Bezirksgericht Dietikon

Töfffahrer jagt mit 135 km/h durch Birmensdorf — wird aber milder verurteilt als beantragt

Der Töffmechaniker aus dem Limmattal ist in diesem April mit seiner starken 1300er-Maschine in eine mobile Radarfalle getappt. Auf der Luzernerstrasse in Birmensdorf – im Gebiet Cholholz – hatte er 135 statt 80 Kilometer pro Stunde drauf. Der 52-Jährige kann die Strafe, die im Raum steht, nicht nachvollziehen.

Er sei zu schnell gefahren, sagte der Mann am Dienstag vor dem Dietiker Bezirksgericht. Wie bereits bei den früheren polizeilichen und staatsanwaltlichen Einvernahmen räumte er ein, an jenem Mittwochabend kurz nach 19 Uhr unbedacht «einen Seich» gemacht zu haben. «Das war ein Fehler, ich stehe dazu.» Was er aber nicht nachvollziehen kann, ist die Strafe, die im Raum steht. «Sie dünkt mich unverhältnismässig zu sein, sie erscheint mir extrem hoch.»

Dabei hatte der Limmattaler noch Glück. Wäre er im April fünf Kilometer pro Stunde schneller gewesen, hätte er den sogenannten Rastertatbestand erfüllt. In diesem Fall hätte ihm gemäss Strassenverkehrsgesetz zwingend eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr gedroht. Die Geschwindigkeitsüberschreitung sei mit Tempo 135 aber auch so noch «massiv» gewesen, hält die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage fest. Der Töfffahrer habe mit seinem Verhalten andere Verkehrsteilnehmer zumindest abstrakt gefährdet.

Ein unbescholtener Bürger steht vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrer Anklageschrift deshalb, dass der 52-Jährige wegen grober Verkehrsregelverletzung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt werden soll, die aber bei einer Probezeit von zwei Jahren bedingt bleibt. Zudem sollen ihm eine Busse von 2000 Franken sowie die Verfahrenskosten aufgebrummt werden.

Der Motorradmechaniker schüttelte im Gerichtssaal den Kopf: Er sei doch kein Wiederholungstäter, der derart hart bestraft werden müsste. «Ich will mein Verhalten nicht herunterspielen, aber ich habe mir zuvor noch nie etwas zu Schulen kommen lassen.» Er sei erstaunt, wie rasch er da in die Mühlen der Justiz geraten sei.

Auch Einzelrichter Bruno Amacker sprach davon, dass er einen «unbescholtenen Bürger» vor sich habe. Der 52-jährige Töfffahrer verfüge über keinerlei Vorstrafen. «Bei Ihnen ist alles in Ordnung», fasste Amacker nach einem Blick in die Akten zusammen.

Doch der untadelige Leumund nützt dem Motorradmechaniker nicht viel: Die Gesetze im Strassenverkehr seien in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern extrem hart, hielt der Einzelrichter während der kurzen Verhandlung fest. «Das ist politisch so gewollt.» Die Politik habe Raser-Exzesse unterbinden wollen und einen strengen Massstab festgelegt. Darin blieben nun auch Bürger wie der Limmattaler hängen.

Die Staatsanwaltschaft ist bei ihrem Strafantrag den Empfehlungen der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft gefolgt. Diese sieht ausserorts bei einer Tempoüberschreitung von 55 bis 59 Kilometern pro Stunde in der Regel eine Freiheitsstrafe von acht Monaten vor, darunter bleibt es bei Geldstrafen. Mit Tempo 135 war der Limmattaler genau 55 Stundenkilometer schneller als die erlaubten 80 geblitzt worden.

Von einer Empfehlung könne im Einzelfall auch abgewichen werden, sagte Einzelrichter Amacker, als er sein Urteil verkündete. Dies schien ihm im vorliegenden Fall aus verschiedenen Gründen angezeigt zu sein. Amacker verwies etwa auf die an jenem Aprilabend herrschenden allgemeinen Bedingungen. Er sprach von «Idealbedingungen». Die übersichtliche Strasse sei trocken gewesen, weit und breit habe es keinen Verkehr gehabt und auch Schulkinder seien zu dieser Zeit nicht unterwegs gewesen. Zudem sei das von einem Töff ausgehende Gefahrenpotenzial grundsätzlich geringer als von einem Lastwagen. Würden alle Umstände des konkreten Einzelfalles in eine Waagschale geworfen, dann deute alles auf eine Freiheitsstrafe von weniger als acht Monaten hin.

Die schnelle Fahrt sei aber dennoch nicht ungefährlich gewesen, hielt Amacker fest. Dem 52-Jährigen werde zwar nicht vorgeworfen, halsbrecherisch wie ein Rowdy unterwegs gewesen zu sein. Aber es sei auch nicht eine blosse Fahrlässigkeit, also eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit, gewesen. «Bei Tempo 135 merkt man, auch wenn man nicht auf den Tacho blickt, dass man schneller als die erlaubten 80 Kilometer pro Stunde fährt», meinte Amacker. Deshalb sei von einer eventual-vorsätzlichen groben Verletzung der Verkehrsregeln auszugehen.

Töfffahrer zeigt sich mit dem Urteil zufrieden

Das Bezirksgericht kam zum Schluss, dass insgesamt eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 50 Franken für den konkreten Fall angemessen erscheint. Diese wurde bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren ausgesprochen. Bezahlen muss der Töfffahrer hingegen sicher eine Busse von 1500 Franken sowie die Verfahrens- und Gerichtskosten.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft kann es ans Obergericht ziehen. Der 52-jährige Limmattaler, der ohne Anwalt zur Verhandlung erschienen war, zeigte sich zufrieden: «Ich habe einen Fehler gemacht, die bedingte Geldstrafe ist okay.»

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