Ständeratskandidat
Martin Bäumle: «Ich habe mit Noser grosse Gemeinsamkeiten»

Der GLP-Ständeratskandidat Martin Bäumle spricht im Interview mit der «Limmattaler Zeitung» über ein gemeinsames Wahlticket mit der FDP und politische Kernpunkte für den Kanton Zürich.

Matthias Scharrer
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Nationalrat und GLP-Präsident Martin Bäumle im NR-Saal (Archiv)

Nationalrat und GLP-Präsident Martin Bäumle im NR-Saal (Archiv)

Keystone

Herr Bäumle, bisher waren Sie bei Majorzwahlen im Kanton Zürich erfolglos. Als Regierungsratskandidat sind Sie gescheitert. Warum sollte es diesmal als Ständeratskandidat klappen?

Martin Bäumle: Es stimmt, 2007 hatte ich als Regierungsratskandidat einen Achtungserfolg errungen, bin aber nicht gewählt worden. Das war zu einem frühen Zeitpunkt für die Grünliberalen, drei Jahre nach der Parteigründung. Inzwischen bin ich seit rund 17 Jahren im Dübendorfer Stadtrat und die letzten drei Male jeweils mit dem besten Resultat gewählt worden. Ich glaube also durchaus, dass ich in einer Majorzwahl bestehen kann. Aber selbstverständlich sind wir immer noch eine Partei, die nicht extrem gross ist. Es wird anspruchsvoll. Doch unsere Chancen sind intakt.

Mit welchen Kernargumenten wollen Sie die Mehrheit der Zürcher Bevölkerung gewinnen?

Mit den drei Punkten, die für den Kanton Zürich wichtig sind: Er ist einerseits ein liberaler Wirtschaftsstandort. Andererseits ein liberaler Ort, an dem man gesellschaftspolitisch säkular denkt und offen ist gegenüber anderen Kulturen und Religionen. Und drittens spielt auch die Umweltqualität und –entwicklung eine zentrale Rolle. Unsere grünliberalen Kernargumente decken sich damit gut ab. Wir sind ja notabene auch im Kanton Zürich gegründet worden.

Ein anderer Ständeratskandidat steht bereits fest: Ruedi Noser von der FDP. Streben Sie ein gemeinsames Wahlticket mit ihm an?

Über Tickets zu reden, wäre jetzt verfrüht. Wir kennen das Kandidatenfeld noch nicht. Und solche Entscheidungen trifft die Parteileitung, zu der ich im Kanton Zürich nicht mehr gehöre. Ich kann mit jeder Person, die gewählt wird, zusammenarbeiten. Dass ich Ruedi Noser persönlich sehr schätze und dass wir auch inhaltlich – Stichwort Innovationspark – grosse Gemeinsamkeiten haben, ist bekannt.

Steht Ihnen denn Ruedi Noser näher als Daniel Jositsch, der wahrscheinlich der Kandidat der SP sein wird?

Ich weiss noch nicht, ob die SP-Kandidatur bereits steht. Offenbar wird das gemunkelt. Politisch hatte ich mit Ruedi Noser in den letzten Jahren doch einige gemeinsame Themen. Daniel Jositsch ist damals bei meiner ehemaligen Partei, den Grünen, ganz jung eingestiegen und dann zur SP gewechselt. Ich kenne ihn auch sehr gut. Auch mit ihm stimme ich in vielen Fragen überein. Zum Teil in Fragen, die nicht mein absolutes Kerngebiet sind und in denen er mehr weiss als ich. Ich kann mit ihm gut zusammenarbeiten.

Gleich gut wie mit Noser?

Ich glaube, ich könnte mit beiden sehr gut zusammenarbeiten. Aber ich will kein Bündnis in Aussicht stellen. Und vor allem will ich zuerst wissen, welche Kandidaten überhaupt antreten und wo es Differenzen gibt. Unserem Kernprojekt, der Initiative Energie- statt Mehrwertsteuer, haben leider weder Noser noch Jositsch im Nationalrat zugestimmt, obwohl sie vielleicht insgeheim damit liebäugelten. Ihre Parteileitungen haben anders entschieden.

Sie hatten im Frühling letzten Jahres einen Herzinfarkt. Fühlen Sie sich fit für den anstehenden intensiven Wahlkampf?

Ja. In diesem Jahr bin als Parteipräsident sowieso im Wahlkampf. Im Hinblick darauf habe ich Entlastung auf der Parteiebene gesucht, damit nicht alles auf mir lastet. Wir haben ein professionelles Sekretariat und ich habe auch zwei Vizepräsidenten. Das ist eine andere Ausgangslage. Der Ständeratswahlkampf, der ja Parallelen zum Gesamtwahlkampf hat, ist für mich machbar.

Und längerfristig? Würden Sie die Doppelbelastung als Parteipräsident und Ständerat über vier Jahre durchstehen?

Einen Ständeratssitz schätze ich nicht als massive Mehrbelastung ein gegenüber einem Nationalratssitz. Die grosse Belastung ist der Wahlkampf in Jahr 2015. Das wird anstrengend, auch wenn man nicht Kandidat ist. Wenn ich für die nächsten vier Jahre gewählt werde, überprüfe ich schrittweise das eine oder andere Mandat. Das Exekutivmandat in Dübendorf werde ich nicht für ewige Zeiten behalten. Es ist möglich, dass sich dort etwas ändert. Über das Parteipräsidium wird primär die Partei entscheiden. Aus heutiger Sicht spricht allerdings nichts gegen eine Doppelfunktion als Ständerat und Parteipräsident.

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