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«Best-of-Ticket»: Vier Theater machen gemeinsame Sache

Mit einem neuen Best-of-Angebot wollen sich Stadtzürcher Theater im Markt besser behaupten können.

Florian Niedermann
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Illusionist Marc Haller schwebt bei seiner Aufführung 2010 über dem Eingang zum Miller’s Studio.

Illusionist Marc Haller schwebt bei seiner Aufführung 2010 über dem Eingang zum Miller’s Studio.

Photopress/WEY

Kulturbetriebe müssen sich etwas einfallen lassen, um im umkämpften Zürcher Markt die nötige Aufmerksamkeit zu erhalten. Vier Theater – das Miller’s Studio in Tiefenbrunnen, das Bernhard Theater, das Theater am Hechtplatz und das Theater Rigiblick – versuchen dies in der kommenden Saison mit einem neuen Angebot zu erreichen. Sie wollen damit nicht nur ihre Medienarbeit erleichtern, sondern auch Theatermuffel anlocken.

Mit dem sogenannten Szenewechsel-Abonnement erhalten die Käuferinnen und Käufer an vier vorbestimmten Abenden Zutritt zu einer ausgewählten Aufführung in einem der angeschlossenen Theater – sie halten damit eine Art «Best-of-Ticket» in den Händen. Der Clou: Dieses ist übertragbar und kann auch weitergegeben werden, wenn man verhindert ist. Das neue Angebot ist aber nicht nur für die Konsumenten interessant. Auch die vier Kulturbetriebe verschaffen sich so Vorteile, wie Miller’s-Geschäftsführer Daniel Lerch sagt: «Als Theater kämpft man in Zürich immer um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Wir glauben, dass wir als mittelgrosse Institutionen bei den Medien mehr Gewicht haben, wenn wir zusammen auftreten.» An einer gemeinsamen Medienkonferenz werden die Verantwortlichen der vier Theater am 8. September daher nicht nur das neue Szenewechsel-Abonnement, sondern gleich auch die Spielpläne der einzelnen Häuser für die kommende Saison vorstellen. Man erhoffe sich, dass so mehr Journalisten anwesend sein werden, als wenn alle vier Theater einen eigenen Medienanlass auf die Beine stellten, sagt Lerch.

Abo soll nur der Anfang sein

Mit dem gemeinsamen Abonnement zielen die Geschäftsführer aber auch auf einen anderen Effekt ab: Sie wollen damit Publikum anziehen, das ansonsten lieber vor dem Fernseher sitzt, als ins Theater zu gehen. «Mit dem Szenewechsel-Angebot kann man sich bequem gleich vier Vorstellungen buchen und muss sich dafür nicht regelmässig über das laufende Programm informieren», so Lerch. Er erhofft sich, dass das Abonnement als «Einstiegsdroge» wirkt; dass die Besucher nach einem Abend, an dem sie gut unterhalten wurden, wiederkehren.
Dass ein Kulturbetrieb mit seinen direkten Konkurrenten zusammenspannt, mag auf den ersten Blick erstaunen. Doch der Miller’s-Geschäftsführer ist überzeugt, dass die Rechnung aufgeht: «Wenn wir uns gegenseitig aushelfen, profitieren alle vier Partner davon.»

«Aushelfen» bedeutet aber auch, dass die vier Bühnen in ihren individuellen Leporellos für die anderen drei Theater werben. Dass genau diese Kulturhäuser zusammengefunden haben, sei kein Zufall, sagt Barbara Ellenberger, die Intendantin des Miller’s Studio: «Wir sind die vier mittelgrossen Theater der Stadt. Und unsere Programme sind im Kern alle auf intelligente, anspruchsvolle Unterhaltung ausgerichtet.»

Frey und Früh mit eigenem Stück

Das erste Szenewechsel-Angebot bildet die inhaltliche Gemeinsamkeit gemäss der Miller’s-Intendantin gut ab: Die Abonnentinnen und Abonnenten erhalten damit Zutritt zur Vorpremiere des Musicals «Cabaret» im Bernhard Theater, der Uraufführung des neuen Programms von Polit-Comedian Lorenz Keiser im Theater am Hechtplatz, der Uraufführung des Buster-Keaton-Abends «Lachen verboten!» im Theater Rigiblick und der Uraufführung der von Patrick Frey und Katja Früh eigens für das Miller’s geschriebenen Alters-Komödie «Grundriss der Hoffnung».

Konkrete Ziele, was das Szenewechsel-Abonnement an zusätzlichen Umsätzen einbringen soll, hat Lerch nach eigenen Angaben nicht. Die vier Theater sehen die kommende Saison als Pilotversuch. Über die Weiterführung des Angebots entscheiden sie am Ende der Saison.

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