Einheitsgemeinde Urdorf

«Wir sind fit für die gemeinsame Zukunft»: Gemeinde und Schule erörtern die Vorteile

Gemeinde- und Schulvertreter sagen, welche Vorteile die Bildung einer Einheitsgemeinde für Urdorf mit sich bringt.

Am 31. Januar entscheiden die Stimmberechtigten an der Urne unter anderem, ob die Schulgemeinde und die Politische Gemeinde vereint und Urdorf künftig als Einheitsgemeinde geführt wird. Im Coronajahr 2020 haben die beiden Behörden bereits die dafür nötige Gemeindeordnung erarbeitet, die das Stimmvolk nun absegnen kann.

Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP), Schulpräsidentin Irmgard Struchen (CVP), Michael Gerber, Schulleiter der Schule Weihermatt und Präsident der Schulleitungskonferenz, und Patrick Müller, Leiter Stab, machen sich für eine einheitliche Strategie stark.

Was wird sich mit der Einführung der Einheitsgemeinde massgeblich verändern?

Sandra Rottensteiner: Dass die Gemeinde alle strategischen Themen aus einer Hand betreut. Aktuell ist das für alle Bereiche der Fall ausser für die Bildung.

Michael Gerber: Für die Bevölkerung gibt es künftig nur noch eine Anlaufstelle, wenn es um schulische und betreuungstechnische Fragen geht. Derzeit fällt die schulische Kinderbetreuung in die Zuständigkeit der Schulpflege. Für die ausserschulische Kinderbetreuung, die Jugendarbeit sowie die Erwachsenenbildung ist hingegen die Politische Gemeinde verantwortlich.

Irmgard Struchen: Neu würde für das Schulpräsidium explizit eine Präsidentin oder ein Präsident gewählt, die oder der im Gemeinderat sitzt und sich dem Bereich Bildung annimmt. Die Person kann Bildungsthemen im Gemeinderat einbringen und so das Verständnis für diesen Bereich erhöhen.

Patrick Müller: Zudem würde der heutige Leiter der Schulverwaltung zum Bereichsleiter Bildung werden
und damit der Geschäftsleitung der Verwaltung angehören. In Abstimmung mit dem Präsidenten der Schulleitungskonferenz kann er Bildungsthemen neu direkt einbringen.

Wie wirkt sich die Fusion auf die 1108 Schülerinnen und Schüler, die 126 Lehrpersonen und die 90 weiteren Mitarbeitenden der Schule Urdorf aus?

Michael Gerber: Die Bildungsdienstleistung wird durch die Zusammenführung nicht tangiert. Für die Schülerinnen und Schüler wird sich nichts ändern. Ebenso für die pädagogischen Mitarbeitenden wird es keine merkliche Änderung geben. Die Abläufe auf administrativer Ebene wie etwa bei der Belegung der Sporthallen werden leicht anders sein. Auf der Führungsebene wird sich sicher mehr ändern. Wir können mehr aus einem Guss arbeiten und Synergien nutzen. Darauf freue ich mich.

Sandra Rottensteiner: Die Schule Urdorf bleibt die Schule Urdorf. Der Unterricht ist von der Einheitsgemeinde nicht betroffen. Das, was die Bildungsdirektion vorgibt, wird auch weiterhin umgesetzt.

Wo liegen die Vorteile eines gemeinsamen Wegs?

Irmgard Struchen: Die Vernetzung und der bessere Informationsfluss vereinfachen die Arbeit aller. Das habe ich bei der Erarbeitung der Gemeindeordnung im letzten Jahr gemerkt. Der Prozess hat Schule und Gemeinde bereits zusammengeschweisst. Es wäre schön, wenn es dank der neuen Gemeindeordnung mit verbindlich definierten Strukturen weiter geht.

Sandra Rottensteiner: Die Schulpflege wird auf der operativen Ebene entlastet und kann sich auf die bildungstechnischen Aufgaben konzentrieren. Wir denken, dass dadurch die Ämter attraktiver werden und es in Zukunft einfacher wird, die Positionen erfolgreich mit Milizpolitikerinnen und -politikern zu besetzen. Zudem kommen wir so den Forderungen der Stimmbürger nach und auch dem Bedürfnis der Schulpflege nach einem gemeinsamen Weg. Vor fünf Jahren war das noch nicht der Fall. Eine Gemeinde mit einer Strategie zu haben, zu der auch die Bildung zählt, das würde mich stolz machen für Urdorf.

