Sieben Mal hat er auf das Opfer eingestochen. Ein 43-Jähriger aus Killwangen tötet den Onkel seiner Ehefrau. Das Ganze passiert vor rund drei Jahren.

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Gewalt
44-jähriger Schweizer nach Fest in Schlieren und Mord in Killwangen erneut verurteilt

2019 wurde ein Mann in Killwangen erstochen. Das Aargauer Obergericht hat nun das Badener Urteil gegen den Täter bestätigt.

Dominic Kobelt Jetzt kommentieren
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Im Mai 2021 wurde der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Baden verurteilt. Nun bestätigte das Aargauer Bezirksgericht das Badener Urteil: Der Täter muss für 17 Jahre ins Gefängnis.

Im Mai 2021 wurde der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Baden verurteilt. Nun bestätigte das Aargauer Bezirksgericht das Badener Urteil: Der Täter muss für 17 Jahre ins Gefängnis.

Archivbild: Tele M1

5. Mai 2019: Ein 57-Jähriger ­feiert in Schlieren an einem montenegrinischen Fest bis spät in die Nacht. Als der Mann kurz vor drei Uhr nach Hause fährt, folgt ihm ein grauer Audi. Vor dem Haus in Killwangen kommt es wohl zu einem Streit, sieben Mal sticht der Täter zu. Das ­Opfer kann sich trotz der ­Verletzungen noch ins Haus ­retten, wo er zuerst von seiner Frau und später von der Ambulanz gepflegt wird. Wenig später verstirbt er im Spital.

Die Ermittlungen zum Mordfall von Killwangen er­gaben, dass im Audi wohl Milo sass (Namen geändert). Das Opfer ist der Onkel seiner Ehefrau. Das Bezirksgericht ­Baden verurteilte den Täter im Mai 2021 wegen Mordes zu 17 Jahren Freiheitsstrafe. Milo akzeptierte dieses Urteil nicht und forderte am Mittwoch vor dem Aargauer ­Obergericht einen Freispruch. Der 44-jährige Schweizer mit montenegrinischen Wurzeln hatte beigenweise Unterlagen dabei, machte sich fleissig ­Notizen und führte in längeren Monologen aus, ­warum er nicht schuldig sein könne. Oft wurde in seiner ­«Beweisführung» ­allerdings nicht ganz klar, ­worauf er hinauswollte. Klarer formulierte es seine Ver­teidigerin. Der Prozess vor dem Bezirksgericht Baden ­beruhe lediglich auf ­Indizien, die man sich so zusammen­gesucht habe, dass sie zu einer Verurteilung passen würden, kritisierte sie.

Verteidigerin wirft einseitige Ermittlungen vor

«Es gibt kein Tatmotiv, das auf meinen Mandanten hin­deuten würde», sagte die Ver­teidigerin. Das Opfer habe nur gesagt, er sei überfallen worden. «Hätte er den Täter ­gekannt, hätte er das sicher ­gesagt.» Zudem hätten die ­Blutspuren im Auto des ­Verdächtigen nicht dem Opfer zugeordnet werden können. Weiter führte die Verteidigerin ins Feld, dass kurz vor dem Mord beim Online-Adressbuch «local.ch» eine Abfrage nach der Adresse des Opfers ­getätigt worden sei. «Einerseits wusste mein Mandant, wo das Opfer wohnt, und zudem passt das nicht dazu, dass in dieser Zeit sein Mobiltelefon inaktiv war», sagte sie.

Wer verschickte die Fotos der Ehefrau?

Die Staatsanwaltschaft stützte sich dagegen haupt­sächlich auf die Beweisführung, wie sie bereits vor dem ­Bezirksgericht Baden erfolgt war. Auf mehreren Video­aufnahmen von Tankstellen und Bussen ist zu sehen, wie ein grauer Kombi, laut Staats­anwaltschaft der Audi des Angeklagten, dem späteren ­Opfer folgt. Die Verteidigung entgegnete, dass sich das Fahrzeug nicht zweifelsfrei identifizieren lasse.

Kurz nach der Tat verkaufte Milo sein Auto. Für die Polizei ist dies ein Indiz, dass er es nach dem Mord ­loswerden wollte. Milo sagte vor Gericht, er hätte das Auto vorführen müssen, der Garagist habe ihm gesagt, die nötigen Reparaturen lohnten sich nicht mehr. Ausserdem wurde das Opfer in den Monaten vor der Tat von zwei Fake-Facebook-Profilen aus kontaktiert. Ihm wurden erotische Fotos von Milos Frau geschickt. Die Polizei konnte nachweisen, dass diese Nachrichten von Milos Handy geschickt wurden. «Hatten sie den Verdacht, dass die beiden früher einmal ein sexuelles Verhältnis hatten?», fragte der Richter. «Nein, das ist unvorstellbar, er ist ja ihr Onkel», sagte Milo. Wie es möglich war, dass diese Fotos von seinem Handy aus verschickt wurden, konnte er indes nicht erklären.

Ominöse Geschichten mit Prostituierten

Eines der wichtigsten ­Indizien war aber Milos Aus­sageverhalten. Mehrfach hatte er seine Geschichte im Verlauf der Untersuchung ge­ändert. Zuerst hatte er be­hauptet, in der Tatnacht zu ­Hause gewesen zu sein. Als sich herausstellte, dass dies nicht stimmen konnte, erklärte er, in einem Gartenhaus etwas entfernt gewesen zu sein, wo er sich mit ­Prostituierten vergnügt hätte. Mit Hilfe eines Antennen­suchlaufs konnte bewiesen werden, dass auch das nicht stimmen kann. Dann hatte Milo angegeben, seine SIM-Karte einer Frau gegeben zu haben, die ihm die Prostituierten vermittelte. Diese sei dann mit seinem Auto und seiner SIM-Karte in der Tatnacht ­herumgefahren. Und diese ­ominöse Frau soll auch ­sämtliche Whatsapp-Nach­richten gelöscht haben, ­nachdem Milo zur Befragung aufgeboten wurde.

«Wir haben keinerlei Zweifel»

Die Aargauer Oberrichter ­mochten Milo all dies nicht glauben und bestätigten das Urteil des Bezirksgerichts Baden. «Wir haben keinerlei unüberwindbare Zweifel», ­erklärte der Richter in der Urteilsbegründung. Es seien starke Indizien, die ein ­stimmiges Bild ergeben würden. Die Tat sei besonders skrupellos. «Sie haben sieben Mal ­zugestochen und ihr Opfer zum Sterben zurückgelassen.» Schuldmindernde Gründe seien keine erkennbar. Es bleibt also bei der 17 Jahre langen ­Freiheitsstrafe, zu der das ­Bezirksgericht Baden den Mann 2021 wegen Mordes verurteilt hatte.

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