Gesundheit
Zecken sind auch in der Stadt unterwegs – Limmattal gehört zum Risikogebiet

Das Limmattal liegt im Risikogebiet für Zeckenkrankheiten. Vor allem junge Menschen lassen sich impfen.

Thomas Mathis
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Zecken schlagen auch in Privatgärten und Stadtparks zu. Dazu gehört beispielsweise auch das Reppischufer in Dietikon.

Zecken schlagen auch in Privatgärten und Stadtparks zu. Dazu gehört beispielsweise auch das Reppischufer in Dietikon.

TAM

Eltern und Hundebesitzer wissen: Wer im Unterholz umherstreicht, sollte sich zu Hause gründlich nach Zecken absuchen, denn die Spinnentiere können allerlei Krankheiten übertragen. Dazu gehören die meldepflichtige Frühsommer-Hirnhautentzündung (FSME) und die Borreliose. Hunde können sich mit Babesiose, der sogenannten Hundemalaria, infizieren. Weil das Limmattal am Rande des Risikogebiets für FSME liegt, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit der hiesigen Bevölkerung, sich dagegen zu impfen.

«Das Bewusstsein über die durch Zecken übertragenen Erkrankungen scheint gestiegen zu sein», sagt die Schlieremer Ärztin Julia Collecutt, Präsidentin des Ärztenetzwerks Zürich-West. Insbesondere junge Erwachsene und Kinder seien oft gegen FSME geimpft. Bei den Personen, die über dreissig Jahre alt sind, hätten besonders jene vorgesorgt, die sich beruflich oft draussen aufhalten, gerne in der Natur Sport treiben oder einen Hund besitzen. Zudem seien es eher die Frauen, die sich gegen die Hirnhautentzündung schützen.

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Prozent der Zeckenopfer werden im Siedlungsgebiet gestochen.

Bevölkerung ist sensibilisiert

Mit der FSME stecken sich rund ein Prozent der gestochenen Personen an. Im Kanton Zürich waren in den vergangenen zehn Jahren jährlich zwischen 13 und 46 Personen wegen FSME in ärztlicher Behandlung. Eine Zunahme der Fälle ist nicht zu sehen. Dennoch scheint die Gefahr, die von Zecken ausgeht, in aller Munde zu sein. «Die Bevölkerung ist im Vergleich zu früheren Jahren viel stärker auf das Thema sensibilisiert», sagt Werner Tischhauser, Projektleiter der biologischen Zeckenbekämpfung an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. Er hat zusammen mit anderen die Smartphone-App «Zecke» entwickelt, mit der die Nutzer Stiche erfassen sowie Ratschläge und Informationen einholen können.

Die Auswertung der Daten der vergangenen zwei Jahre zeigt, dass gut ein Fünftel der Zecken im Siedlungsgebiet zugeschlagen haben, wie die Hochschule in einer Mitteilung schreibt. Da der Einstich aufgrund einer betäubenden Substanz nicht spürbar ist, seien die von den Nutzern erfassten Daten allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Das heisst, den Spinnentieren ist es nicht nur im Wald, sondern in der Stadt wohl, besonders auf wechselschattigen Grünflächen mit genügend Feuchtigkeit. Dort lauern sie auf Büschen und Grashalmen auf potenzielle Wirte.

Ein Zeckenleben: Dreimal Blut, bitte!

Die Zecken werden drei bis sechs Jahre alt. In ihrem Leben durchlaufen sie drei Entwicklungsstadien. In jedem Stadium ernähren sich die Zecken von einer Blutmahlzeit. Sind sie satt, lassen sie sich auf den Boden fallen, um sich zu häuten.

Aus den abgelegten Eiern schlüpfen zuerst Larven, die kleine Wirbeltiere befallen. Daraus werden Nymphen, die auch Menschen stechen. Im dritten Stadium werden sie geschlechtsreif und können während der Blutaufnahme bis zum Hundertfachen ihres Körpergewichts anschwellen. (TAM)

Mehr Stiche bei schönem Wetter

Ob die Zecken in diesem Jahr besonders zahlreich sind, ist wissenschaftlich nicht belegt. «Es fehlen mehrjährige und grossflächige Erhebungen», sagt Tischhauser. Weit einflussreicher sei das Freizeitverhalten der Bevölkerung. «Ist es an den Wochenenden schönes Wetter, sind die Leute eher draussen aktiv», sagt er. Damit steige auch die Wahrscheinlichkeit für einen Zeckenstich. Gleichzeitig verziehen sich die Blutsauger an heissen und sonnigen Tagen in die schützende Vegetationsschicht am Boden. Die Zecken kommen auch mit Kälte zurecht. «Eine Nacht in der Tiefkühltruhe überleben sie problemlos», sagt der Zeckenforscher.

Sticht eine Zecke zu, ist es ratsam, den Blutsauger möglichst rasch mit einer Pinzette gerade herauszuziehen und die Einstichstelle über mehrere Wochen zu beobachten. Ein Arztbesuch ist angezeigt, wenn sich die Rötung an der Stichstelle ausbreitet. Als Schutz sind lange Hosen und geschlossene Schuhe empfehlenswert. Ebenso helfen Anti-Zecken-Sprays. Für Hunde gibt es Mittel, die aufgetragen mehrere Wochen lang wirken.

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