Michael Gerber: Bei Bauprojekten musste ich mich bisher als Schulleiter mit bautechnischen Fragen auseinandersetzen, obwohl ich nicht vom Fach bin. Das gleiche galt für den Liegenschaftenvorstand der Schulgemeinde. Als Einheitsgemeinde können wir auf ganz viele Ressourcen und Fachleute im Bereich Liegenschaften und Infrastruktur setzen und davon profitieren. Das hat den Vorteil, dass wir uns der Führung der Schule widmen können.

Patrick Müller: Die Einheitsgemeinde ermöglicht einen strategischen Gesamtblick und den Fokus auf eine zukunftsorientierte Bildungsdienstleistung. Dadurch ergibt sich eine qualitative Verbesserung des Gesamtangebots der Gemeinde.

Gibt es denn überhaupt Nachteile?

Irmgard Struchen: Ich war früher eine Gegnerin der Einheitsgemeinde, weil ich einen Autonomieverlust der Schule befürchtete. Die Schulpflege hat aber ein Antragsrecht an der Gemeindeversammlung und kann sich so wehren, falls sie nicht derselben Meinung ist wie der Gemeinderat. Auch die finanzielle Transparenz ist nach wie vor gegeben. Die Vorteile der Einheitsgemeinde überwiegen.

Mit der Einführung der Einheitsgemeinde sind die Herausforderungen der Schule wie etwa der knappe Schulraum und die Sanierungen der Liegenschaften jedoch nicht gelöst.

Sandra Rottensteiner: Das ist klar. Die Herausforderungen vor allem hinsichtlich der Raumplanung bleiben bestehen. Doch die neuen Ressourcen und die Freude an der Zusammenarbeit helfen, diese Probleme anzupacken und zu lösen.

Die vorberatende Gemeindeversammlung am 2. Dezember 2020 fiel aufgrund der Corona-Situation aus. Wie stellen Schule und Gemeinde die Meinungsbildung sicher?

Patrick Müller: Aus Gründen des Gesundheitsschutzes, vor allem aber auch, um keine Bevölkerungskreise und damit insbesondere auch Risikogruppen in ihren politischen Rechten zu beschneiden, haben Gemeinderat und Schulpflege beschlossen, auf die Gemeindeversammlung zu verzichten. Nichtsdestotrotz haben wir während des Erarbeitungsprozesses eine Vernehmlassung bei den Ortsparteien und der Rechnungsprüfungskommission (RPK) durchgeführt und die Meinungen einfliessen lassen. Die Einführung einer Einheitsgemeinde wurde durch alle Stellungnahmen unterstützt.

Sandra Rottensteiner: Zudem haben wir eine Weisung für die Urnenabstimmung zusammengestellt, welche die Stimmberechtigten in den nächsten Tagen erhalten und die wir auch auf der Gemeindewebsite veröffentlicht haben. Wer zudem noch vertieft Auskunft möchte, kann sich für Rückfragen via E-Mail direkt an die Schulpräsidentin und mich wenden. Ich glaube daher, dass der Verzicht auf die vorberatende Gemeindeversammlung nicht als ein Verlust aufgefasst werden sollte.

Was passiert bei einem Ja, was bei einem Nein an der Urne?

Patrick Müller: Wenn die Stimmberechtigten das Geschäft genehmigen, dann tritt die Einheitsgemeinde am 1. Januar 2022 in Kraft. Der Gemeinderat und die Schulpflege werden nach der Abstimmung in diesem Jahr weitere Vorbereitungen treffen und bereits ein gemeinsames Budget 2022 erstellen, als gute Grundlage für den Start als Einheitsgemeinde. Bei einem Nein werden beide Güter ihre separaten Gemeindeordnungen aktualisieren und getrennte Wege gehen.

Sind Schule und Gemeinde zuversichtlich, dass das Stimmvolk das Geschäft annimmt?

Michael Gerber: Aufgrund der positiven Rückmeldungen der Parteien und der RPK ist ein Ja zu erwarten. In der Schule selbst ist die Einheitsgemeinde momentan kein Thema, wir haben wegen Corona anderes, worum wir uns kümmern müssen.

Sandra Rottensteiner: Beide Gremien stehen hinter diesem Schritt und auch der Rückhalt der Parteien, der RPK und vieler Bürgerinnen und Bürger ist da. Wir haben alles gut aufgegleist und sind fit für eine gemeinsame Zukunft, daher bin ich positiv eingestellt.

Irmgard Struchen: Ich spekuliere nicht gerne, doch angesichts des Feedbacks kann ich die Aussage von Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner unterstreichen.

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