Schlieren

SP-Umfrage zur Einführung von Tagesschulen: Das Verdikt fällt deutlich aus

8300 Fragebögen verteilte die SP in die Schlieremer Briefkästen.

8300 Fragebögen verteilte die SP in die Schlieremer Briefkästen.

Anfang Januar hatte die Schlieremer SP rund 8300 Fragebögen in die Briefkästen verteilt. 80 der rund 100 Teilnehmenden dieser Umfrage der Partei sind für die Einführung von Tagesschulen.

Über 80 Prozent der Personen, die an der SP-Umfrage zum Thema Tagesschulen teilgenommen haben, sprechen sich für die Einführung einer solchen aus. «Fakt ist: Wir müssen unser Betreuungsangebot erweitern», sagt Rixhil Agusi. Die SP-Gemeinderätin ist für die Umfrage verantwortlich und war die letzten Wochen mit der Auswertung beschäftigt. Anfang Januar hatte die Partei rund 8300 Fragebögen in die Briefkästen verteilt. An der Umfrage teilgenommen haben 103 Personen, was einer Rücklaufquote von 1,24 Prozent entspricht. Agusi meint dazu: «Ich hatte mit einer Rücklaufquote in dieser Grössenordnung gerechnet.» Es sei darum gegangen, der Bevölkerung den Puls zu fühlen, und nicht darum, eine repräsentative Umfrage zu machen.

Gleiche Betreuungsperson ist Befragten wichtig

Als häufigste Begründung, weshalb sich die Teilnehmer für die Tagesschule aussprachen, diente das Argument, das Kind sei auf diese Weise den ganzen Tag bei derselben Betreuungsperson (54 Prozent). Auch dass Hausaufgaben unter Aufsicht gemacht würden (48 Prozent) und beide Eltern arbeitstätig seien (47 Prozent), waren gewichtige Argumente.

Über 80 Prozent der grösstenteils weiblichen Teilnehmenden gaben an, berufstätig zu sein, und knapp 40 Prozent vermerkten, sie seien mit dem aktuellen Betreuungsangebot von Schlieren nicht zufrieden. «Mit dem heutigen Hort-Angebot werden die Kinder beaufsichtigt und nicht gefördert. Dies ist wohl auch der Grund für die grosse Unzufriedenheit», so Agusi. Denn die Qualität der Betreuung in einer Tagesschule wirke sich auch auf die schulischen Leistungen aus.

Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) wertet es als positiv, wenn sich die Parteien in Schlieren Gedanken zur Schulentwicklung machen. «Ich hatte eine grössere Beteiligung erwartet, zumal die Umfrage breit gestreut war», sagt sie auf Anfrage.

Bezüglich der Relevanz der Ergebnisse sagt Krebs: «Diese Umfrage ist als Grundlage für einen Entscheid pro oder contra Tagesschule eher weniger geeignet, da die Teilnahme freiwillig, die Herkunft der Teilnehmenden unbekannt und über ihre Motivation wenig bekannt ist», so Krebs. Auch wäre die Frage interessant gewesen, so Krebs, wie viel die Eltern für Tagesschulen zu zahlen bereit wären.

Tagesschule war schon vor acht Jahren ein Thema

Bereits vor acht Jahren machte die damalige SP-Gemeinderätin und heutige Bezirksrätin Béatrice Miller die Tagesschulen zum Thema im Gemeinderat. Gemeinsam mit zehn Mitunterzeichnern reichte sie eine Motion ein, in der sie die Ausarbeitung eines entsprechenden Konzepts forderte. Zwei Jahre später, 2014, schrieb der Gemeinderat den Vorstoss aber ab.

Bislang stellte sich die Schulpflege stets auf dem Standpunkt, dass das Angebot mit Mittagstischen und Randzeitenbetreuung ausreiche. Der Unterschied zwischen diesem Modell und einer Tagesschule ist, dass bei der Tagesschule Unterricht und Betreuung durch pädagogische, personelle und räumliche Massnahmen verbunden werden.

Die SP werde demnächst eine interne Sektionsversammlung durchführen und das Thema weiter vertiefen, sagt Agusi. «Anschliessend werden wir entscheiden, wie wir dieses Thema politisch angehen wollen.»

«Ob wir eine Mehrheit finden, ist offen»

«Die Schulpflege rät nach wie vor von der Integration einer Tagesschule in eine bestehende Schulanlage ab», sagt Krebs auf die Frage, ob man nun aktiv werde. «Unterschiedliche pädagogische Konzepte unter einem Dach sind für eine Schulleitung schwierig zu handhaben.» Man stehe dem Tagesschule-Modell aber durchaus positiv gegenüber, betont Krebs. «Allerdings nur, wenn dafür ein separates Gebäude zur Verfügung steht und bezüglich der Tarife die Gleichbehandlung aller zu betreuenden Kinder gewährleistet ist.» Und dazu müsste die Politik die Kosten bewilligen, ergänzt sie. Mit dem an einzelne Schulen gebundenen Hort-Angebot sei man für einen Grossteil der Eltern aber auf dem richtigen Weg.

Hat sich das politische Klima in Schlieren seit der Versenkung der Motion 2014 so stark ver­ändert, dass die Tagesschule heute eine Mehrheit fände? Agusi verweist darauf, dass die Stadt seither merklich ge­wachsen ist und die Nachbarn Zürich und Dietikon Tagesschule-Projekte vorangetrieben haben. «Ob wir damit im Parlament eine Mehrheit finden, ist offen. Fest steht aber, dass wir den Anschluss nicht verlieren wollen.»

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