Zürich
Vom Schulzimmer auf die Bühne: Diese beiden Primarlehrer erobern derzeit die Schweizer Albumcharts

Die Hip-Hop-Musiker Merlin Obexer und Jonas Jost haben unter dem Namen Johnny Nabu ihr erstes Album herausgegeben. Im Gespräch erzählen die Jungmusiker von ihren zwei Jobs, einer Reise nach Belgrad und einem Südamerikaner mit psychedelischem Kraut.

Sven Hoti
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«Es war richtige Knochenarbeit»: Das Duo Johnny Nabu – das sind Jonas Jost und Merlin Obexer – freut sich über den Erfolg seiner Début-EP.

«Es war richtige Knochenarbeit»: Das Duo Johnny Nabu – das sind Jonas Jost und Merlin Obexer – freut sich über den Erfolg seiner Début-EP.

Severin Bigler

Ein Album: Viel mehr braucht das Hip-Hop-Duo Johnny Nabu nicht, um die Schweizer Charts zu stürmen. Mit «Liebe Gruess» haben Merlin Obexer und Jonas Jost nicht nur Platz 1 in der Kategorie «CH-Artist Album Charts» erreicht, sondern auch Platz 8 der allgemeinen Albumcharts in der Schweizer Hitparade. Damit lagen die Zürcher eine Zeitlang vor internationalen Musikgrössen wie Maroon 5 oder Dua Lipa – und das bei ihrer ersten Veröffentlichung als Johnny Nabu.

Erschienen ist die EP (englisch für Extended Play, also quasi ein Mini-Album) am 11. Juni. Die sechs Songs darauf bewegen sich musikalisch zwischen Hip-Hop- und Pop-Musik, die Mundart-Texte erzählen aus dem Leben der beiden Artisten. Für den musikalischen Part war Keyboarder Obexer zuständig, die Rap-Texte hat Jost geschrieben. Für die Umsetzung hatten sie zudem den Produzenten und Bassisten der Schweizer Band Pegasus, Gabriel Spahni, an Bord.

Angesprochen auf ihren Erfolg zeigen sich die beiden Jungmusiker zwar erfreut, aber auffällig bescheiden. «Es ist sicher ein sehr schönes Gefühl, zu sehen, das wir eine gute Fanbase haben, die uns unterstützt», sagt Obexer. Dafür hätten sie jedoch auch viel Arbeit in das Projekt gesteckt, meint Jost:

«Wir haben viel Zeit investiert, jeden Tag Leute angerufen und Werbung gemacht. Es war richtige Knochenarbeit.»

Entstanden ist die EP zu grossen Teilen in Obexers 15 Quadratmeter grossem Zimmer. Der 27-Jährige hat sich dort mit einem Computer, Keyboard, Synthesizer, Gitarren und einer Menge Pflanzen eingerichtet. Eine Pflanze soll hier speziell hervorgehoben werden: Sie steht gleich neben dem Schreibtisch auf dem Boden. «Wir nehmen sie an all unsere Auftritte und Videoaufnahmen mit», sagt Obexer. Einen Namen habe sie noch nicht. Jost deutet auf das Namensschildchen am Topf. «Wir haben sie mal mit Johnny Nabu angeschrieben.»

Der Bandname musste einen schönen Klang haben

Wenn Obexer und Jost miteinander sprechen, dann bekommt man den Eindruck, die beiden kennten sich seit ihrer Kindheit. Dabei haben sie erst seit ihrer Zeit an der Pädagogischen Hochschule regelmässigen Kontakt, also seit rund sechs Jahren. Damals suchte Jost für seine alte Band einen Keyboardspieler und nahm Obexer auf. Interne Wechsel in der Band führten allerdings unausweichlich zu deren Auflösung.

Bei einem gemeinsamen Aufenthalt 2019 in Belgrad komponierten die beiden erste Lieder zusammen. Der Song «Nacht» auf der Début-EP war in Belgrad entstanden.

«Wir merkten, dass der Song etwas hatte. Er war mehr als nur ein ‹Wir machen ein bisschen Musik und jammen im Bandraum›»,

erinnert sich der 29-jährige Jost. Weitere Lieder entstanden in Belgrad, und schliesslich war das Duo Johnny Nabu geboren. Doch woher kommt eigentlich der Name?

Die beiden schauen sich verschmitzt an, die Frage hören sie nicht zum ersten Mal. Und ihre Antworten darauf seien nicht immer ganz ehrlich, gesteht Obexer. So habe er etwa auch schon behauptet, sie hätten auf ihrer Südamerikareise einen gewissen Johnny getroffen, der ihnen von einem psychedelischen Kraut namens Nabu erzählt habe. «Totaler Quatsch», gesteht Obexer heute lachend.

Die wahre Geschichte hinter ihrem Bandnamen – so sie denn tatsächlich stimmen mag – ist weitaus weniger spektakulär. «Uns war wichtig, dass der Name einen schönen Klang hat», sagt Jost. Zudem sollte er nach Möglichkeit noch nicht zigfach existieren. Dies habe die Sache nach dem passenden Bandnamen erschwert und in die Länge gezogen.

Musik ist für sie mehr als ein Hobby

Dabei hätten die beiden Musiker eigentlich sonst genug um die Ohren als Musikmachen und sich Namen ausdenken. Denn sie arbeiten nebenbei noch als Lehrer, derzeit vor allem als Stellvertreter an Primarschulen und in Horten. Das geringere Pensum ermögliche ihnen mehr Flexibilität und damit Zeit für die Musik, erklärt der 27-jährige Obexer. «Um Musik zu machen, brauche ich einen freien Kopf. Mit einer 100-Prozent-Stelle wäre das schwierig.»

Dass sich die beiden extra Zeit nehmen für ihre Musik, hat auch damit zu tun, dass sie für sie mehr ist als nur ein Hobby. Ihr Musikerdasein nehmen die beiden ernst, sehr sogar. Jost betont: «Wenn wir etwas machen, wollen wir es so professionell machen wie möglich.» Ziel sei es allerdings nicht, irgendwann von der Musik leben zu können.

«Wir lieben es einfach, Musik zu machen und live aufzutreten. Das gibt uns viel zurück.»

Diese Freiheit fehlte im vergangenen Jahr. Das Proben war aufgrund der Corona-Einschränkungen erschwert, Konzerte lange verboten. Das ist nun vorbei – und das Duo bereit für eine Tournee im Herbst. Sieben Konzerte seien geplant, neue Songs bereits in der Pipeline, sagt Obexer. Bevor sie sich nun wieder in die Arbeit stürzen, wollen sie es aber vorerst entspannt angehen lassen. Obexer: «Jetzt wollen wir zuerst geniessen, dass wir wieder live vor Publikum spielen können.»

Tournee Herbst 2021

Das Hip-Hop-Duo spielt im Herbst eine Tournee mit sieben Konzerten, unter anderem eines am 18. September in der Meierei in Zürich. Weitere Informationen werden auf ihrem Instagram-Account bekanntgegeben. Die Anmeldung erfolgt ebenfalls über ihr Instagram. 

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