Flughafen Zürich

Drogenkuriere brachten ganze Kofferladungen voll Khat — vier Tonnen im 2019

Geschmuggeltes Khat: Die Konsumenten stammen zumeist aus nordöstlichen Teilen Afrikas.

Geschmuggeltes Khat: Die Konsumenten stammen zumeist aus nordöstlichen Teilen Afrikas.

Am Flughafen Zürich wurden 2019 vier Tonnen des leicht euphorisierenden afrikanischen Krauts beschlagnahmt. Nebst Khat beschlagnahmten die Grenzbeamten am Flughafen letztes Jahr auch 83 Kilogramm Kokain, 9,5 Kilo Heroin, 32 Kilo Haschisch sowie 625 Hanfsamen und 500 Gramm Metamphetamin

An Heiligabend war es wieder einmal soweit: Die Polizei verhaftete am Flughafen Zürich zwei Schmugglerinnen. In ihren drei Koffern hatten die beiden jungen Frauen aus Israel 80 Kilogramm Khat. Das leicht euphorisierende Kraut fällt seit 1992 unter das Betäubungsmittelgesetz und ist somit in der Schweiz verboten.

Insgesamt beschlagnahmte die Kantonspolizei zusammen mit der Eidgenössischen Zollverwaltung letztes Jahr am Flughafen Zürich 4000 Kilogramm Khat, wie sie gestern mitteilte. «Das ist viel», sagt Polizeisprecher Stefan Oberlin. «Die Khat-Einfuhr hat in den letzten Jahren stetig zugenommen.»

Zum Vergleich: 2017 waren es laut Oberlin 3,2 Tonnen. Ein Jahr zuvor noch 365 Kilogramm, wie die «NZZ» schrieb. Der absolute Rekordwert stammt aus dem Jahr 2015: Damals stellten die Zöllner am Flughafen innert zwei Wochen 495 Pakete mit insgesamt 4,5 Tonnen getrocknetem Kath sicher.

Die Konsumenten des verbotenen Krauts sind laut Oberlin vor allem Migranten aus dem nordöstlichen Teil Afrikas. In Ländern wie Äthiopien, Somalia, Jemen und Kenya gilt Khat als Volksdroge.

Die frischen Blätter werden gekaut, wobei die Wirkstoffe Cathinon und Cathin den Kreislauf anregen. Suchtexperte Boris Quednow von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich vergleicht die Wirkung mit jener von niedrig dosiertem Amphetamin oder von Ritalin. Wer nur kurz auf den Blättern herumkaue, verspüre lediglich einen Effekt wie nach ein paar Tassen Espresso. Allerdings könne der Konsum zu Mundhöhlenkrebs, Psychosen, kognitiven Störungen und Schlaflosigkeit führen.

Da der Wirkstoff sich schon nach wenigen Tagen weitgehend aus den Khatblättern und –trieben verflüchtigt, wird Khat zumeist kofferweise von Schmugglern eingeführt und rasch weiterverteilt. Ein Drittel der 2019 am Flughafen beschlagnahmten vier Tonnen kam laut Oberlin per Post.

Nebst Khat beschlagnahmten die Grenzbeamten am Flughafen letztes Jahr auch 83 Kilogramm Kokain, 9,5 Kilo Heroin, 32 Kilo Haschisch sowie 625 Hanfsamen und 500 Gramm Metamphetamin, wie es weiter in der Mitteilung heisst. «Das sind die wichtigen Drogen», sagt Oberlin. Es handle sich, anders als beim Khat, um hoch konzentrierte Rauschmittel.

Das zeigt sich auch bei den Preisen: Khat wird laut Oberlin in Portionen von 100 Gramm für 20 Franken verkauft, Kokain hingegen nach dem Import gestreckt und dann grammweise gehandelt. Der Preis für ein Gramm Kokain liegt bei rund 100 Franken, wie eine Studie 2018 festhielt.

Auffällig viel Heroin kam per Flugzeug

Je nach Droge zeigen sich auch Unterschiede bei den Handelswegen: Während Kokain laut Oberlin normalerweise per Flugzeug in die Schweiz kommt, sei beim Heroin normalerweise der Landweg via Balkanroute üblich. Dass im letzten Jahr 9,5 Kilo Heroin per Flugzeug kamen, sei auffällig viel. Zudem falle bei der Bilanz 2019 auf, dass die insgesamt 65 am Flughafen Zürich gestoppten Drogenimporte nicht nur aus Ländern wie Brasilien, Israel, Indien und Südafrika, sondern auch aus Holland und Spanien kamen. Das könne auf veränderte Handelswege hindeuten.

Eher bescheiden mutet die Zahl von 625 konfiszierten Hanfsamen an, aus denen sich Pflanzen ziehen liessen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. «Der Boom hat stark abgenommen», sagt Oberlin.

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