Landwirtschaft

So gross ist der Eier-Boom während der Coronakrise

Eier sind derzeit gefragt wie nie – und das nicht nur wegen Ostern: Familie Jung in Oberlangenhard im Tösstal präsentiert das begehrte Naturprodukt.

Eier sind derzeit gefragt wie nie – und das nicht nur wegen Ostern: Familie Jung in Oberlangenhard im Tösstal präsentiert das begehrte Naturprodukt.

Die Nachfrage nach Eiern ist bei den Produzenten seit Wochen ungewöhnlich hoch.

Die Eierproduzenten und Hofläden werden seit dem Lockdown überrannt. «Ein Huhn müsste wohl derzeit mindestens drei Eier pro Tag legen, um die aktuelle Nachfrage decken zu können», sagt Maria Jung vom Familienunternehmen «Eiertom» in Oberlangenhard im Tösstal lachend. Sie kennt die aktuelle Situation auf dem Eiermarkt sehr genau. Denn ihr Hof, der oberhalb von Rikon liegt, beliefert nicht nur den Detailhandelsriesen Migros, sondern unter anderem auch mehrere Hofläden und Privathaushaltungen in der Region.

«Die Nachfrage ist seit der Coronakrise enorm», sagt Jung, deren gut 17000 Freilandhühner pro Jahr 5,5 Millionen Eier legen. «In den Hofläden sind die Eier jeweils innert kürzester Zeit ausverkauft.» Regionale Produkte seien halt momentan besonders gefragt, sagt Jung. Sie spüre das auch beim betriebseigenen Hofladen. «Ich sehe fast täglich neue Gesichter.»

«Einkäufe im Ausland fallen weg»

Warum seit einigen Wochen vor allem Eier so gefragt sind und in manchen Supermärkten gar gehamstert werden, ist für Eierproduzent und Landwirt Marc Peter aus Wiesendangen offensichtlich. «Seit die meisten Gastrobetriebe und Kantinen wegen der Coronakrise schliessen mussten und die Leute sich nun ohnehin vermehrt zu Hause aufhalten, wird gebacken und gekocht, was das Zeug hält.» Da­-zu komme: «Die Einkäufe im grenznahen Ausland fallen komplett weg.» Das alles führe dazu, dass die Nachfrage nach Eiern seit geraumer Zeit sehr hoch sei. Trotz eines starken Einbruchs im Gastrobereich sei der Absatz bei den Eiern – im Vergleich zu den Vorjahren – insgesamt betrachtet deutlich höher.

Auf dem Biohof des Brüttemer Gemeinderates Peter Ball leben momentan 2000 Legehennen. Er weiss, dass laut dem Branchenverband Gallo Suisse insbesondere Bio-Eier seit der Coronakrise «extrem gefragt» sind. «Der Bio-Boom war schon vor dem Coronavirus da, aber jetzt hat er nochmals einen ­gewaltigen Schub bekommen», sagt Ball. Man spüre im ­Gespräch mit den Leuten, dass ein Umdenken stattfinde. «Zurück zur Natur», heisse jetzt in der Krise die Devise. Die Pandemie habe also auch ihr Gutes, meint Ball. Viele schätzten gerade in diesen schwierigen Zeiten die Produkte aus der Region. Doch eine Frage bleibt für ihn offen: «Wie nachhaltig wird dieses Umdenken sein, wenn die Krise irgendwann mal wieder vorbei ist?»

Doch so mancher Konsument stellt sich wohl vorerst eine ganze andere bange Frage: «Hat es denn überhaupt noch genug Eier für das Osterfest, wenn ich am Karsamstag einkaufen gehe?» Antwort: «Ja.» Das ist zumindest die Einschätzung der Detailriesen Migros und Coop. Man verzeichne zwar tatsächlich seit mehreren Wochen eine stark erhöhte Nachfrage, dennoch habe man «genügend Eier vorrätig», sagt Migros-Sprecher Marcel Schlatter. «Hamster­käufe sind nicht nötig.» Und Coop-Sprecherin Fabia Langendorf ergänzt: «Generelle Engpässe sind bei uns aktuell kein Thema.» Zwar sieht auch André Hodel vom Verband der Schweizer Eierproduzenten Gallo Suisse nicht grundsätzlich einen Engpass, «da wir in dieser Jahreszeit sowieso mit einem erhöhten Absatz gerechnet haben und die Produktion dementsprechend geplant wurde». Und dennoch weist er auf eine mögliche Ausnahme hin: «Einzig im Bio-Bereich kann es knapp werden.» Ob es aber deswegen leere Regale geben wird, sei schwierig abzuschätzen.

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