Sozialhilfe

Wegen Corona: Anzahl Schlieremer Sozialhilfegesuche stieg im Frühling stark

Die Anzahl der aufgenommenen Sozialhilfefälle pro Monat betrug im Jahr 2019 zwölf. Im März und April dieses Jahres war der Wert jeweils 40 und 39. (Symbolbild)

Die Anzahl der aufgenommenen Sozialhilfefälle pro Monat betrug im Jahr 2019 zwölf. Im März und April dieses Jahres war der Wert jeweils 40 und 39. (Symbolbild)

In Schlieren sind im März und April viermal mehr Gesuche als üblich eingegangen. Andere Gemeinden verzeichnen geringere Anstiege, erwarten aber spätestens 2022 höhere Kosten.

Die Zahl der Sozialhilfegesuche haben sich im März und April in Schlieren vervierfacht: 40 und 39 Neu- und Wiederaufnahmen von Fällen in der Sozialhilfe sind damals in der ersten Coronawelle registriert worden, wie der Stadtrat auf eine Kleine Anfrage von FDP-Gemeinderat Daniel Frey festhält. Im Jahr 2019 hatte der monatliche Durchschnittswert zwölf Fälle betragen. Auch im Januar und Februar 2020 wurden noch keine höheren Werte verzeichnet, wie der Stadtrat schreibt. Nach der Spitze im März und April habe sich die Zahl der Fälle zwar wieder auf etwas tieferem Niveau stabilisiert; doch von Mai bis Juli wurden durchschnittlich 28 Fälle neu- oder wiederaugenommen. Der Grund für diese ­leichte Fallabnahme sei, dass Sozial­hilfebeziehende vermehrt wieder einer Erwerbstätigkeit nachgehen können, da sich der Arbeitsmarkt, wenn auch nur leicht, entspanne.

Der Stadtrat betont jedoch, dass die Aufnahme eines Falles nicht zwingend einem Anspruch auf Sozialhilfe gleichkomme. Weil die Stadt unter Umständen nicht zuständig sei, würden auch Gesuche abgewiesen. Zudem hätten unabhängig von der Pandemie auch Fälle abgeschlossen werden können. Die Anzahl Fallabschlüsse sei etwa auf gleichem Niveau wie in denselben Monaten des Vorjahres.

Frey wollte zudem wissen, ob der Kanton Zürich den Gemeinden, die von einem durch die Coronapandemie bedingten Anstieg der Sozialkosten betroffen sind, in irgendeiner Weise unterstützt. Eine solche Hilfe sei vom Kanton nicht vorgesehen, schreibt der Stadtrat.

Wie es mit der Entwicklung der Fallzahlen weitergehe, hänge stark vom Verlauf der Pandemie ab, schreibt der Stadtrat. «Die Abteilung Soziales geht davon aus, dass sich die Zahl der Neu- und Wiederaufnahmen in den nächsten Monaten auf erhöhtem Niveau stabilisieren wird und die Zahl der abgeschlossenen Fälle etwa gleich bleibt.» Steige die Arbeitslosigkeit in nächster Zeit, wäre in etwa anderthalb bis zwei Jahren mit mehr ausgesteuerten Personen zu rechnen und dementsprechend mit mehr Anträgen auf Sozialhilfe, heisst es weiter.

Anstieg und Rückgang in Dietikon

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Dietikon. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurden 50 beziehungsweise 59 Neu- oder Wiederanmeldungen bei der Sozialhilfe registriert. Im März folgte ein sprunghafter Anstieg auf 74 Fälle. Ab April haben sich die Fallzahlen wieder zwischen 51 und 59 eingependelt.

Eine Unterschreitung dieses Wertes wies der August mit 39 Fällen auf. Sozialvorstand Philipp Müller (FDP) erklärt sich die rasante Abnahme damit, dass diverse Hilfsinstrumente wie Kurzarbeit oder Erwerbsersatz ab März zunehmend ausgebaut wurden. «Die Abnahme der Anfragen zeigt, dass einerseits andere Instrumente griffen und die Personen an diese Stellen verwiesen werden konnten», sagt Müller. In den nächsten Jahren erwartet er jedoch eine deutliche Fallzunahme, da die Wirtschaft durch die Pandemie erheblich geschwächt wurde.

Für die Präsidentin der Limmattaler Sozialvorständekonferenz und Geroldswiler Sozialvorsteherin Veronika Neubauer (SVP) sind diese Zahlen kein Grund zur Beunruhigung. Denn, über die Region verteilt, habe sich zwar ein leichter, aber kein markanter Anstieg bemerkbar gemacht – zumindest noch nicht. Aber wie Müller und der Schlieremer Stadtrat verweist sie darauf, dass in zwei Jahren mit einem Anstieg von Sozialfällen gerechnet werden müsse. «Für 2021 budgetiert Geroldswil keine Mehrausgaben im Sozialbereich. Aber für 2022 wird dies sicher gemacht.» Andere Präventionsmassnahmen würden der Sozialabteilung nicht zur Verfügung stehen.

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