Schlieren

Zu viel Lärm und Littering: Anwohner wollen nicht, dass die «Pischte 52» zur Partymeile verkommt

Anwohner Walter Sommerhalder und Ursula Bähr stören sich am Lärm auf der stillgelegten Badenerstrasse.

Anwohner Walter Sommerhalder und Ursula Bähr stören sich am Lärm auf der stillgelegten Badenerstrasse.

In einem Beschwerdebrief kritisieren Walter Sommerhalder und Ursula Bähr die Stadt Schlieren. Sie fordern, dass sie ihre Verantwortung wahrnimmt, damit die Anlässe auf der stillgelegten Badenerstrasse die Anwohner nicht mehr stören.

«Es ist ein Trauerspiel», sagt Ursula Bähr, als sie die Zigarettenstummel, Plastikverpackungen und leeren Getränkedosen auf ihrem Grundstück an der Badenerstrasse 3 und 5 in Schlieren erblickt. Seitdem der stillgelegte Teil der Badenerstrasse als «Pischte 52» genutzt werde, häufe sich das Littering. Bähr zeigt auf die milchige und zerbrochene Glasscheibe ihrer Mieterin, der «Parkettgalerie». «Ende August wurde hier sogar das Fenster beschädigt. Und nicht nur das, auf der anderen Seite wurde im privaten Palmengarten im Innenhof der Siedlung ebenso eine kugelsichere Scheibe des Geschäfts eingeschlagen.»

Anwohnerin und Grundstückbesitzerin Ursula Bähr macht sich Sorgen wegen den Sachbeschädigungen. Ein Fenster ihrer Mieterin, der Parkettgalerie, an der Badenerstrasse 5 wurde im privaten Innenhof eingeschlagen. Ebenso ging ein Fenster gegen die «Pischte 52» zu Bruch.

Vandalismus an der Badenerstrasse

Anwohnerin und Grundstückbesitzerin Ursula Bähr macht sich Sorgen wegen den Sachbeschädigungen. Ein Fenster ihrer Mieterin, der Parkettgalerie, an der Badenerstrasse 5 wurde im privaten Innenhof eingeschlagen. Ebenso ging ein Fenster gegen die «Pischte 52» zu Bruch. 

Ein noch viel grösseres Problem stelle der Lärm dar, der durch die vielen Veranstaltungen auf der «Pischte 52» hervorgerufen werde, sagt ihr Nachbar Walter Sommerhalder, als die beiden über die leere Strasse gehen. Sommerhalder hat deshalb im Namen der rund 40 Anwohner, die an der Badenerstrasse 3 und 5 sowie an der Brunngasse 8 leben, einen Beschwerdebrief an den Schlieremer Stadtrat aufgesetzt und Unterschriften gesammelt.

«Wir protestieren in aller Form gegen den übermässigen Lärm auf der ‹Pischte 52›. Die stillgelegte Badenerstrasse ist nicht die Partymeile oder die Ballermannzone von Schlieren», sagt der 88-Jährige. Rund 8500 Quadratmeter gross ist die Fläche im Zentrum von Schlieren, die 2019 auch einen grossen Teil des Schlierefäschts beherbergte. Weil der Strassenverlauf im Zusammenhang mit dem Bau der Limmattalbahn verlegt wurde, wird dieser Abschnitt für den Verkehr nicht mehr benötigt.

Herbstmarkt und Sandstrand wurden bereits realisiert

Für die Stadt stellt sich die Frage, was aus dem Gebiet werden soll. Um dies herauszufinden, hat sie das Projekt «Pischte 52» – ein Mitwirkungsverfahren für die Bevölkerung – im Frühsommer ins Leben gerufen. Weil das Strassenstück wie eine Piste daherkommt und abgeleitet von der Postleitzahl der Stadt, heisst das Projekt «Pischte 52». Die Einwohnerinnen und Einwohner können dafür Projektideen einreichen, die dann umgesetzt werden. Der Stadtrat hat für die vierjährige Phase einen Projektkredit von 270'000 Franken bewilligt, damit provisorische Infrastrukturanlagen aufgestellt und kleinere Einrichtungen angeschafft werden können. Bisher wurden schon einige Ideen realisiert. So wurde die «Pischte 52» beispielsweise im Sommer in einen Sandstrand – inklusive Pools, Open-Air-Kino und Food-Festival – verwandelt. Im September diente die Brache als Austragungsort des Herbstmarkts.

Die Anwohner beanstanden nun aber den Lärm und den Abfall, der durch die verschiedenen Anlässe auf dem Areal entsteht. «Es kann nicht sein, dass während mehreren Stunden vom Nachmittag bis in die späte Nacht hinein ein Lärm produziert wird, der einem zuhause bei geschlossenen mehrglasigen Fenstern ein eigenes Hören oder Spielen von Musik verunmöglicht», sagt Sommerhalder, der 75 Meter entfernt von der «Pischte 52» wohnt. Das Stampfen und die Bässe würden manchmal sogar den Fussboden erzittern lassen. Die Anwohner stören sich auch daran, dass die Polizei und die Öffentlichkeit über gewisse Veranstaltungen offenbar gar nicht orientiert seien. «Aufgrund von Telefongesprächen mit der Polizei haben wir erfahren, dass sie teilweise gar keine Kenntnisse vom Treiben auf der Brache hat. Das heisst also, dass gar keine Bewilligungen erteilt worden sind», schlussfolgert Sommerhalder.

Zuständigkeit soll nicht an Veranstalter abgeschoben werden

Kritisiert wird auch der für die «Pischte 52» eingesetzte Kümmerer, Daniel Dormann, der Leiter des Bereichs Tiefbau der Stadt. «Wenn wir uns bei ihm wegen des Lärms beschwerten, lehnte er die Zuständigkeit für die Lärmüberschreitungen ab und schob sie auf die Veranstalter ab», sagt Sommerhalder. Die Stadt verfüge über eine Lärmschutzverordnung, für die der Stadtrat die alleinige Verantwortung trage. Die Überwachung übertrage er der Polizei und als Zwischenglied allenfalls dem Kümmerer.

Die Forderungen der Anwohner sind klar: «Wir erwarten, dass der Stadtrat Rücksicht auf uns nimmt, seine Verantwortung wahrnimmt und ab sofort für die Einhaltung der rechtlichen Ordnung sorgt.» Sommerhalder wird den offenen Brief dem Stadtrat heute übergeben.

Die Stadt Schlieren will derzeit noch keine Stellung zum Thema nehmen. Da das konkrete Schreiben noch nicht vorliege, könne man sich dazu noch nicht äussern, hiess es gestern auf Anfrage. Sobald man aber dessen Wortlaut kenne, sei die Stadt gerne bereit ihre Sicht darzulegen.

Meistgesehen

Artboard 1