Die SVP-Fraktion ist mit 55 Mitgliedern mit Abstand die grösste Fraktion im Kantonsrat. Sie hat einen Vertreter mehr im Rat, als ihr gemäss den Wahlen 2015 zustehen würde. Das verdankt sie dem Winterthurer Franco Albanese, der 2016 von der CVP zur SVP überlief. Aus diesem Grund zählt die CVP-Fraktion derzeit nur acht statt neun Mitglieder.

Ähnliches spielte sich zwischen FDP und BDP ab. Martin Romer aus Dietikon, der 2016 in die 31-köpfige FDP-Fraktion nachrutschte, überwarf sich später mit den Freisinnigen, weil sie ihn bei den Stadtratswahlen nicht unterstützten. Er trat aus der Partei aus und politisierte im Kantonsrat eine Zeit lang als Parteiloser, bevor er letztes Jahr zur BDP-Fraktion wechselte.

Resultat: Die FDP ist mit derzeit 30 Sitzen unterbesetzt. Dafür kam die kleine BDP zu einem zusätzlichen, sechsten Mandat. Weitere Partei- oder Fraktionswechsel hat es in der zu Ende gehenden Legislatur (2015 bis 2019) im 180-köpfigen Kantonsparlament bis jetzt nicht gegeben. Am 24. März finden Neuwahlen statt.

Einige Karrieren bei der SVP

Zurück zur grössten Fraktion, der SVP. Bemerkenswert ist dort zweierlei. Erstens: 15 Leute treten nicht mehr an. Dies entspricht einem Viertel und ist deutlich mehr als in den beiden anderen Grossfraktionen SP und FDP.

Unter denjenigen SVP-Leuten, die genug haben, finden sich bekannte Namen wie Ursula Moor-Schwarz, frühere Präsidentin des Flughafen-Schutzverbandes, Hans-Heinrich Raths oder der Amtsälteste der Fraktion, Hansruedi Bär, seit 2001 im Rat. Zweitens: Die SVP-Fraktion hatte während der laufenden Legislatur eine hohe Fluktuation. 13 Personen wurden ausgewechselt.

Häufiger Grund dieser Wechsel waren Karriereschritte. Fünf ehemalige SVP-Kantonsräte schafften im Herbst 2015 den Sprung in den Nationalrat. Im Weiteren wählte der Kantonsrat den früheren SVP-Fraktionschef Jörg Trachsel als Ombudsmann und ordnete Roger Liebi in den ZKB-Bankrat ab.

Fünf neue SP-Nationalräte

Bei der zweitgrössten Fraktion, der SP (36 Sitze), treten nur drei Personen nicht mehr an, unter ihnen Benedikt Gschwind, der einst für den Landesring der Unabhängigen (LdU) politisierte. Hingegen hatte die SP wie die SVP zahlreiche Mutationen. Zehn Personen kamen und gingen während der Legislatur.

Fünf Kantonsratsmitglieder wurden in den Nationalrat gewählt oder konnten dorthin nachrutschen. Zu Letzteren gehören der frühere Parteipräsident Daniel Frei und Fabian Molina. Molina löste Sabine Sieber im Kantonsrat ab und wurde nach kurzer Zeit durch Brigitte Röösli ersetzt.

Wenig Wechsel bei der FDP

Bei der drittgrössten Fraktion, der FDP, treten im Frühling vier Personen nicht mehr an, unter ihnen Kirchenrätin Katharina Kull-Benz. Sie ist seit 2003 im Kantonsrat. Bis Ende der Legislatur wird es in der FDP total drei Wechsel gegeben haben. Eingerechnet ist darin der Ersatz von Antoine Berger. Fabian Müller löst ihn im Januar ab. Marc Bourgeois rutschte als Ersatz für die in den Nationalrat gewählte Regine Sauter nach. Sie ist Chefin der Zürcher Handelskammer.

 Das Geschehen in den übrigen Fraktionen:

Die GLP: Von den 14 Köpfen tritt nur ein einziger, Andreas Erdin, nicht mehr an. In der Legislatur gab es drei Mutationen. Eine davon ist einer Politkarriere geschuldet: Simon Schlauri konnte für den in den Zürcher Stadtrat gewählten Andreas Hauri nachrücken.

Die Grünen: Von den 13 Fraktionsmitgliedern tritt einzig Max Homberger nicht mehr an. Bemerkenswert ist, dass Gabi Petri, seit 1991 im Rat und damit Doyenne, es nochmals wissen will. Mutationen gab es bei den Grünen drei. Nebst anderen verliess Bildungspolitiker Ralph Margreiter den Rat, der im Sommer in einer Kampfwahl ums Schulpräsidium Zürichberg den Kürzeren gezogen hat.

Die CVP: Alle acht Fraktionsmitglieder treten erneut an. Mutationen gab es zwei. Der frühere Fraktionschef Philipp Kutter konnte in den Nationalrat nachrutschen für Barbara Schmid-Federer, die sich überraschend zurückzog. Sie störte sich am konservativen Kurs der Parteileitung.

Die EVP: Alle acht Fraktionsmitglieder wollen es nochmals wissen. Die Fraktion verzeichnet fünf Mutationen. Unter ihnen Nik Gugger, der in den Nationalrat nachrutschen konnte. Bemerkenswert ist bei der EVP-Kantonsratsfraktion, dass fünf Personen Neulinge sind, also zum Wahlzeitpunkt noch keine ganze Legislatur hinter sich haben werden.

Die BDP: Alle sechs Leute wollen es nochmals wissen. Mutationen gab es drei: Bruno Fenner ersetzte zuerst Stefan Hunger, liess sich dann aber von Ivo Koller ablösen, der sich später seinerseits von Hans-Rudolf Knöpfli ersetzen liess.

Die AL: Die fünfköpfige Truppe erweist sich als die stabilste der zehn Fraktionen: Alle treten nochmals an. Mutationen gab es keine. Kommt dazu, dass mit einer einzigen Ausnahme alle Fraktionsmitglieder am Wahltermin mehr als eine Legislatur auf dem Buckel haben werden. Die beiden Politschwergewichte Markus Bischoff und Kaspar Bütikofer sind immerhin seit 2007 dabei.

Die EDU: Die Fraktion zählt fünf Mitglieder, alle wollen es nochmals wissen. Während der Legislatur wurden drei Personen ausgewechselt.

Erfahrungsverlust steht an

Fazit: Von den 180 Ratsmitgliedern treten 24 nicht mehr an. Berücksichtigt man, dass in den letzten drei Wahlgängen im Schnitt gut zehn Prozent der Wiederkandidierenden abgewählt wurden, kann man sagen, dass in der neuen Legislatur gut ein Fünftel des Kantonsrates Neulinge sein werden.

Und rechnet man weiter die relativ Unerfahrenen hinzu, jene also, die erst während der laufenden Legislatur nachrutschten, werden knapp die Hälfte der Kantonsratsmitglieder zu Beginn der nächsten Legislaturperiode keine oder weniger als vier Jahre Parlamentserfahrung haben. Ist das ausserordentlich? Nein, es entspricht in etwa dem, was in früheren Wahlgängen passierte.