Urdorf
Tabea Vogel bringt neue Songs mit Retro-Radio unter die Leute – und unterstützt das Schweizerische Rote Kreuz

In der Pandemie arbeitete die Musikerin an ihrer neuen EP und beschäftigte sich dabei auch mit dem Weltgeschehen. Nächsten Freitag erscheint «Arrive» mit einer speziellen Verpackung.

Carmen Frei
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Am 9. Juli erscheint die neue EP von Tabea Vogel. Der EP-Titel «Arrive» hat für sie eine ganz besondere Bedeutung.

Am 9. Juli erscheint die neue EP von Tabea Vogel. Der EP-Titel «Arrive» hat für sie eine ganz besondere Bedeutung.

zvg/Natalie von Harscher

Vieles stand in der Coronapandemie still. Nicht so die Kreativität von Tabea Vogel. Die Musikerin konnte sich im Gegensatz zu früher mehr auf ihre neuen Lieder konzentrieren. Zuvor war die Sängerin zudem mit der Frauengruppe Härz noch voll eingespannt. Die sechsköpfige Mundart-Pop-Band forderte die Urdorferin. Mit der Gruppe gewann sie 2019 auch einen Swiss Music Award. «In dieser Zeit habe ich selbst nichts herausgebracht», sagt Vogel.

Offiziell hatte sich die Gruppe erst vor gut einem Jahr aufgelöst. «Als die Arbeit mit ‹Härz› weg war, hatte ich mehr Zeit. Und plötzlich spürte ich den Drang, dass ich auch wieder selbst etwas machen will», sagt die 41-Jährige. Bereits im vergangenen Jahr sind zwei neue Songs von ihr erschienen. Im November 2020 veranstaltete sie zudem Studio-Sessions in ihrem Fotostudio in Altstetten. Vogel ist nämlich hauptberuflich Fotografin.

Verschiedene Klänge und Themen warten auf der neuen EP

Auf der neuen EP «Arrive» sind nun insgesamt fünf Songs, die sie geschrieben hat. «Läbe» und die englische Version «Life» sind bereits erschienen, das Bluesrock-Stück «Let Me» wird zeitgleich mit der EP erscheinen. Ausserdem sind auf dem Mini-Album die Titel «Arabic Night», für den sie mit einem arabischen Sänger zusammengearbeitet hat, «Chérie» und ein Überraschungstrack.

«‹Chérie› ist fast ein wenig jazzig. Er ist sehr einfach und direkt, ein richtiger Herbstsong», sagt Vogel. Die Single dazu wird im Oktober erscheinen. «Arrive» ist die zweite Solo-EP von Tabea Vogel nach dem Debütalbum «Singing Bird», das 2014 erschienen ist.

Ein Titel mit Bedeutung

Der Name der EP ist gleich auf mehrere Arten zu verstehen. «Einerseits musste ich in der Schulzeit oft zügeln. Ich hatte das Gefühl, dass ich nie irgendwo angekommen war», erklärt Vogel. Sie wuchs im Berner Oberland auf und zog danach unter anderem ins Zürcher Oberland und nach Graubünden. «Andererseits ist da mein Mann, der alles hinter sich gelassen hat.» Tabea Vogel hatte Ahmed Omara 2014 im Ägypten-Urlaub kennen gelernt, 2015 folgte er ihr in die Schweiz. Inzwischen leben sie zusammen mit ihren zwei Kindern in Urdorf.

«Er hat das nie so geplant. Er hatte in Ägypten und danach in Doha in Katar einen super Job», sagt Vogel. Als er in die Schweiz kam, war die Flüchtlingskrise auf einem Höhepunkt und in aller Munde. «Er konnte einfach ins Flugzeug steigen und zu mir kommen», sagt Vogel. Dass dies für andere bis heute nicht möglich ist, beschäftigt sie.

«Wenn man die Zahlen anschaut, sind im Moment so viele Leute auf der Flucht wie noch nie»,

sagt Vogel. «Die Flüchtlingskrise ging in der Pandemie vergessen. Die Berichterstattung hat aufgehört. Aber das Problem bleibt weiterhin bestehen», sagt sie. Dabei würden auch immer wieder Familien getrennt.

«Es kann nicht sein, dass man Familien auseinanderreisst», findet Vogel. Einen Teil der Einnahmen aus dem EP-Verkauf spendet sie darum an das Programm für Flüchtlingsfamilienzusammenführungen des Schweizerischen Roten Kreuzes. «Mir ist wichtig, dass ich wenigstens ein paar Leuten helfen kann.»

Die Familie lebte ihr vor, anderen zu helfen

«Der Gedanke zu helfen ist bei mir verankert. Das hat mir meine Familie schon vorgelebt», sagt Vogel. Vogels Eltern haben früher ein Ferienzentrum vom Blauen Kreuz geführt, in das unter anderem auch Alkoholiker zur Erholung gekommen sind.

Bereits in den 80ern sei sie zudem von dem Engagement ihrer Tante geprägt worden. «Sie ist sehr lange in Kamerun gewesen und hat als Krankenschwester gemeinnützige Arbeit geleistet», erzählt Vogel. Ihre Tante habe nur alle drei Jahre nach Hause kommen können, da sie sich die Reise sonst nicht leisten konnte.

Eine moderne Lösung mit einem Radio aus den 60ern

Bei der EP «Arrive» kann direkt beim Kauf ein Betrag als Spende dazugerechnet werden. Sie kann jetzt bereits vorbestellt werden und kommt mit einer speziellen Verpackung. Vogel sagt, sie habe sich gefragt, was heutzutage überhaupt noch sinnvoll sei. «Es läuft alles über Spotify oder Apple Music. Ich habe nicht mal mehr ein CD-Laufwerk», erklärt sie.

Die Lieder der EP «Arrive» erreichen die Hörerinnen und Hörer auf einem Stick und mit der Bluetooth-Box in Form eines Retro-Radios.

Die Lieder der EP «Arrive» erreichen die Hörerinnen und Hörer auf einem Stick und mit der Bluetooth-Box in Form eines Retro-Radios.

zvg

Die fünf Lieder der EP kommen darum auf einem Stick daher, werden aber von einer Bluetooth-Box in der Form eines alten Radios begleitet. «Bei meinen Grosseltern stand früher ein solcher in der Stube. Es ist ein Radio wie aus den 60er-Jahren», erzählt Vogel. Das Mini-Radio habe sogar einen Knopf, bei dem das Radio «chroset».

Ihre neuen Lieder will Tabea Vogel auch wieder auf der Bühne präsentieren, wenn es möglich ist. Eine Tournee sei aber frühestens für den Winter geplant. Bis dahin können ihre Lieder über die Retro-Radio-Box abgespielt werden.

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