Bezirksgericht Bülach
Hauswart musste wegen geklauten Kaffeekapseln ins Gefängnis

Der ehemalige Hauswart einer Grossbank hat über die Jahre hinweg 25'000 Nespresso-Kapseln geklaut und diese dann auf Ricardo weiterverkauft. Das Bezirksgericht Bülach hat ihn nun verurteilt.

Stephanie Handschin
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Mit dem Erlös des verkauften Diebesgut hat der heute 54-jährige Schweizer durchschnittlich ein zusätzliches monatliches Einkommen von 720 Franken generiert.

Mit dem Erlös des verkauften Diebesgut hat der heute 54-jährige Schweizer durchschnittlich ein zusätzliches monatliches Einkommen von 720 Franken generiert.

Symbolbild: Tatjana Schnalzger

23 Jahre lang arbeitete der Mann als Hauswart bei einer Unterländer Bank. In dieser Zeit hat er mindestens 25’000 Nespresso-Kapseln, 120 Mobiltelefone, 800 Computer, 600 hochwertige Schreibgeräte und etliche Büromöbel mitgehen lassen. Was er erbeutet hat, verkaufte er später über die Onlineplattform Ricardo.ch. «Der Beschuldigte erzielte durch die Internetauktionen einen Gewinn von mindestens 100’000 Franken.», heisst es in der Anklageschrift. Mit dem Erlös des verkauften Diebesgut hat der heute 54-jährige Schweizer durchschnittlich ein zusätzliches monatliches Einkommen von 720 Franken generiert.

Seine kriminellen Machenschaften blieben jahrelang unentdeckt. Bis er im Frühling 2018 schliesslich verhaftet wurde. Er musste 94 Tage in Haft verbringen und wurde wegen gewerbsmässigem Diebstahls angeklagt.

Der Mann sieht seine Schuld mittlerweile ein und weiss, dass seine Taten falsch waren. Er argumentiert jedoch, dass die Gegenstände, die er mitgehen liess, sowieso entsorgt worden wären. Er beteuert:

«Ich habe nie Gegenstände aus den Büros oder aus dem Lager entwendet.»

Alles was er nach Hause genommen habe, hätte sich in der Entsorgungsecke der Bank befunden. Er habe gewusst, dass es nicht erlaubt war, die Gegenstände von dort mitzunehmen, jedoch sei er nicht der einzige gewesen, der sich dort bedient habe. «Man kann sich nicht vorstellen, was dort alles weggeworfen wird.»

Der Prozess konnte verkürzt durchgeführt werden

Da sich der Beschuldigte als sehr kooperativ erwies und mit dem Strafmass einverstanden war, konnte das Verfahren abgekürzt durchgeführt werden. Der Mann, der mittlerweile eine neue Stelle als Reinigungsangestellter gefunden hat, muss vorerst nicht mehr ins Gefängnis. Das Bezirksgericht verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einer Busse von 500 Franken. Zusätzlich muss er seinem ehemaligen Arbeitgeber 95'000 Franken zurück bezahlen und die Gerichts- und Verfahrenskosten in der Höhe von ungefähr 30'000 Franken übernehmen. Damit hat das Gericht den Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft vollumfänglich genehmigt, wie die «NZZ» und der «Tagesanzeiger» schreiben.

Der Beschuldigte finde die 95’000 Franken, die er der Bank zurückzahlen muss, zwar als zu hoch kalkuliert, will das Ganze jedoch schnell hinter sich lassen.

«Für die Bank ist ja kein finanzieller Schaden entstanden»,

sagte er. Geld, um die Schulden zu tilgen, hat er genug. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte 260’000 Franken Bargeld von ihm. Dieses Geld wird nun zur Deckung aller Kosten verwendet. Was übrig bleibt, wird er nach Bezahlung der Schulden wieder zurück erhalten.

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