Zürich
Es werden so viele Pakete wie noch nie geliefert – die Zahl der Paketdiebe bleibt aber stabil

Derzeit werden so viele Pakete wie noch nie von der Post und anderen Lieferdiensten befördert. Wieso verzeichnet also die Stadtpolizei keine Zunahme bei Diebstählen? Sie hat eine Vermutung.

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Derzeit werden so viele Pakete wie nie zuvor verschickt. (Symbolbild)

Derzeit werden so viele Pakete wie nie zuvor verschickt. (Symbolbild)

Sandra Ardizzone / LTA

Weihnachten steht vor der Tür und Onlinekäufe boomen. Die Post liefert so viele Pakete wie noch nie und ist dementsprechend am Anschlag. Allerdings kommt nicht jede Sendung an.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, erhielt die Stadtpolizei Zürich bis Ende November dieses Jahres 380 Meldungen wegen Paket- oder Briefdiebstählen. Stadtpolizei-Sprecher Marc Surber meint allerdings, dass die Menge der Anzeigen auf dem gewöhnlichen Niveau bleibt – auch trotz der Rekordzahl an ausgelieferten Paketen. «Die Zahl der Anzeigen bewegt sich 2020 im Bereich der beiden Vorjahre.» Im letzten Jahr waren es 405 Meldungen, 2018 insgesamt 482 und 2017 396. Die Kantonspolizei bemerkt nur einen leichten Anstieg bei den Paketdiebstählen, kann allerdings keine genauen Zahlen vorweisen.

Es gibt eine hohe Dunkelziffer

Nun stellt sich also die Frage, weswegen trotz so vielen Paketen nicht mehr Paketdiebe zuschlagen. Surbers Erklärung hängt mit dem Corona-bedingten Home-Office zusammen: «Weil deutlich mehr Leute zu Hause sind, können sie bestellte Pakete persönlich in Empfang nehmen, die Lieferdienste müssen die Ware nicht im Milchkasten oder vor der Wohnungstür deponieren.»

Trotzdem dürfte eine hohe Dunkelziffer vorliegen – oft wird von den Betroffenen gar keine Anzeige erstattet. Surber meint weiter, dass Päcklidiebstähle öfters auch im Zusammenhang mit Beschaffungskriminalität stehen.

Wenn möglich sollen Nachbarn Pakete entgegennehmen

Die Stadtpolizei empfiehlt, sich so einzurichten, dass das Paket gar nicht erst im Milchkasten deponiert werden muss. Das heisst, dass das Paket entweder persönlich angenommen wird oder vom Nachbarn entgegengenommen werden kann.

Alternativ dazu kann das Paket auch am Postschalter abgeholt werden oder an den Arbeitsplatz oder Pickup-Point gesendet gelassen werden. Weiter gibt es die Option, Pakete mit «Signature» zu verschicken, womit Pakete nur gegen Unterschrift abgeliefert werden dürfen.

Wer haftet, wenn das Paket weg ist?

Die Stadtpolizei erläutert auf ihrem Präventionsblog auch die Haftungsfrage: «Die Post übernimmt den Schaden auch für nicht eingeschriebene Paketsendungen bis zu 500 Franken». Dies gilt allerdings nur, wenn das Paket nicht korrekt zugestellt wurde. Der Postbote darf die Sendung grundsätzlich im Milchkasten deponieren, die meisten Pakete sind allerdings zu gross.

«Ist der Empfänger für eine persönliche Übergabe nicht verfügbar, muss das Paket wieder mitgenommen werden. Wird das Päckli trotzdem draussen vor der Türe abgestellt, haftet die Post. Wird die Sendung aus dem Brief- oder dem Milchkasten gestohlen, muss hingegen der Empfänger den Schaden tragen.»

Eine Sprecherin der Post meint, dass die Verlustquote gemäss Zahlen der letzten Jahre «im tiefen Promillebereich liegt und stabil ist».

Paketdiebe treiben natürlich nicht nur vor den Haustüren der Stadt Zürich ihr Unwesen. Gerade Anfang Monat stand ein ehemaliger Mitarbeiter der Distributionsbasis Urdorf vor Gericht, weil er diverse Pakete verschwinden liess.