Schlieren

Warum der Chef vom Stürmeierhuus jetzt Bio-Hundefutter herstellt

Thomas Unger setzt auf Bio-Futter für Hunde. Denn immer mehr Hündeler wollen Qualität beim Essen für den Vierbeiner, sagt er.

Thomas Unger setzt auf Bio-Futter für Hunde. Denn immer mehr Hündeler wollen Qualität beim Essen für den Vierbeiner, sagt er.

Thomas Unger vom Stürmeierhuus bekämpft mit Bio-Hundeguetzli die Lebensmittelverschwendung.

Getrocknete Rinderniere, Rinderherz, Rindermilz, Rinderlunge und Hühnerleber stehen in braunen Tüten vor Thomas Unger. Der Wirt des Stürmeierhuus in Schlieren verkauft diese Fleischabfälle als Bio-Leckerli für Hunde. Unger hatte bereits einige Start-up-Ideen. Doch über zwei Sitzungen hinaus sei die Realisierung nie gegangen. Bei dieser Idee sei es aber anders gewesen: Noch während einer Reise nach Südamerika haben Unger und seine Freundin am Start-up mit dem Namen «BioFlio» gearbeitet.

«Vom Strand aus organisierten wir die Fotoshootings in der Schweiz und entwickelten die Website», sagt Unger. Nun ist diese bereits seit zwei Monaten in Betrieb. Dieser Monat laufe besser als der erste, doch das Coronavirus hemme das Geschäft. «Ohne das Virus hätten wir wahrscheinlich mehr verkauft», sagt Unger. Dank Facebook erreicht «BioFlio» trotzdem weit entfernte Hündeler. Die ersten Bestellungen seien aber von Bekannten eingegangen. «Wir sind die einzigen in unserem Freundeskreis, die keinen Hund haben, dafür hüten wir jeweils die Hunde unserer Freunde», sagt Unger.

Die Bio-Leckerli sind als Belohnung und nicht als Futter gedacht. Als Mahlzeit wären sie wohl auch zu teuer. Tierheime verzichten vorerst noch auf das Premium Bio-Futter, doch Hunde-Coiffeure machen bereits Werbung für die getrockneten Innereien. «Da sie keine Zusatzstoffe enthalten, sind sie bei einigen Tierhaltern besonders beliebt», sagt Unger. In der Schweiz gebe es bislang nur wenige ähnliche Produkte. Die Nachfrage sei aber da: Nachdem es beim Essen für Menschen einen Bio-Trend gab, wollten auch Hündeler qualitatives Essen für ihre Vierbeiner. «Es kommt nicht mehr alles Futter in Frage», sagt Unger.

Von der Kadaverstelle gerettete Innereien

Die Hundekekse sollen einerseits eine Marktlücke füllen und andererseits den Lebensmittelabfall vermindern. «Wir sind eine Filet-Verzehr-Gesellschaft geworden», sagt Unger. Das erfährt der Wirt täglich. Das Fleisch für die Hundeguetzli stammt vom Bauernhof der Familie von Ungers Freundin in Samstagern. Dort werden die Happen klein geschnitten, getrocknet und verpackt. Das Ziel sei, künftig alle Innereien der Tiere, die auf dem Hof ­geschlachtet werden, zu Hundeguetzli zu verarbeiten und zu verkaufen.

Doch davon ist Unger noch weit entfernt. «Momentan brauchen wir rund einen Fünftel der Innereien. Der Rest geht in die Kadaverstelle», sagt er. Dass er künftig das Sortiment erweitern wird, schliesst er nicht aus. «Wir haben beispielsweise auch Anfragen für Knochen erhalten. In diesem Fall müssten wir uns noch überlegen, wie wir diese verarbeiten könnten», sagt Unger. Momentan warte er jedoch erst einmal darauf, dass sich das Sortiment der getrockneten ­Innereien als Leckerli bei den Hunden und ihren Haltern ­etabliert.

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