Zürich

Die Hitparade des Grauens: Diese 10 Grüsel-Befunde des Zürcher Kantonschemikers haben es in sich

In Kinderkosmetika wurden verbotene Stoffe gefunden.

In Kinderkosmetika wurden verbotene Stoffe gefunden.

Krebserregende Stoffe in Gemüsechips, Legionellen in Zahnarztpraxen und einmal mehr haufenweise Grüselbeizen: Das sind die zehn krassesten Grüsel-Befunde im Jahresbericht des Zürcher Kantonschemikers.

Das Kantonale Labor hat 2019 zwar als Schwer- punkt zahlreiche Wasserproben auf Rückstände des gesundheitsschädlichen Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil untersucht. Die Wissenschaftler haben aber auch in zahl- reichen ­anderen Lebensmitteln ­Bedenkliches oder einfach nur Grusiges gefunden, wie die folgende Auswahl zeigt.

Hygiene in ­Restaurants

3500 Lebensmittelproben hat das Kantonale Labor 2019 in Restaurants genommen. Unter anderem wurden Salate mikrobiologisch untersucht.

Ein Evergreen sind die Grüselbeizen im Kanton Zürich. Das Kantonale Labor hat 3500 Lebensmittelproben wie gekochte Teigwaren, Gemüse, Desserts und Salate mikrobiologisch untersucht. Bei 665 Proben – nahezu jeder vierten – wurden Bakterienzahlen über den Richtwerten festgestellt. 443 Betriebe wurden im letzten Jahr erstmals kontrolliert. Knapp jeder fünfte blieb dabei hängen. 78 Betriebe mussten mindestens einmal nachkontrolliert werden. Der Kantonschemiker beruft sich auf das Amtsgeheimnis und nennt die Grüselbeizer nicht; ein jahrelanger Streit darüber schwelt zwischen dem Labor und Konsumentenschützern.

Verdorbene Speisen am Züri-Fäscht

Von 21 Lebensmittelproben am Züri-Fäscht überschritten 9 die mikrobiologischen Richtwerte und mussten bemängelt werden. 4 dieser Proben – sie stammen aus zwei Festwirtschaften – wurden gar als verdorben beurteilt. Es handelte sich um gebackene Reisbällchen (Arancini) mit Auberginen und Mozzarella, Arancini mit Rindfleisch und Tomaten, geräuchertem Tofu sowie gekochtem Poulet. Der Betrieb, der die Arancini verkaufte, will künftig auf diese Produkte verzichten und sich auf Piadine und Panini beschränken.

Ungenügend ist auch das Ergebnis bei den Trinkwasserproben am Züri-Fäscht. 17 von 20 Ständen gaben an, das Wasser zum Waschen der Hände zu verwenden. Die übrigen drei benutzten das Wasser zum Kochen und zum Waschen der Früchte. Das Wasser müsste Trinkwasserqualität aufweisen. Allerdings genügten lediglich 8 der 20 Proben den Anforderungen. Alle anderen Proben mussten infolge von Höchstwert­überschreitungen beanstandet werden. Es scheint sich um ein notorisches Problem zu ­handeln. Laut Bericht des ­Kantonalen Labors hat sich die Situation gegenüber dem ­Züri-Fäscht 2016 nicht ver­bessert.

Verbotene Stoffe in Kinderkosmetika

Dekorative Kosmetika für Kinder sind 2019 negativ aufgefallen. So haben die Analytiker in zwei Make-up-Sets nicht erlaubte und nicht deklarierte Farbstoffe nachgewiesen. In drei Nagellacks in einem Schminkkoffer wurde ein verbotenes Konservierungsmittel festgestellt. Ein Lippenbalsam, der mit UV-Schutz angepriesen war, enthielt gar keinen UV-Filter, dafür aber spezielle Paraffine, die gesundheitlich problematisch sein können. Sie reichern sich in menschlichen Geweben an und können knötchenförmige Gewebe­neubildungen erzeugen.

Legionellen in Duschen und Zahnarztpraxen

In 39 Badebetrieben im Kanton Zürich wurde neben dem Badewasser auch das Duschwasser auf Legionellen untersucht. In 23 Betrieben entsprach die Duschwasserqualität den gesetzlichen Anforderungen. In den übrigen 16 Betrieben wurde aber der Höchstwert überschritten. 9 der Proben waren mässig, 7 hingegen massiv kontaminiert. Der Kantonschemiker stellte Verbesserungsbedarf fest. Das Kantonale Labor suchte auch in Dentaleinheiten von Zahnarztpraxen nach Legionellen. In 5 Praxen wurden 12 Proben entnommen. In 3 Fällen stiess man auf Legionellen. In einer Einheit war der Befund derart gravierend, dass sie ­ausser Betrieb gesetzt und gründlich gereinigt werden musste. Das Problem liesse sich durch den Einsatz von ­Behandlungseinheiten mit ­integrierter Desinfektions- anlage vermeiden.

