ebenfalls ein beliebter Ort für Konzerte, war zuletzt den Corona-Lockdown-Sessions vorbehalten. Nadja Zela, Son of Buzzi und Zeysyg traten hier in den letzten Wochen auf – für ein Publikum, das nur zu Hause am Bildschirm dabei sein konnte. Geisterspiele nennt man so etwas im Fussball. Und die Saison ist noch nicht zu Ende: «Weitere fünf Produktionen sind derzeit in der Schlussbearbeitung», teilt El-Lokal-Wirt Viktor Bänziger auf Anfrage mit. Mehrere hundert Leute haben sich gemäss Youtube-­Zahlen die Lockdown-Sessions bislang angeschaut.

Im El Lokal wird der Lockdown bald beendet, allerdings vorerst noch ohne Livemusik: Die laut Eigenwerbung die «allerletzte Insel an der Sihl» nahe beim Hauptbahnhof Zürich eröffnet am 18. Mai wieder als Lokal. Zu Planungen für mögliche Konzerte in den kommenden Wochen will sich Bänziger nicht äussern. «Wenn wir nur ein Konzertlokal wären, dann gäbe es uns seit Jahrzehnten nicht mehr», hält er fest.