Weiningen
Kindergarten Föhrewäldli wurde nochmals teurer: Das Projekt in der Fahrweid soll dem Gemeinderat eine Lehre sein

Die Gemeindeversammlung genehmigte die Jahresrechnung 2020 und alle Kreditabrechnungen. Einen Schlussstrich konnte der Gemeinderat zudem unter die Erweiterung des Kindergartens Föhrewäldli ziehen – jedoch nicht, ohne vorher noch Kritik einstecken zu müssen.

Sibylle Egloff
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Der Kindergarten Föhrewäldli und die Mietwohnungen oberhalb wurden im Januar 2019 fertiggestellt.

Der Kindergarten Föhrewäldli und die Mietwohnungen oberhalb wurden im Januar 2019 fertiggestellt.

Sibylle Egloff

Grillpartys und EM-Spiele machten der Weininger Gemeindeversammlung am regnerischen Donnerstagabend keine Konkurrenz. Nichtsdestotrotz fanden sich lediglich 39 Stimmberechtigte im Quartierzentrum Föhrewäldli in der Fahrweid ein. Diese bewilligten die fünf traktandierten Geschäfte: vier Kreditabrechnungen und die Jahresrechnung 2020.

Für Diskussionen sorgte einzig die Kreditabrechnung zur Erweiterung des Kindergartens Föhrewäldli in der Fahrweid. Der Neubau wurde im Januar 2019 fertiggestellt. Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) präsentierte den Anwesenden eine Kostenüberschreitung von 346'000 Franken. Das Projekt kostete insgesamt 7,44 Millionen Franken. Ausgegangen war man von einem Betrag von 7,10 Millionen Franken. Nicht das erste Mal, dass während dieses Projekts eine Punktlandung ausbleibt. Mehrmals mussten Anpassungen vorgenommen und zusätzliche Kredite gesprochen werden.

Planungsfehler führten zu Anpassungen

Die Weininger Stimmberechtigten bewilligten an der Urne im Juni 2016 einen Kredit von 5,3 Millionen Franken für die Erweiterung des Kindergartens mit der Aufstockung des Gebäudes für die Realisierung von Mietwohnungen an der Brunaustrasse. Aufgrund von Planungsfehlern, wie etwa einer zu geringen Raumhöhe und fehlendem natürlichem Licht, musste im Mai 2017 an einer Gemeindeversammlung ein Zusatzkredit von 1,34 Millionen Franken beantragt werden. Doch damit nicht genug. Es folgten drei Ergänzungskredite unter anderem für den Ausbau und die Ausstattung eines vierten Kindergartens sowie für die Einrichtung von Büroräumen für den Schulpsychologischen Dienst rechtes Limmattal und für den Anschluss des Quartierzentrums an die Limeco-Fernwärme.

«Anlässlich der Gemeindeversammlung vom 4. Mai 2017 wurde der Beizug einer Bauherrenvertretung verlangt, was letztlich zu Mehrausgaben von 130'000 Franken führte. Zudem mussten Eingangstüren in den Obergeschossen verschoben und zusätzliche Fenster erstellt werden. Und auch das Elektrotableau für die neue Fotovoltaikanlage auf dem Flachdach des Quartierzentrums musste erweitert werden», begründete Gemeindepräsident Okle die Kostenüberschreitung. Er zeigte sich trotz der leidigen Vorgeschichte zufrieden mit der Realisierung des Neubaus. «Das Bauprojekt konnte wie geplant durchgeführt werden und vermag den gestellten, qualitativ hohen Ansprüchen bestens zu genügen.»

Von Anfang an ein realisierbares Projekt vorlegen

Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) empfahl den Stimmberechtigten, die Kreditabrechnung gutzuheissen. Aktuar Tony Ryf richtete dennoch vor der Abstimmung einige mahnende Worte an den Gemeinderat:

«Ich hoffe, dass uns diese Geschichte eine Lehre für die Zukunft sein wird, sodass wir solche grossen Projekte besser und vor allem mit Fachleuten, die das nötige Know-how haben, planen.»

Der Gemeindeversammlung müsse von Anfang an ein Projekt vorgelegt werden, das realisierbar sei, so Ryf. Diese Kritik unterstrich auch ein Votant. Er bemängelte, dass einige Anpassungen beim Ausbau des vierten Kindergartens den Verantwortlichen bereits früher bekannt gewesen seien und somit schon im Zusatzkredit und nicht erst in den Ergänzungskrediten hätten berücksichtigt werden sollen.

Künftig auf lokale Planer und Unternehmen setzen

Ein anderer Stimmbürger machte beliebt, künftig mit Planern und Bauleitungen aus Weiningen und Umgebung zu arbeiten und nicht mehr auf Generalplaner und -unternehmen zu setzen. Er verwies dabei auf die erfreulichen Resultate der anderen Kreditabrechnungen.

So resultierte für den Umbau des ehemaligen Postgebäudes an der Regensdorferstrasse 4 und die darin erfolgte Einrichtung einer Filiale der Gemeindeverwaltung jeweils eine Kostenunterschreitung von 49'000 beziehungsweise 16'000 Franken. Geld sparte die Gemeinde zudem bei der Provisoriumsbaute des Kindergartens Föhrewäldli, in welcher die Kinder während der Bauarbeiten für das neue Gebäude unterrichtet wurden. Die Kosten wurden um 109'000 Franken unterschritten und liegen bei insgesamt 370'000 Franken.

Positiv fiel auch die Jahresrechnung 2020 aus. Dank fast 1 Million Franken mehr Steuererträgen als erwartet schliesst sie mit einem Plus von 850'000 Franken. Dies bei einem Aufwand von 25,88 Millionen Franken und einem Ertrag von 26,73 Millionen Franken. Veranschlagt war ein Minus von 700'000 Franken.

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