Zürich

Entlastung für Schulpfleger: Kantonsrat erlaubt Geschäftsleitung für Schulen

Die Organisation der Volksschule wird weiter professionalisiert.

Die Organisation der Volksschule wird weiter professionalisiert.

Der Kantonsrat erlaubt mittelgrossen Gemeinden, eine Art Geschäftsleitung für ihre Schulen einzuführen.

Die Volksschule steckt in einem Zwiespalt: Sie soll gleichzeitig professionell geführt und demokratisch abgestützt sein. Eine wichtige Rolle kommt dabei den vom Volk gewählten Schulpflegen zu: Ihre Macht reicht von der Schülerzuteilung bis hin zur Einstellung und Entlassung von Lehrkräften. In der Regel handelt es sich aber bei den Schulpflegemitgliedern um Laien, die beruflich etwas anderes machen. Das Problem dabei brachte EVP-Kantonsrat Hanspeter Hugentobler, Schulpräsident in Pfäffikon, am Montag im Zürcher Kantonsrat auf den Punkt: «Schulpflegen in mittleren Gemeinden sind am Anschlag. Kein Wunder, dass immer mehr Schulpfleger vor dem Ende ihrer Amtszeit das Handtuch werfen. Dieses Modell funktioniert je länger, je weniger.»

Abhilfe soll nun die so­genannte Leitung Bildung schaffen. Dabei handelt es sich um eine Art schulische Geschäftsstelle, die Gemeinden mit mindestens drei Schulen schaffen können, um die Schulpflegen zu entlasten. Die professionelle Leitung Bildung wird von den Gemeinden bezahlt. Obwohl von rechts wie links Vorbehalte gegenüber dem neuen Modell zur Sprache kamen, fand es eine klare Mehrheit: Ausser der AL und den Grünen sprachen sich alle Parteien dafür aus.

«Das Milizsystem wird unterwandert»

«Die SVP tat sich sehr schwer mit dieser Vorlage, da das Milizsystem der Schulpflege damit unterwandert wird, weil eine weitere Führungsebene ein­geführt werden soll», sagte ­Rochus Burtscher (SVP, Dietikon). Es handle sich um eine Verwaltungsaufblähung; kein Schüler, keine Schülerin werde deswegen gescheiter oder dümmer. Wenn sich aber die Leitung Bildung als Dienstleister für die Schulpflegen verstehe, sei sie sinnvoll. Entscheidend sei auch, dass es den Gemeinden überlassen bleibe, ob sie eine Leitung Bildung einführen oder nicht.

Christoph Ziegler (GLP, Elgg), der Präsident der kantonsrätlichen Kommission für Bildung und Kultur, wies darauf hin, dass manche Gemeinden bereits solche Stellen geschaffen haben. Als Beispiele nannte er auf Anfrage dieser Zeitung Wetzikon und Männedorf. Es sei von Vorteil, wenn künftig ein gesetzlich definierter Rahmen dafür bestehe.

Diesen peilen Regierungs- und Kantonsrat mit der nun vorgesehenen Änderung des Volksschulgesetzes an. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) bezeichnete das Vorhaben als wichtige Weichenstellung für die Volksschule. «Die Situation ist so prekär, dass man teilweise keine Schulpfleger mehr findet», sagte sie.

Klar gegen das Vorhaben sprachen sich die Grünen aus, nachdem in der Vernehmlassung auch aus Lehrerkreisen Widerstand gekommen war: Es sei eine weitere Bürokratisierung der Schule zu befürchten, sagte Karin Fehr (Grüne, Uster). Und: «Die demokratische Kontrolle der Volksschule könnte geschwächt werden.»

Die Gegenargumente seien nicht von der Hand zu weisen, sagte Marc Bourgeois (FDP, Zürich). Dennoch sei die Entlastung der Schulpflegen zu befürworten. Dafür sprach sich auch Monika Wicki (SP, Zürich) aus: Bei der Anstellung von Lehrpersonen, der Vertretung der Schulen nach aussen und den Schülerzuteilungen könne die Leitung Bildung den Schulpflegen Arbeit abnehmen.

In der Detailberatung stellte der Kantonsrat dann noch klar, dass die neue Hierarchiestufe Leitung Bildung keine Aufgaben der Schulleitungen übernehmen dürfe, sondern nur solche der Schulpflegen und der Schulverwaltung.

EVP-Kantonsrat Hugentob­ler kritisierte dies als «Kastration» der Gesetzesvorlage: «Damit nimmt man in Kauf, dass auch Schulleitende aus Frust nach drei Jahren das Handtuch werfen.» Ausser der CVP fand er aber keine Verbündeten mit seiner Kritik. «Es ist der politische Wille, hier eine Kastration vorzunehmen», sagte Fehr (Grüne). Die Schlussabstimmung findet in vier Wochen statt.

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