Zürich

Glückssache Gymnasium: rund 7700 Schüler bereiten sich auf die Gymi-Prüfung vor

In Franz’ Klasse besucht die Hälfte der Gymi-Anwärter privat finanzierte Vorbereitungskurse.

In Franz’ Klasse besucht die Hälfte der Gymi-Anwärter privat finanzierte Vorbereitungskurse.

Tausende Schülerinnen und Schüler bereiten sich jetzt auf die Gymi-Aufnahmeprüfung vor – mal gratis, mal teurer.

Die Sportferien laufen, und Franz* sitzt zu Hause am Pult und löst Rechen- und Deutschaufgaben. Der elfjährige Schüler aus Zürich ist einer von kantonsweit rund 7700 Buben und Mädchen, die sich jetzt für die Aufnahmeprüfung ans Kurz- und Langzeitgymnasium vorbereiten. Am 9. und 10. März finden die Prüfungen statt. Mädchen sind dabei mit rund 53 Prozent leicht in der Überzahl, wie Hans Jörg Höhener, stellvertretender Amtschef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamts, sagt.

Unklar bleibt, wie viele Gymi-Anwärter privat finanzierte Vorbereitungskurse besuchen. Das Mittelschulamt hat dazu laut Höhener keine Informationen. Und Stefan Wolter, Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung in Aarau, mailt auf Anfrage: «Die von Ihnen gewünschten Daten existieren meines Wissens nicht.» Das Lernstudio, einer der grossen Anbieter im Raum Zürich, vermeldet bei den Gymi-Prüfungsvorbereitungskursen seit 2016 Zuwachsraten zwischen 5 und 16 Prozent pro Jahr.

In Franz’ Klasse aus einem mittelständisch geprägten Stadtquartier haben sich rund die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler für die Gymi-Prüfung angemeldet. Davon wiederum besucht rund die Hälfte privat finanzierte Gymi-Vorbereitungskurse.

Das kann ins Geld gehen: So bietet das Lernstudio etwa einen 15-wöchigen Prüfungsvorbereitungskurs Langgymnasium für 2110 Franken an. «Wir sehen uns nicht als Fabrik für Gymi-Anwärter, sondern als Lernort für Kinder, die in einer grossen Klasse ihr Potenzial nicht voll entfalten können», sagt Astrid Marquardt vom Lernstudio. «Speziell legen wir Wert auf Lerntechniken.» Bildungsforscher Wolter ist skeptisch: «Das Büffeln auf die Prüfung ist gar nicht besonders wirksam», sagte er kürzlich der «SonntagsZeitung». Und: «Man kann aus einem schlechten Schüler keinen guten machen.» Eine Vorbereitung im Sinn eines Trainings auf die Prüfungssituation und die Fragetypen sei aber wichtig.

Franz setzt nebst seinen guten Vornoten auf den Vorbereitungskurs, den seine Primarschule gratis anbietet. Das Gute daran sei, dass der Kurs während der normalen Schulzeit stattfinde und man das Gelernte später so oder so brauchen könne, findet er. Die vielen Hausaufgaben gefallen ihm weniger: Rund drei Stunden pro Woche wende er dafür auf – zusätzlich zu den normalen Aufgaben, die der Schulalltag mit sich bringt.

Schulgemeinden haben freie Hand

Dass die Volksschule gratis Gymi-Vorbereitungskurse anbietet, ist nicht selbstverständlich. Zwar empfiehlt es die kantonale Bildungsdirektion den Schulgemeinden, aber: «Es gibt kein Obligatorium. Die Schulgemeinden entscheiden über die Ausgestaltung, Durchführung, Organisation und Finanzierung der Prüfungsvorbereitungskurse», sagt Höhener vom Mittelschulamt. Zur Frage, wie weit die Schulgemeinden der Empfehlung des Kantons nachkommen, habe er keine Informationen.

Wie viel Unterstützung Schülerinnen und Schüler auf dem Sprung ans Gymi erhalten, ist somit ein Stück weit Zufall: Es hängt vom Engagement der jeweiligen Schulgemeinde ab, aber auch vom Portemonnaie, Bildungsstand und Engagement der Eltern. Und nicht zuletzt von der Benotung durch die Lehrpersonen, die etwa bei den Aufsätzen einen gewissen Spielraum haben.

«Es ist zum Teil auch Glück, ob man es ans Gymi schafft», sagt Franz. «Manchmal ist man an der Prüfung nervös.» Seine Motivation? Er hofft auf gute Jobchancen – und darauf, weiterhin mit guten Kollegen zur Schule zu gehen.

*Name geändert

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