Maskenpflicht

Verändert die Maskenpflicht das Kaufverhalten? Die Ladenbesitzer gehen unterschiedlich mit der neuen Regel um

Malaika Weber, Inhaberin des Schmuckladens Lieblingsstück, sieht in der neuen Maskenpflicht eine Herausforderung.

Malaika Weber, Inhaberin des Schmuckladens Lieblingsstück, sieht in der neuen Maskenpflicht eine Herausforderung.

Die Limmattaler Ladenbesitzer zeigen Verständnis für die neu geltende Maskenpflicht, aber einige befürchten einen weiteren Umsatzrückgang.

Wer ab heute im Limmattal einkaufen geht, muss eine Schutzmaske tragen. So sieht es die bis Ende September geltende kantonale Regelung vor. In der Region wird dies unterschiedlich aufgenommen. «Ich komme jetzt noch vorbei, morgen gilt ja die Maskenpflicht», sagte eine Kundin gestern zu Malaika Weber. Sie führt ihren Schmuckladen Lieblingsstück an der Dietiker Bahnhofstrasse.

Der Satz spiegelt das wider, was Weber befürchtet hatte. «Für mich ist klar, dass sich die Anzahl der Kunden mit der Maskenpflicht dezimieren wird», sagt sie. Besonders ältere Menschen würden die Einkaufsläden vermehrt wieder meiden. Die Maskenpflicht schüre Ängste. Aber es sei besser als ein erneuter Lockdown. Sie stelle sich nun der Herausforderung mit der Maskenpflicht. Sie findet aber, dass kein «Kantönligeist» herrschen solle. «Die Kantone sollten alle die gleichen Pflichten haben», sagt Weber.

Die Maskenpflicht sei knifflig. Sie habe das Glück, dass Ihr Lokal relativ gross sei, womit auch die Abstände eingehalten werden können. «Wir verschenken auch Masken und haben unser Lager aufgestockt», sagt sie. Das sei für sie kein Thema. Vor der Zwangsschliessung habe sie sehr gute Zahlen geschrieben. «Wir haben treue Stammkunden und ein gutes Repertoire», sagt sie. «So konnten wir ein gutes Polster anlegen und das hilft uns über diese schwierige Zeit hinaus.»

Eine besondere Maske soll zum Schmunzeln bringen

«Wir haben uns kurz vor diesem kantonalen Beschluss bereits intern entschieden, dass wir eine Maske anziehen werden», sagt Corinne Frischknecht, Inhaberin der Buchhandlung Scriptum. «Wir bilden Lehrlinge aus und da kann die Abstandsregelung manchmal nicht eingehalten werden.» Sie erwarte von den Kunden keinen grossen Widerstand. «Gratismasken werden wir nicht anbieten», sagt sie. Man könne aber zur Not eine kaufen. «Wir versuchen, das Ganze mit Humor zu nehmen.» Deshalb seien für die Mitarbeiterinnen Stoffmasken mit dem Spruch «Wir tragen Bücher, ähm, Masken» in Produktion. Dies werde hoffentlich zum Schmunzeln anregen, sagt Frischknecht. Sie wolle nicht Polizistin spielen. Es sei nicht so einfach, Kunden, die sich nicht daranhalten, wegzuweisen. «Ich vermute, dass die Maskenpflicht auch in den Läden zu einer Selbstverständlichkeit wird.»

Bernadette Berweger und Corinne Frischknecht spielen im Scriptum nicht den Polizist.

Bernadette Berweger und Corinne Frischknecht spielen im Scriptum nicht den Polizist.

«Wir bedauern diesen Schritt», sagt Thomas Tiefenbacher, Geschäftsführer der Schuhhaus Tiefenbacher AG und Vorstandsmitglied des Dietiker Industrie- und Handelsvereins. Die Einhaltung der Maskenpflicht sei für die Kunden und für das Personal mühsam. «Wir haben nach dem Lockdown ein Schutzkonzept erarbeitet», sagt er. Das habe problemlos funktioniert und sei konsequent umgesetzt worden.
«Wenn wir beim Bedienen die Distanz nicht einhalten konnten, dann haben wir sowieso eine Maske getragen», sagt Tiefenbacher. Diese neue Massnahme sei deshalb eher unnötig und halte die Kundschaft erneut von den Läden fern. «Wir werden wieder Kunden an den Onlinehandel verlieren.»

Die Maskenpflicht sei besser als ein erneuter Lockdown. Dieser Meinung ist auch Andreas Jakob, Inhaber des Veloladens Stöckli Bike in Geroldswil. «Ich habe mit der Maskenpflicht im Kanton gerechnet», sagt er. Es sei für ihn auch nur eine Frage der Zeit, bis weitere Kantone folgen werden. Die Umsetzung sei in seinem Lokal kein Problem. «Unser Laden ist nicht all zu gross, deshalb haben wir auch immer einen guten Überblick», sagt er. Er hoffe aber, dass die Maskenpflicht bei der Kundschaft nicht auf Widerstand stosse. «Wir stellen Masken im Notfall für einen Franken zu Verfügung», sagt er. «Ich bin nicht ein Fan davon, aber es geht schliesslich um die Gesundheit.» Das habe für ihn Priorität.

Die Verantwortung liegt bei den Betreibern

Die Gesundheit als oberste Priorität betont auch Coop-Sprecher Patrick Haefliger. Coop und Migros stellen ähnliche Regelungen für die Einhaltung auf. So gibt es bei beiden kein zusätzliches Personal, um Kontrollen beim Eingang durchzuführen. Zudem stellen beide bei Bedarf Einzelmasken für 50 Rappen zum Kauf zur Verfügung. «Das Personal werde Kundinnen und Kunden, die keine Maske tragen, auf die Maskenpflicht ansprechen», sagt Haefliger weiter. «Möchten die Kundinnen und Kunden keine Maske anziehen, bitten wir sie, die Verkaufsstelle zu verlassen.» Zudem werden Plakate mit dem Hinweis auf die Maskenpflicht vor den Läden aufgestellt. Ähnlich klingt es auch bei der Migros. «Wir werden Kundinnen und Kunden auf die Maskentragpflicht aufmerksam machen», sagt Migros-Sprecher Marcel Schlatter. Sabine Schenker, Sprecherin von Coop Pronto, verneint ebenfalls eine Kontrolle beim Eingang. Allerdings liege die Verantwortung für die Umsetzung eines Schutzkonzepts inklusive der Maskenpflicht in den entsprechenden Kantonen bei ihren Franchisepartnern.

Doch wer ist eigentlich für die Einhaltung verantwortlich? «Für die Maskenpflicht in Läden ist, analog zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, der Betreiber der Infrastruktur zuständig», sagt Andreas Melchior, Sprecher der kantonalen Staatskanzlei. «Wenn dieser polizeiliche Hilfe benötigt, kann er solche über die Notrufnummer anfordern.» Die Ladenbesitzer würden aber nicht gebüsst. «Über allfällige Bussen für Kunden ­befinden, gestützt auf das Epidemiengesetz, die Statthalterämter», sagt er. Aber es werden keine spezifischen Kontrollen wegen der Maskenpflicht durchgeführt. «Die Schutzkonzepte werden im Rahmen der bisherigen intensiven Kontrollen von den zuständigen kantonalen Stellen überprüft.»

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