Acrylamid in Gemüsechips

Acrylamid ist eine Substanz, die als «wahrscheinlich krebserregend im Menschen» eingestuft wird. Der Stoff entsteht etwa beim Braten und Backen von Lebensmitteln. Vor einigen Jahren kamen das Schweizer Nationalgericht Rösti und Kartoffelchips wegen hoher Acrylamid-Werte in die Schlagzeilen. Mit schonender Erhitzung und der Verwendung von anderen Kartoffelsorten hat man das Problem einigermassen in den Griff bekommen. Das Kantonale Labor hat im letzten Jahr 14 Proben von Kartoffel- und Gemüsechips auf Acrylamid untersucht. Während die Kartoffelchips allesamt innerhalb des Richtwerts von 750 Mikrogramm pro Kilo blieben, wiesen zwei der drei Gemüsechips mit 1100 und 2200 Mikrogramm pro Kilo wesentlich höhere Werte auf. Das Labor hat bei einer Probe mit Gemüsechips aus Pastinaken, Randen, Süsskartoffeln und Karotten die Gemüsesorten getrennt untersucht. Dabei stellten sich die Karotten mit 3800 Mikrogramm pro Kilo als Spitzenreiter heraus.

Schimmelpilzgifte in Gewürzen

In drei von vier Gewürzproben wies das Kantonale Labor Schimmelpilzgifte nach. Der Höchstgehalt wurde aber nur in einem Fall überschritten.

Das Kantonale Labor hat 42 Gewürzproben, insbesondere Curry, Chili, Knoblauch, Kurkuma, Ingwer und Pfeffer auf Schimmelpilzgifte – sogenannte Mykotoxine – untersucht. In 33 Proben konnte Ochratoxin A nachgewiesen werden. Der Höchstgehalt wurde aber nur in einem Fall verletzt. In nahezu jeder dritten Probe wurden zudem Aflatoxine gefunden. Die Werte lagen aber immer in einem ­tiefen Bereich.

Verbotenes in Drogerien und Apotheken

Das kantonale Labor hat im letzten Jahr 31 der rund 350 Apotheken und Drogerien im Kanton Zürich kontrolliert. In zwei Dritteln der Betriebe wurden im Schnitt zwei Mängel beanstandet. Häufigster Grund für eine Beanstandung waren in 61 Prozent der Fälle verbotene Heilsanpreisungen – dass die Mittel beispielsweise Beschwerden lindern oder Krankheiten verhindern würden – für Lebensmittel oder Kosmetika. Bei den Kosmetika wurde zudem häufig die Kennzeichnung und die Verwechslungsgefahr mit Lebensmitteln gerügt. Beispiele dafür sind Badezusätze, die wie Schokolade oder Muffins aussehen.

Gefährliches Basenkonzentrat

Als wahres Wundermittel wurde über einen Onlineshop ein flüssiges Basenkonzentrat verkauft. Das Produkt sollte gegen Osteoporose, Schmerzen, Cellulite und Falten helfen. Solche Heilsanpreisungen sind für Lebensmittel verboten. Als gefährlich erwies sich gar die Empfehlung, die Flüssigkeit unverdünnt einzunehmen. Das Produkt weist in dieser Form einen pH-Wert von 12 auf, was demjenigen von ­Javelwasser entspricht. Schluckt man diese starke Base, können die Schleimhäute des Munds und der Speiseröhre verätzt werden. Der Verkauf des Konzentrats wurde sofort verboten.

Günstiges Vanillin statt teure Vanille

Über 100 unterschiedliche Stoffe sorgen für das vielschichtige Aroma von Vanille. Einige Produkte wurden mit dem billigeren Vanillin gestreckt. Das Gewürz aus den fermentierten und dann getrockneten Schoten von drei Orchideenarten ist teuer. Vanillin ist der Hauptaromastoff in den schwarzen Stangen. Daneben sind aber noch über 100 andere Stoffe enthalten, die zusammen zum vielschichtigen Aroma beitragen. Teure Vanille lässt sich durch billigeres Vanillin ersetzen, wobei die Komplexität des Aromas verloren geht. Das Kantonale Labor hat 31 Produkte mit der Auslobung «Vanille» überprüft.

Tatsächlich war das Gewürz Vanille in allen Proben enthalten. Teilweise aber nur in geringer Menge. In 13 Produkten konnte der Zusatz von Vanillin nachgewiesen werden. In 5 Erzeugnissen – einmal Glace, je zweimal Joghurt und Creme – war Vanillin derart dominant, dass es den Charakter der Produkte bestimmte. Das Labor beanstandete in diesen Fällen die Werbung mit «Vanille», weil sie nicht den Tatsachen entspreche.

Falscher Kontinent beim Honigbschiss

Das Kantonale Labor hat beim Honig gezielt Importware untersucht. 5 von 14 Sorten­honigen wurden beanstandet, weil der Anteil der charakteristischen Pollen zu tief lag. In vier der Honige war der Wert eines bestimmten Stoffs erhöht. Das weist darauf hin, dass sie zu intensiv mit ­Wärme behandelt und zu warm gelagert wurden. Bei einem Wildblütenhonig aus Israel war die Herkunftsangabe ­offensichtlich falsch. Der Honig enthielt Pollen von Pflanzen, die nur in Süd- und Mittelamerika vorkommen.

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