Zürich

Grün Stadt Zürich lässt Bäume aus dem Wald fliegen

Im Minutentakt wurden gestern und vorgestern Bäume aus dem Üetlibergwald geflogen.

Im Minutentakt wurden gestern und vorgestern Bäume aus dem Üetlibergwald geflogen.

Die Waldwirtschaft der rot-grün dominierten Stadt ist ökologisch umstritten

Anwohnern im Zürcher Friesenberg-Quartier am Fusse des Üetlibergs bot sich gestern und vorgestern ein spezielles Erlebnis: Etwa im Minutentakt flogen Helikopter ganze Bäume aus dem Üetliberg-Wald. Die Stämme landeten auf einer Wiese im Siedlungsgebiet und wurden dort zum Weitertransport vorbereitet.

Organisator der Flüge ist Grün Stadt Zürich. Die städtische Dienstabteilung führt derzeit am Üetliberg wieder eine Durchforstungsaktion durch, wie ein Sprecher gestern bestätigte. Das Holz werde grösstenteils für die Schnitzelheizung des Triemlispitals verwendet; einige wertvolle Stämme würden auch an Schweizer Holzhändler verkauft.

Bei der aktuellen Helikopter-Aktion handelt es sich laut dem Sprecher von Grün Stadt Zürich um einen Vorgang, wie er jedes Jahr an rund drei Tagen in einzelnen Waldabschnitten der Stadt vorkomme. Die Stadtwälder würden alle sechs Jahre abschnittweise durchforstet, damit der Wald sich erneuere. Helikopter kämen dabei nur dort zum Einsatz, wo es anders nicht gehe – etwa im steilen Gelände des Üetlibergs. «Für den Wald sind Holzschläge mit Helikopter-Unterstützung und solche mit Seilkranen die schonendste Methode», so der Sprecher von Grün Stadt Zürich. Zudem dauere der Holzschlag so nur anderthalb Tage statt vier Wochen.

Im Jahr der grossen Klimawandel-Debatten lässt Grün Stadt Zürich also per Helikopter massenweise Bäume aus dem Wald fliegen. Die Dienstabteilung gehört zum Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, dem AL-Stadtrat Richard Wolff vorsteht.

Das Holz werde grösstenteils für die Schnitzelheizung des Triemlispitals verwendet; einige wertvolle Stämme würden auch an Schweizer Holzhändler verkauft.

Das Holz werde grösstenteils für die Schnitzelheizung des Triemlispitals verwendet; einige wertvolle Stämme würden auch an Schweizer Holzhändler verkauft.

Die Holzerei der Stadt Zürich ist Hannes Zürrer schon lange ein Dorn im Auge. «Das ist klimaschädigend», sagt der Biologe und Vizepräsident des Vereins Pro Uetliberg. Ähnlich wie letztes Jahr am Denzlerweg habe Grün Stadt Zürich nun seit November zwischen der Ruine Friesenburg und dem Üetliberggrat ganze Schneisen in den Wald geschlagen. «Der Wald ist der grösste CO2-Speicher in der Schweiz», sagt Zürrer. Wenn schon alle sechs Jahre durchforstet werde, sollte man nur einzelne Bäume herausnehmen. Gemeinden wie Basadingen-Schlattingen (TG) und die Forstbetriebsgemeinschaft Am Blauen, die dafür mit dem Binding-Waldpreis ausgezeichnet wurden, hätten es vorgemacht.

Regierungsrat weist Aufsichtsbeschwerde ab

Grün Stadt Zürich entnimmt den Wäldern der Stadt nach eigenen Angaben jährlich 11000 Kubikmeter Holz – und damit 2000 Kubikmeter weniger, als jedes Jahr nachwachse. So könne sich der Wald erneuern und bleibe als Erholungsgebiet sicher zugänglich. Zudem sei im Auftrag des Kantons zu verhindern, dass Bäche durch umgefallene Bäume gestaut würden. Und nicht zuletzt fördere ein lichter Wald die Biodiversität.

Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) bescheinigte Grün Stadt Zürich kürzlich einen korrekten Umgang mit dem Üetliberg-Wald: Es bestehe «keine Veranlassung zu einem aufsichtsrechtlichen Einschreiten gegenüber der Stadt Zürich», hielt er am 2. Dezember in einem bisher nicht publik gewordenen Schreiben fest. Neukom wies damit eine Aufsichtsbeschwerde ab, die Pro Üetliberg im Juni eingereicht hatte.

Doch der Widerstand geht weiter: «Wir sind damit überhaupt nicht einverstanden und überlegen uns weitere Schritte», sagte gestern Pro-Üetliberg-Präsidentin Margrith Gysel. Sie ist nicht allein: Die Gruppe «Baumstadt Zürich» übergab Stadtrat Wolff kürzlich eine von 1400 Personen unterschriebene Petition. Sie fordert, dass bis zum Vorliegen einer städtischen Baumstrategie keine Bäume mehr gefällt werden.

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