Entlastung in Seegräben

«Deutlich weniger Chaos» – Juckerhof stoppt Sonntagsverkehr und hofft auf bessere Busauslastung

Bei schönem Wetter, an Wochenenden und an Ferientagen erstickt die Gemeinde Seegräben am Pfäffikersee im Ausflugsverkehr.

Bei schönem Wetter, an Wochenenden und an Ferientagen erstickt die Gemeinde Seegräben am Pfäffikersee im Ausflugsverkehr.

Seegräben hat dieses Jahr schon allerhand unternommen, um die Tourismusströme schlau zu kanalisieren. Doch offenbar reicht das nicht.

Ein Bus, ein Verkehrsleitsystem und ein neuer Fussweg sollen Seegräbens Dorfzentrum vom Tourismusverkehr an Wochenenden entlasten. Doch die neuen Massnahmen genügen nicht. Die vor vier Jahren eingeführte Phase Rot geht ab September deshalb ebenfalls wieder los. Das bedeutet, dass an Sonntagen bei schönem Wetter zwischen Anfang September und Ende Oktober kein Verkehr mehr ins Dorfzentrum fahren darf, es sei denn, ein Parkplatz sei frei oder man wohne im Dorf am Pfäffikersee. Das Konzept hat sich laut Gemeinderat bewährt und soll deshalb trotz der weiteren flankierenden Massnahmen bestehen bleiben.

Deren Nutzen ist ohnehin noch nicht in allen Belangen erwiesen. Einig sind sich der Gemeinderat und der Erlebnisbauernhof Juckerhof, der einen wesentlichen Teil des Verkehrs generiert, dass der neue hölzerne Fussweg zwischen Parkplatz und Hof funktioniert. «Er entlastet das Dorfzentrum eindeutig», sagt Mediensprecherin Nadine Gloor vom Juckerhof. Und Sicherheitsvorstand Michael Berchtold sagt, er habe sich rasch etabliert.

Bus fährt klar unter der Kapazitätsgrenze

Auch das Verkehrsleitsystem entschärfe die Situation auf dem Parkplatz selber, so Berchtold. «Wir haben dadurch besonders auch ausserhalb der Wochenenden deutlich weniger Chaos.» Allerdings löse das System die Problematik der Staus vor dem Parkplatz und im Dorf nicht. «Da müssen noch weitere Massnahmen her», sagt Berchtold. Welche, sei nicht klar. «Aber diese Diskussionen müssen wir führen.»
Besonders Luft nach oben hat indes der Bus, der von Mai bis Oktober an Wochenenden zwischen dem Bahnhof Uster und Seegräben kursiert. Die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) dürfen zwar keine Belegungszahlen herausgeben und die Gemeinde tut es auf Anfrage vorerst nicht. Joe Schmid von den VZO sagt jedoch, die Gelenkbusse mit Platz für bis zu 100 Passagiere und 4 Kinderwagen seien bislang klar unter der Kapazitätsgrenze unterwegs.

Das bestätigt auch Nadine Gloor vom Juckerhof. «Wir sind etwas enttäuscht von der Auslastung des Busses.» Ein wesentliches Problem sei die mangelnde Werbung. Der Zürcher Verkehrsverbund dürfe das Angebot nicht bewerben, weil es von der Gemeinde und den Juckers bezahlt werde. «Das heisst: Wir müssten alles Geld dafür aufwenden.»

Dazu komme die Coronasituation; die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr bewege die Besucher eher zu den Autos hin als zu Bus und Zug. Dabei wäre das Busangebot gerade dieses Jahr besonders wichtig. Denn der Juckerhof hat laut Gloor mehr Besucher als üblich in dieser Saison – vermutlich auch coronabedingt.

Kürbisse: Früher reif als üblich

Dieser Umstand wirft Fragen bezüglich der Herbstaison auf, die traditionell die stärkste des Hofs ist. Was zu erwarten ist, können weder Gloor noch Berchtold genau sagen. Gloor kündigt aber an, dass die Juckers derzeit an der Durchführung der Kürbisausstellung festhalten – offiziell soll sie Ende August
losgehen, die ersten Figuren dürften schon Mitte August stehen.

«Ein Grossanlass ist das nicht – wir und die Gemeinde ordnen die Ausstellung generell nicht als Veranstaltung ein», sagt Gloor. Letztlich begleiteten die Figuren lediglich den Verkauf der Kürbisse aus eigener Produktion. «Und die sind nun mal gewachsen, daran kann man nichts ändern.»

Sie seien übrigens sogar früher dran als üblich, so Gloor. «Wie sie sich entwickeln, ist immer abhängig vom Wetter im Frühling. Da wir einen enorm warmen Frühling hatten, sind sie heuer fast einen Monat früher reif als üblich.» Doch was die Coronasituation für die Ausstellung wirklich bedeuten wird, sei noch nicht klar und abhängig von weiteren Entscheiden von Kanton und Bund. «Das wird sich in den nächsten Tagen und Wochen klären.»

Hoffen auf besseren Rücklauf beim Bus

Aus Sicht des Gemeinderats ist es nicht relevant, ob die Ausstellung stattfindet oder nicht. «Die Kürbisse gehen in den Verkauf. Das heisst, dass auch die Gäste kommen werden.» Der Herbst werde also zweifellos noch mehr Touristen nach Seegräben bringen, als dies jetzt schon der Fall sei. «Und dies wiederum bedeutet, dass die Phase Rot so oder so notwendig ist.»

Und Gloor verspricht, dass die Juckers sich noch stärker für den Bus einsetzen werden. Man werde insbesondere in den sozialen Medien eine Kampagne starten, aber auch die Stammkunden darauf hinweisen und motivieren, auf den öffentlichen Verkehr umzusatteln. «Wir erhoffen uns da schon noch einen Schub.»

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