Dietikon

Tierheilpraktikerin Jolanda Müller: «Leider arbeiten viele Tierärzte auf einer Angstschiene»

Seit fünf Jahren ist Jolanda Müller Diplomierte Tierheilpraktikerin in traditioneller chinesischer Medizin. Sie erzählt, warum sie Medikamente für Menschen auch bei Tieren anwendet. In ihrer Praxis betreut sie Kleintiere, hauptsächlich Hunde und Katzen.

Etwas versteckt liegt die Praxis von Jolanda Müller in Dietikon. Grosse Plakate mit dem Schriftzug «Praxis 4 Pfoten» führen zu einem kleinen Treppenhaus ausserhalb eines Wohnblocks. Im Geschoss wartet ein grosser Golden Retriever. Schwanzwedelnd läuft der Hund im Kreis. Er hechelt schwer. Seine Besitzerin, die Tierheilpraktikerin Jolanda Müller, beruhigt ihn. «Das ist mein Job», sagt sie. Seit fünf Jahren ist die Dietikerin Diplomierte Tierheilpraktikerin in traditioneller chinesischer Medizin. In ihrer Praxis betreut sie Kleintiere, hauptsächlich Hunde und Katzen. Im Interview erzählt sie, was Tierärzte von ihrem Beruf halten und warum sie Medikamente für Menschen auch bei Tieren anwendet.

Was spricht aus Ihrer Sicht für eine alternative Heilmethode?

Jolanda Müller: Viele Tiere sind genauso wie Menschen austherapiert. Sie haben chronische Leiden, bei denen der Tierarzt sagt: «Ja, sie müssen halt damit leben.» Und mit der Komplementärmedizin kann man noch etwas herausholen.

Würden Sie sagen, dass Sie der letzte Ausweg für diese Tiere sind?

Wenn die Tiere schon viele Behandlungen hinter sich haben, dann würde ich sagen, ja.

Alternative Heilmethoden werden oft als wirkungslos kritisiert.

Ja, das höre ich oft. Von «Wischiwaschi» bis «das ist alles Scharlatanerie» habe ich alles gehört. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob er daran glaubt oder nicht. Leider arbeiten viele Tierärzte auf einer Angstschiene. Nehmen wir das immer wiederkehrende Thema Entwurmen. Der Tierarzt sagt: «Wenn sie das Tier nicht regelmässig entwurmen, könnte es sehr gefährlich werden.»

Das ist Ihrer Meinung nach nicht richtig?

Genau. Eine Wurmkur hält nur 24 bis 48 Stunden und danach ist man gleich weit wie vorher. Man sollte eher das Immunsystem stärken, damit es gar nicht erst so weit kommt, dass das Tier Würmer hat. Das kann man auch über die Ernährung und Kräuter erreichen. Wurmkuren enthalten Nervengift. Das geht in die Blutbahn, den Rest können sie sich vorstellen.

Was denn genau?

Diese Kuren greifen die Darmflora an und das hat eine ungeahnte Wirkung auf die Gesundheit wie auch auf das Verhalten der Tiere.

Also würden Sie davon abraten?

Auf jeden Fall. Man sollte lieber regelmässig den Kot untersuchen lassen und sollte es dann einen Wurmnachweis geben, kann man den immer noch gezielt behandeln.

Sie sagen, dass Tierärzte auf einer Angstschiene arbeiten. Was meinen Sie damit genau?

Sie arbeiten mit der Angst der Menschen und lassen sie denken, dass wenn sie eine bestimmte Behandlung nicht machen lassen, es dem Tier schlechter gehen könnte. Einige Tierärzte haben Angst vor Konkurrenz. Dass plötzlich ein Tierheilpraktiker mehr Erfolg haben könnte als der Schulmediziner.

Um über Konkurrenz reden zu können, müssen die Tierärzte Sie als Heilpraktikerin erst einmal wahrnehmen.

Ja, das stimmt. Aber sie sehen eine Gefahr, sie raten den Tierbesitzern von einem Besuch bei uns ab, da es eh nichts bringen würde.

Bringt es denn etwas?

Natürlich. Aber es gibt auch Fälle, bei denen ich nicht alleine helfen kann. Ich habe beispielsweise mal einen Hund betreut, der einen Tumor hatte. Die Besitzer haben sich dann für eine Chemotherapie entschieden. Das akzeptiere ich natürlich. Ich gehe nicht hin und versuche, die Leute umzustimmen Ich habe den Besitzern versprochen, dass ich ihnen helfe.
Mit einer Ernährungsumstellung und Heilpilzen hätte der Hund die Chemotherapie besser vertragen. Doch leider haben die behandelnden Tierärzte in der Onkologie der Besitzerin dringend vom Einsatz von alternativen Heilmethoden abgeraten.

Behandeln Sie auch Ihren eigenen Hund?

Ja. Ich verzichte weitestgehend auf den Tierarzt, ausser es handelt sich um Röntgenbilder oder Laboruntersuchungen. Mein Hund ist alt, darum gehen wir einmal im Monat in die Physiotherapie, wo sie massiert wird. Zwischendurch mache ich Akupunktur und sie kriegt noch gewisse Ergänzungsmittel für das Futter. Sie ist nicht die Jüngste, aber es geht ihr gut – auch durch meine Hilfe.

Sie sprechen ausschliesslich von physischen Leiden. Behandeln Sie auch Tiere, die psychische Probleme haben?
Natürlich. Ich war mal bei einer Katze, die unsauber war. Zuerst war die Besitzerin beim Tierarzt, der konnte keine organische Erkrankung feststellen. Also bin ich zu ihnen nach Hause gegangen. Sie hatten insgesamt vier Katzen. Meine erste Aufgabe war, die Konstellation der Katzen zu analysieren. Da hat sich herausgestellt, dass es zwei Gruppen waren. Und so wie sich die unsaubere Katze verhalten hat, wusste ich, dass das Problem in der Konstellation lag.

Wie sind Sie dann vorgegangen?
Ich habe eine Bachblüten-Mischung gemacht. Die Katze wollte fliehen, die Situation war ihr zu stressig und damit ist sie nicht klargekommen.

War diese Bachblüten-Mischung gleich wie diejenigen, die bei Menschen eingesetzt werden?

Ja, es sind die gleichen Bachblüten.

Werden häufig Präparate benutzt, die auch für Menschen geeignet sind?

In manchen Fällen schon, aber nicht immer. Nicht jedes Kraut ist gut für das Tier. Es gibt aber auch Medikamente, die für den Humangebrauch sind, die man auch bei Tieren benutzen kann und muss. Zum Beispiel gewisse Schmerzmittel. Mein Hund kriegt zum Beispiel ein Schmerzmittel, das eigentlich für den Humangebrauch gedacht ist.

Haben Sie da keine Bedenken?
Nein, es gibt durchaus Tierpräparate, die aus dem Humanbereich kommen und zugelassen sind. Das Gleiche gilt für Akupunktur und Massage.

Wie hält das Tier bei der Akupunktur still?

Unterschiedlich. Manche sind entspannt, andere gestresst und bei einigen ist es wirklich schwer. Die wollen dann einfach nicht still sitzen. So einen Fall hatte ich auch mal.

Wie haben Sie es dann geschafft?
Ganz einfach: Geduld, auf das Tier eingehen und es beruhigen.

Bei wem klappt das eher – bei Hunden oder Katzen?
Bei Hunden, definitiv.

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