Wil

Weg zu den Feldern ist gekappt: Bauernfamilie kann nicht zu Feldern auf deutschem Boden

Der beliebte Schleichweg ist zu, die Siegrists sind die Leidtragenden.

Der beliebte Schleichweg ist zu, die Siegrists sind die Leidtragenden.

Die Bauernfamilie Siegrist aus Wil kann nicht mehr auf ihre Felder auf deutschem Boden gelangen: Ohne jede Vorwarnung haben die Behörden den Weg über die Grenze mit Betonelementen abgesperrt.

Seit Donnerstagmorgen ist der Grenzübergang am Schwarzbach bei Wil auf der Schweizer Seite durch Betonblöcke versperrt. Wie aus dem Nichts sei ein Lastwagen aufgetaucht und habe diese dort abgeladen, meint Marianne Siegrist, Bäuerin des Hofs am Schwarzbach. Welche Stelle die Grenzschliessung angeordnet hat, weiss sie nicht. Da sich all ihre Felder und Wiesen auf deutschem Boden befinden, ist die Familie besonders davon betroffen.

Auf der deutschen Seite wurde der Feldweg nur durch Gitterzäune abgeriegelt. Bevor die Betonelemente aufgestellt worden seien, hätten einige Menschen dieses Schlupfloch ausgenutzt und so einen Weg über die Grenze gefunden. Nun wurde die Polizei auf diesen Schleichweg aufmerksam, weshalb es ab jetzt kein Durchkommen mehr gibt.

Marianne Siegrist findet es schade, dass aufgrund einiger Unvernünftiger nun alle bestraft werden. Denn Grenzbeamte würden jeweils Verständnis zeigen, wenn die Schweizer Bauern zu ihren Feldern auf deutschem Boden wollen.

Im April wirds richtig prekär

Im Moment habe die Blockade noch keinen gewaltigen Einfluss auf das Leben der Bauernfamilie, fährt Siegrist fort. Dies, weil die Wiesen momentan als Weiden für die Schafe genutzt würden und man die Brücke noch zu Fuss passieren könne. Es sei ja nur ein Fahrverbot, meint sie schmunzelnd. Wie lange die Absperrung stehen bleibt, ist auch unklar. Spätestens Anfang April sollte Gewissheit herrschen, fordert Siegrist, da man dann beginnen wolle, Mais und Freilandsamen zu säen. Für diese Tätigkeiten müsse man mit Fahrzeugen zu den Feldern.

Die Zukunft des Betriebes steht in den Sternen. Bleibe die Grenze geschlossen, würde dies einen riesigen Extraaufwand bedeuten. Siegrist zieht einen Vergleich zum Rinderwahnsinn. Damals wurden die Kühe nicht auf deutschen Boden gelassen, die Bauern mussten jedoch Auflagen für die Tierhaltung erfüllen.

Eine davon war, dass die Tiere Auslauf an der frischen Luft bekamen. Glücklicherweise konnte die Familie mit einem anderen Bauern Land abtauschen und so die Auflagen auf Schweizer Boden erfüllen. Allerdings dauerte es ein halbes Jahr, bis die neue Wiese ausgesät war.

Behörden sollen Klarheit schaffen

Siegrist lässt auch das Wort «Kriegszustand» fallen. Dass auch Bauern die Grenze nicht mehr überqueren können, sei das letzte Mal während des Zweiten Weltkriegs der Fall gewesen. Zudem macht sie sich Sorgen über die Lebensmittelproduktion, denn obwohl der Bundesrat versprochen habe, dass es keine Engpässe geben werde, könne die Familie im Falle einer längeren Grenzschliessung nichts mehr anpflanzen.

Siegrist hofft, dass die Behörden bald Klarheit in diesem Chaos schaffen. Es sei sehr unklar, wann welcher Beschluss gefasst werde, und auch die Zusammenarbeit zwischen deutschen und schweizerischen Behörden funktioniere nicht einwandfrei. Wenigstens könne die Bürgermeisterin aus Dettighofen (D), welches an Wil angrenzt, die Sorgen der Bäuerinnen und Bauern nachvollziehen, da sie selbst eine Bauerntochter sei. So erwartet Marianne Siegrist, dass wenigstens an der Krisensitzung der deutschen Behörden gestern ein kluger Entscheid gefällt werden konnte.

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