Am Dienstagmorgen kam es wegen eines Kabelbrandes in Zürich Oerlikon im Pendlerverkehr zu Verspätungen, Zugausfällen – und kleinen Wutausbrüchen. Steihässige Menschen quetschten sich in übervolle Trams oder Züge oder mussten, wenn sie nicht mehr reinpassten, auf zahlreiche weitere ÖV warten. Zweiteres galt es tunlichst zu vermeiden, deshalb: Noch mehr «moschte», damit es auch dem Hintersten im Tram die Luft abschnürte.

Die, die noch konnten, schnaubten und stöhnten genervt in unüberhörbarer Lautstärke – womöglich in der Hoffnung, Herr SBB würde endlich etwas gegen diesen Missstand unternehmen. Dem (immer noch freundlichen) Chauffeur musste es den letzten Nerv geraubt haben, als er die Reisenden alle zwei Minuten darum bat, doch BITTE VON DER TÜRE WEGZUSTEHEN – zumal sich die Hälfte jener Gliedmassen eh noch auf dem Perron befand. 

Nichts ging mehr. Ausser nach Uetikon. Aber ja ... Uetikon.

Nichts ging mehr. Ausser nach Uetikon. Aber ja ... Uetikon.

«Sowas darf einfach nicht passieren!», hörte man verärgerte Passanten mehrfach motzen. Stimmt, es sollte nicht passieren. Aber es passiert eben. 

Dabei könnten wir die Zugpanne auch von so vielen positiven Seiten sehen ...

1. Wir kommen uns endlich näher 

Wann passiert es schon, dass man sich früh morgens, hoffentlich frisch geduscht, SO nahe ist und mit Fremden ins Gespräch kommt? An Konzerten ist das Gang und Gäbe. 

©  watson/ange

2. Endlich Sitzplätze schätzen lernen 

Apropos Platzmangel: Wie oft trauen wir uns nicht, in ein schon fast volles Vierer-Abteil zu sitzen? Lieber stehen wir unsere fünf Stationen, als dass wir uns in ein Abteil setzen, in dem schon zwei (!) andere sitzen. Aus Gründen. Nach einem Tag wie diesem wirst du diesbezüglich keine Berührungsängste mehr haben. 

Passend dazu eine Grafik.

3. Juhu! Schnitzeljagd!

Wann hast du zuletzt ein Schuelreisli gemacht? Die Situation, in der man von einem Zug/Bus/Tram zum nächsten Zug/Bus/Tram hetzt und nicht genau weiss, wohin und warum, gleicht einer Schnitzeljagd oder einem Orientierungslauf in der Mittelstufe. Herrlich! Spätestens jetzt sind wir alle wach! 

Schnell! Rennt! Wo ist der nächste Hinweis zum Ziel?

Schnell! Rennt! Wo ist der nächste Hinweis zum Ziel?

Schneller!

Schneller!

4. Das SBB-Personal schätzen lernen

Erst noch über die Schweizer Bundesbahnen hergezogen, sind die Männlein in den leuchtgelben Westen jetzt deine Freunde und Helfer. Geduldig beantworten sie zwischen 08.01 und 08.04 Uhr dreihundert Mal die gleichen Fragen und halten auch die nörgelnden Passagiere aus. 

©  watson/sim

5. Sich freuen, wenn man (endlich) bei der Arbeit ankommt

Wann gab es denn DAS zuletzt?

©  pikabu