Coronavirus

Wieder auswärts essen: Mit dieser Einstellung blicken Limmattaler Wirte auf die nächsten Wochen

Die neuen Massnahmen schreiben Sitzplätze für alle vor: Das hielt den Wirt von der Wiedereröffnung ab.

Die neuen Massnahmen schreiben Sitzplätze für alle vor: Das hielt den Wirt von der Wiedereröffnung ab.

Ab nächster Woche dürfen Limmattaler Wirte wieder Gäste empfangen. Doch nicht alle sind froh darüber.

Mit geöffneten Cafés und Restaurants soll der Schweiz ab dem 11. Mai ein Stück Normalität zurückgegeben werden. Doch nicht alle Wirte freuen sich über die wiedergewonnene Freiheit. Denn obwohl die aufgrund der Coronakrise verordneten Verbote gelockert werden: So wie früher wird es wohl noch lange nicht mehr sein.

Das Restaurant Sommerau-Ticino in Dietikon wird ab nächster Woche wieder Gäste empfangen. Doch um die Gäste vor Corona zu schützen, müssen alle Gastrobetriebe zwei Meter Abstand zwischen den Tischen lassen und dürfen maximal Vierertische anbieten. «Wenn wir die verordneten Massnahmen umsetzen, können wir etwa 60 Gäste aufnehmen. Normal hätten wir Platz für 120 Personen», sagt Chiara Frapolli , Geschäftsführerin der Sommerau.

Trotzdem sie mit einigen Gästen rechnet, bezieht ein Grossteil der Mitarbeiter auch nach der Wiedereröffnung noch Kurzarbeit. «Wir warten die aktuelle Entwicklung ab», sagt Frapolli. Zur Zeit erhält sie viele Anrufe von Leuten, die gerne reservieren wollen - auch für sechs bis acht Personen. «Das können wir so entgegennehmen, doch die Leute müssen an getrennten Tischen mit zwei Meter Abstand sitzen. Das ist vielen nicht bewusst», sagt sie.

Das Hotel Sommerau war während der Krise geöffnet und meist zu einem Viertel belegt, normal wäre in dieser Zeit eine Auslastung von 60 Prozent. «Wir hatten das Glück, dass wir viele Gäste von umliegenden geschlossenen Betrieben akquirieren konnten», sagt Frapolli. Sie eröffnete zudem kurzerhand einen Lieferservice und Take-away. Dieser wird vorerst auch noch weiterbestehen. Frapolli freut sich zudem das Restaurant ab Montag wiederzueröffnen. «Wir hoffen bald wieder mehr Leben im Haus zu haben und unbeschwerte Momente im Restaurant zu erleben.»

Die Zeus-Bar bleibt vorerst geschlossen

Eine weitere Massnahme die den Wirten auferlegt wurde ist, dass alle Gäste sitzen müssen. «Das ist einfach nicht das Zeus», sagt Stefan Schmucki. Der Wirt der Zeus-Bar in Dietikon beschloss, die Bar auf weiteres geschlossen zu lassen. Es lohne sich für ihn nicht, den ganzen Betrieb hochzufahren und die Massnahmen umzusetzen, bei denen viel Platz verloren gehe. «Dabei weiss ich bereits, dass Vieles schwierig zu handhaben sein wird. Was sollte ich beispielsweise mit den Rauchern machen, die draussen stehen?», sagt er.

Momentan bezieht Schmucki weiter Kurzarbeit für seine Mitarbeiter und wartet ab. «Ich habe immer noch genug zu tun mit Renovationsarbeiten und der Personalplanung», sagt er. Auch wenn sich die Situation für ihn noch nicht gelöst hat, so freut er sich doch, dass die Massnahmen gelockert wurden und er mit der Kurzarbeit einen Ausweg für die Situation fand.

Ab dem 8. Juni soll die Zeus-Bar wieder aufgehen. Der Wirt möchte die Wiedereröffnung aber erst einmal mit verkürzten Öffnungszeiten beginnen. Denn auch wenn die Massnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus weiter gelockert würden, so rechnet er noch lange nicht mit dem Normalzustand. «Für mich wird es wie ein Neustart sein. Auf alle Fälle wird es anders als wir es bisher gekannt haben», sagt Schmucki. Aus finanzieller Sicht rechnet er auch nach der Wiedereröffnung mit massiven Umsatzeinbussen. Denn obwohl viele einen Ausgangs-Nachholbedarf hätten, so sei doch bei manchen eine grosse Angst zu spüren.

Widerwillige Eröffnung der Leon Café Bar

Die Leon Café Bar in Schlieren öffnet am nächsten Montag wieder. «Doch wir tun es widerwillig», sagt George Ilter. Der Wirt bezweifelt, dass die Leute soweit sind, ihre Angst vor dem Virus zu überwinden und nach draussen zu gehen. Zudem hat er ausgemessen, dass er nur einen Fünftel der Gäste aufnehmen kann, wenn er zwischen allen Tischen zwei Meter Abstand freihält. Die Raucherlounge sowie das Shisha-Angebot wird er voraussichtlich gar nicht anbieten. So hat die Wiedereröffnung für ihn einige Nachteile, trotzdem er seine Gäste sehr vermisst. «Lieber hätte ich noch zwei Wochen länger gewartet und dafür weniger Vorschriften gehabt», sagt Ilter. Die Angestellten der Leon Café Bar beziehen weiter Kurzarbeit. «Normalerweise haben wir in dieser Zeit zwei zusätzliche Angestellte, doch nun werde nicht einmal ich hundert Prozent arbeiten», sagt der Wirt.

Das Café Plaza in Dietikon funktionierte in den letzten Wochen als Take-away, so konnte das Wirtepaar einen Teil der Fixkosten decken. Ab nächstem Montag bietet das Restaurant auch wieder Sitzplätze an. Das freut die Wirtin: «Wir haben das Glück, dass wir ein grosses Lokal haben, so können wir ein wenig mehr als die Hälfte der normal verfügbaren Plätze gebrauchen», sagt Dolores Illi.

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