Bewerbungen

Anonymisierte Bewerbungen sind dem Regierungsrat zu teuer

Drei Kantonsrätinnen forderten in einer Motion, dass «Personalverantwortliche und Vorgesetzte bis zum Versand der Einladungen für ein erstes Bewerbungsgespräch keine Einsicht mehr in Informationen wie Namen, Foto, Nationalität, Zivilstand, Geschlecht und Alter der Bewerbenden haben». (Symbolbild)

Drei Kantonsrätinnen forderten in einer Motion, dass «Personalverantwortliche und Vorgesetzte bis zum Versand der Einladungen für ein erstes Bewerbungsgespräch keine Einsicht mehr in Informationen wie Namen, Foto, Nationalität, Zivilstand, Geschlecht und Alter der Bewerbenden haben». (Symbolbild)

Ein diskriminierungsfreier Bewerbungsprozess sei bereits ein zentraler Faktor der Personalpolitik des Kantons Zürich.

Der Kanton Zürich soll mit einem anonymisierten Bewerbungsverfahren für Chancengerechtigkeit sorgen, hatten drei Kantonsrätinnen in einer Motion gefordert: «Personalverantwortliche und Vorgesetzte, welche die Auswahl der Bewerbenden treffen, sollen grundsätzlich neu bis nach dem Versand der Einladungen für ein erstes Bewerbungsgespräch keine Einsicht mehr in Informationen wie Namen, Foto, Nationalität, Zivilstand, Geschlecht und Alter der Bewerbenden haben», schrieben Melissa Näf (GLP, Bassersdorf), Birgit Tognella-Geertsen (SP, Zürich) und Silvia Rigoni (Grüne, Zürich) in ihrem Vorstoss.

Der Kanton Zürich setze auf qualifiziertes Personal, welches seinen hohen Leistungsstandards gerecht werde, begründeten die Kantonsrätinnen ihr Anliegen. «Der Kanton ist deshalb darauf angewiesen, dass die qualifizierteste Person angestellt wird, die diese Leistungen erbringen kann.»

Qualifizierte Bewerber nicht übersehen

Die aktuelle Praxis berge jedoch das Risiko, dass gewisse Bewerberinnen und Bewerber wegen irrelevanter Attributen implizit oder gar absichtlich diskriminiert würden, heisst es in der Motion. «Dies mit dem Ergebnis, dass dem Kanton möglicherweise sehr qualifizierte Bewerbungen bereits in der Vorauswahl entgehen.» Dies wäre mit einem anonymisierten Verfahren zu verhindern, glauben die drei Kantonsrätinnen.

Der Regierungsrat empfiehlt dem Kantonsrat nun aber, die Motion abzuweisen, wie seiner veröffentlichten Antwort zu entnehmen ist. Die von den Motionärinnen geforderte Anonymisierung würde dazu führen, dass von der Verwaltung auch eingehende Lebensläufe, Zeugnisse und Diplome bearbeitet und geschwärzt werden müssten, schreibt der Regierungsrat. Denn diese würden wesentliche Bestandteile bei der Vorselektion bilden.

«Technisch lässt sich dies heute nur zum Teil realisieren und würde zumindest einen Ausbau der heutigen Rekrutierungstools oder die Beschaffung von zusätzlichen IT-Tools bedeuten», hält der Regierungsrat fest. Da die Personalabteilungen in der kantonalen Verwaltung unterschiedlich gross sind, sei auch eine organisatorische Aufteilung bei der Selektion mit den bestehenden personellen Mitteln nicht umsetzbar. «Sowohl eine IT-unterstützte als auch eine manuelle Lösung hätten erhebliche Kosten zur Folge.»

Wie der Regierungsrat weiter schreibt, werden heute Rekrutierungsprozesse durch Personalfachleute begleitet. Zudem sei sichergestellt, dass Vorgesetzte entsprechend sensibilisiert und geschult seien. «Diversität wird als Chance genutzt und Vielfalt als Bereicherung am Arbeitsplatz erlebt.» Das Risiko der Diskriminierung von Bewerberinnen und Bewerbern aufgrund «irrelevanter Attribute» werde so minimiert.

Zudem würden bereits gewisse anonymisierte Selektionsinstrumente angewandt. «Mit kognitiven Testverfahren werden der Umgang mit neuen Informationen, logisches Denken sowie Lernfähigkeit gemessen und mit Persönlichkeitsfragebogen die Passung zwischen Person und Anforderungsprofil geprüft», hält der Regierungsrat unter anderem weiter fest.

Die Regierung will das Anliegen dennoch prüfen

Das Fazit ist für den Regierungsrat damit klar: «Ein diskriminierungsfreier Bewerbungsprozess ist bereits heute ein zentraler Faktor der Personalpolitik des Kantons Zürich.» Dies sehe auch das kantonale Personalrecht vor, womit eine Gesetzesanpassung nicht erforderlich sei.

Obwohl der Regierungsrat die Motion zur Ablehnung empfiehlt, will er sich mit dem Thema weiter befassen. Er zeigt sich bereit, die Motion zumindest als Postulat entgegenzunehmen und zum Anliegen einen Bericht zu schreiben. «Der Regierungsrat ist sich bewusst, dass je nach Funktion die konsequente IT-unterstützte Anonymisierung von einzelnen Daten im ersten Stadium des Bewerbungsverfahrens ein probates Mittel sein könnte, um allenfalls vorhandene unbewusste Vorurteile im Rekrutierungsverfahren weiter zu minimieren.»

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