Der Flughafen Zürich muss eventuell Pisten umbenennen

Der magnetische Nordpol verschiebt sich – das hat vor allem Auswirkungen für die Luftfahrt.

Kevin Capellini
Drucken
Teilen
Pisten an Flughäfen wie Zürich sind noch immer nach ihrer Ausrichtung und der Position der Kompassrose benannt.

Pisten an Flughäfen wie Zürich sind noch immer nach ihrer Ausrichtung und der Position der Kompassrose benannt.

Bild: Keystone

Für die Orientierung ist das Magnetfeld dieser Erde von grosser Wichtigkeit. Dies betrifft vor allem die Luftfahrt, für die das sogenannte Weltmagnetmodell, und somit der magnetische Nordpol, für die Navigation elementar ist. Doch der Nordpol bewegt und verschiebt sich.

Lange lag der magnetische Nordpol in Kanada. Seit der Jahrtausendwende bewegt sich der Nordpol jedoch stets in Richtung Russland mit einer «Geschwindigkeit» von 40 bis 55 Kilometern pro Jahr. Dies hat eine Auswirkung auf die Ausrichtung von Start- und Landebahnen von Flughäfen. Obwohl der Kompass in Flugzeugen schon längst durch das GPS abgelöst wurde, sind Pisten an Flughäfen noch immer nach ihrer Ausrichtung und der Position der Kompassrose benannt – und das weltweit.

Die Umbenennung einer Piste ist keine Seltenheit

«Eine genau nach Süden zeigende Start- und Landebahn würde demnach 18 heissen, wobei das 18 für 180 Grad steht. In die Gegenrichtung würde sie als 36 bezeichnet, weil sie dann nach Norden zeigt. Eine genau nach Osten zeigende Bahn würde demnach 09 heissen, wobei das 09 für 90 Grad steht, in Gegenrichtung wäre sie die 27, da dies für 270 Grad stehen würde», erklärt das Aviatikportal «Aerotelegraph» auf seiner Website.

Der deutsche Flughafen Memmingen ist ein gutes Beispiel: Dort trägt Eine Lande- und Startbahn die Aufschrift 06/24. Das eine Ende der Piste zeigt somit mit 60 Grad in die eine Richtung, das andere Ende der Piste mit 240 Grad in die Gegenrichtung.

Dass ein Flughafen wegen der Verschiebung des magnetischen Nordpols seine Pisten umbenennen muss, ist indes keine Sonderheit – es wird zum Beispiel in den USA regelmässig gemacht, da die staatliche Luftfahrtbehörde FAA die Ausrichtung der Pisten alle fünf Jahre überprüft und, wo nötig, Korrekturen vornimmt.

Dem Wichita Dwight D. Ei­senhower National Airport im Bundesstaat Kansas wurde so vor einigen Jahren auferlegt, seine Pisten umzubenennen. Die Piste 14/32 musste so um ein Grad zur Piste 15/33 korrigiert und neu beschriftet ­werden. Ähnliche Änderungen mussten auch in Las Vegas, in ­Jyväskylä (Finnland) und in Genf vorgenommen werden, wie das ­Aviatikportal «Aerotelegraph» weiter schreibt. Im Herbst 2018 habe der Flughafen Genf auf seinen beiden parallel verlaufenden Pisten die Pistenbezeichnungen 05/23 und 05L/23R entfernt und durch die Bezeichnungen 04/22 und 04L/22R ersetzen müssen, da sich die Ausrichtung der ­Pisten um ein Grad verschoben hatte.

Auch der Flughafen Zürich kenne dieses Problem mit der sich verändernden Ausrichtung der Lande- und Start­bahnen des Flughafens, deren der Flughafen Zürich drei hat. Wie er auf Anfrage von «Aerotelegraph» erklärte, soll noch in diesem Jahr eine mögliche ­Umbenennung der Pisten wegen der Magnetverschiebung geprüft werden. Das Thema ­geniesse aber nicht oberste ­Priorität, lässt sich eine Sprecherin des Flughafens ­zitieren.

Aktuelle Nachrichten